Regierungskritiker bleibt in Haft
Demonstration in Bahrain "Freiheit für alle politischen Gefangenen, Februar 2011
© Al Jazeera English
Die Staatsanwaltschaft hat am 10. Dezember die Haftanordnung gegen den bahrainischen Menschenrechtler Hussain Mohammad Jawad um 30 Tage verlängert. Als Grund dafür wurde angegeben, es seien Ermittlungen wegen neuer Vorwürfe gegen den Menschenrechtsverteidiger eingeleitet worden, darunter wegen "Beleidigung des Königs" und "Kritik an einer nationalen Institution".
Appell an
KÖNIG
Shaikh Hamad bin 'Issa Al Khalifa
Office of His Majesty the King
P.O. Box 555, Rifa’a Palace, al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 973) 1766 45 87
INNENMINISTER
Shaikh Rashid bin 'Abdullah Al Khalifa
Ministry of Interior, P.O. Box 13, al-ManamaBAHRAIN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 973) 1723 26 61
Twitter: @moi_Bahrain
Sende eine Kopie an
MINISTER FÜR JUSTIZ UND ISLAMISCHE ANGELEGENHEITEN
Shaikh Khalid bin Ali bin Abdullah Al Khalifa
Ministry of Justice and Islamic Affairs
P. O. Box 450, al-Manama, BAHRAIN
Fax: (00 973) 1753 12 84
E-Mail: minister@justice.gov.bh
Twitter: @Khaled_Bin_Ali
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS BAHRAIN
S. E. Herrn Ebrahim Mohmood Ahmed Abdulla
Klingelhöfer Str. 7, 10785 Berlin
Fax: 030-8687 7788
E-Mail: info@bahrain-embassy.de oder über
http://www.bahrain-embassy.de/kontakt
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 24. Januar 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS, TWITTERNACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Es besorgt mich sehr, dass Hussain Mohammad Jawad allein wegen der Ausübung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert ist.
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Ich bitte Sie deshalb, ihn umgehend und bedingungslos freizulassen.
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Auch angesichts der Berichte über die schlechten Haftbedingungen, unter denen Hussain Mohammad Jawad und andere festgehalten werden, bin ich sehr besorgt.
- Bitte sorgen Sie dafür, dass Hussain Mohammad Jawad weder gefoltert noch anderweitig misshandelt wird und dass er Zugang zu seiner Familie und einem Rechtsbeistand seiner Wahl erhält.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern that Hussain Jawad is a prisoner of conscience, held solely for peacefully exercising his right to freedom of expression, and urging the Bahraini authorities to release him immediately and unconditionally.
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Expressing concern about his prison conditions.
- Urging the authorities to protect him from torture and other ill-treatment and to ensure that he is granted family visits and access to a lawyer of his own choosing.
Sachlage
Hussain Mohammad Jawad, Vorsitzender der "Europäisch-Bahrainischen Organisation für Menschenrechte" (European-Bahraini Organization for Human Rights – EBOHR), wurde am 8. Dezember zur Polizeiwache von al-Noaim im Nordwesten der Hauptstadt Manama gebracht. Er sollte dort verhört werden, erhielt aber keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand. Man informierte ihn dann, es seien Ermittlungen wegen neuer Vorwürfe, u.a. wegen "Beleidigung des Königs" und "Kritik an einer nationalen Institution" gegen ihn eingeleitet worden. Die Vorwürfe beziehen sich auf eine Rede, die er bei einem Sitzstreik am 13. November im Rahmen des schiitischen Ashura-Fests in Manama gehalten hatte. Der Rechtsbeistand von Hussain Mohammad Jawad wurde nicht über die neuen Vorwürfe gegen seinen Mandanten informiert. Sie dienten jedoch der Staatsanwaltschaft als Begründung für die Haftverlängerung für Hussain Mohammad Jawad um 30 Tage.
Am 2. Dezember wurde der Ehefrau von Hussain Mohammad Jawad der Zugang zu ihrem Mann im Gefängnis Dry Dock verweigert, weil sie ein T-Shirt mit seinem Foto und der Forderung nach seiner Freilassung trug. Hussain Mohammad Jawad trat daraufhin in einen Hungerstreik, den er bis zu 11. Dezember fortsetzte. Seit seiner Festnahme trägt Hussain Mohammad Jawad Informationen über Fälle anderer Gefangener zusammen, die mit ihm inhaftiert sind, und dokumentiert die Haftbedingungen. Er hat bereits mehrere Briefe an die Gefängnisbehörden verfasst, in denen er sich über die Haftbedingungen beschwert, darunter die kaputte Toilette in seiner Zelle, wodurch ungeklärte Abwässer in die Zelle gelangen und Insekten anziehen.
Hussain Mohammad Jawad wurde am 24. November wegen "Schürens von Hass auf das Regime" festgenommen – ein Vorwurf, der sich ebenfalls auf eine Rede bezog, die er am 13. November auf einer Protestveranstaltung in Manama gehalten hatte. In seiner Rede appellierte Hussain Mohammad Jawad an die bahrainische Bevölkerung, ihre Rechte friedlich und ohne Furcht einzufordern. Außerdem kritisierte er die Behörden scharf. Amnesty International hat eine Videoaufnahme der Rede von Hussain Mohammad Jawad geprüft und ist der Ansicht, dass sie keinen Aufruf zur Gewalt enthält. Amnesty International betrachtet Hussain Mohammad Jawad als gewaltlosen politischen Gefangenen, der allein wegen der Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert ist.
Hintergrundinformation
Hussain Mohammad Jawad ist der Sohn von Mohammad Hassan Jawad, der derzeit als einer von 13 inhaftierten Oppositionellen im Jaw-Gefängnis eine 15-jährige Freiheitsstrafe verbüßt. Er wurde am 24. November festgenommen, als er auf der al-Wusta-Polizeiwache südlich von Manama Anzeige gegen eine bahrainische Tageszeitung und eine regierungsfinanzierte NGO (government-organized non-governmental organization – GONGO) wegen Verleumdung und Aufhetzung erstatten wollte. Die Zeitung und die GONGO hatten Fotos und Namen von 18 bahrainischen MenschenrechtsverteidigerInnen und politischen AktivistInnen veröffentlicht, denen sie vorwarfen, für "Menschenrechtsverletzungen" und "terroristische Anschläge" im Land verantwortlich zu sein und die deshalb bestraft werden müssten. Diese Aktion war offenbar eine Reaktion auf eine Kampagne des Menschenrechtszentrums von Bahrain (BCHR). Im Zuge der Kampagne veröffentlichte die Organisation die Namen einiger Personen, die nach Ansicht des BCHR für die andauernden Menschenrechtsverletzungen in Bahrain verantwortlich sind oder an ihnen beteiligt waren.
Die Unabhängige Untersuchungskommission Bahrains, die am 29. Juni 2011 vom König benannt wurde, ist damit beauftragt worden, während der Proteste 2011 begangene Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen und einen Bericht zu erstellen. Nach der Veröffentlichung dieses Berichts im November 2011 verpflichtete sich die bahrainische Regierung öffentlich zur Umsetzung der darin enthaltenen Empfehlungen. Der Bericht beleuchtete die Reaktion der Regierung auf die Massenproteste und dokumentierte weitreichende Menschenrechtsverletzungen. In einer der Schlüsselempfehlungen forderte der Bericht die Regierung auf, die Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen wie Folter und exzessive Gewaltanwendung vor Gericht zu stellen und unabhängige Untersuchungen zu Foltervorwürfen durchzuführen.
Dennoch sind viele der Versprechen der Regierung bis heute nicht eingelöst worden. Die Einberufung der BICI und ihr Bericht wurden als bahnbrechende Initiative angesehen, doch nach über einem Jahr ist das Versprechen bedeutender Reformen von der Regierung immer noch nicht in die Tat umgesetzt worden. Die bahrainische Regierung kommt den wesentlichen Empfehlungen der BICI zur Rechenschaftslegung nicht nach. Dazu zählt das Versagen, unabhängige, effektive und transparente Untersuchungen zu Anschuldigungen über Folter und andere Misshandlungen, exzessiver Gewaltanwendung und der Strafverfolgung derjenigen, die andere angewiesen haben Menschenrechtsverletzungen zu verüben, einzuleiten. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem englischen Bericht Bahrain: Reform shelved, Repression unleashed unter http://amnesty.org/en/library/info/MDE11/062/2012/en.
Zwei Jahre nach dem Bericht der Unabhängigen Untersuchungskommission Bahrains (Bahrain Independent Commission of Inquiry – BICI) hat die Regierung die wichtigsten Empfehlungen des Berichts immer noch nicht umgesetzt. Es befinden sich nach wie vor gewaltlose politische Gefangene in Haft – darunter auch Demonstrierende, die während der Proteste festgenommen wurden. Die Rechte auf freie Meinungsäußerung sowie Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit werden weiterhin unterdrückt und es sind noch mehr Personen inhaftiert worden, weil sie auf Twitter oder bei Demonstrationen friedlich ihre Meinung geäußert haben. Bahrainische Gerichte scheinen stärker darauf bedacht zu sein, sich der Regierung unterzuordnen, als wirksame Rechtsmittel für BahrainerInnen anzubieten und die Rechtsstaatlichkeit aufrechtzuerhalten.
Am 28. Juli 2013 hielt das bahrainische Parlament eine außerordentliche Sitzung ab und legte dem König Scheich Hamad Bin 'Issa Al Khalifa daraufhin 22 Empfehlungen vor, welche die im Antiterrorgesetz von 2006 dargelegten Strafen verschärfen. Wenige Tage später erließ der König mehrere Dekrete, die das Recht auf freie Meinungsäußerung weiter beschränken. So sind z. B. alle Proteste, Sitzstreiks und Versammlungen auf unbestimmte Zeit verboten und den Sicherheitskräften wurden weitere umfassende Befugnisse erteilt.
In einer gemeinsamen Erklärung an die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte vom 9. September zur Menschenrechtslage in Bahrain, die 47 Staaten unterzeichnet haben, äußerten diese im Rahmen der 25. Tagung des UN-Menschenrechtsrates ihre Besorgnis über die fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen in Bahrain.