Drohende Haftstrafe wegen politisch motivierter Anklage

Ergebnis dieser Urgent Action

Shayam Brang Shawng (auch bekannt als Brang Shawng) aus dem myanmarischen Kachin-Staat wurde für schuldig befunden, unwahre Behauptungen über die myanmarische Armee gemacht zu haben. Er wurde zu einer verhältnismäßig milden Strafe verurteilt. Organisationen vor Ort sind der Ansicht, dass der internationale Druck dazu beigetragen hat, eine härtere Strafe zu verhindern.

Der Filmemacher Min Htin Ko Ko Gyi wird von der Polizei abgeführt.

Der Filmemacher Min Htin Ko Ko Gyi

In Myanmar droht Shayam Brang Shawng (auch bekannt als Brang Shawng) eine Haftstrafe, nachdem er die Behörden dazu aufforderte, die Verantwortung der Armee für den Tod seiner Tochter zu untersuchen. Die Anklagen gegen ihn müssen unverzüglich fallengelassen werden.

Appell an

PRÄSIDENT
U Thein Sein
President’s Office, Nay Pyi Taw, MYANMAR
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 95) 1 652 624

OBERBEFEHLSHABER DER MYANMARISCHEN STREITKRÄFTE
Senior General Min Aung Hlaing
Building 24
Nay Pyi Taw
MYANMAR
(Anrede: Dear General/ Sehr geehrter Herr General)

Sende eine Kopie an

VORSITZENDER DER MENSCHENRECHTSKOMMISSION

U Win Mra

27 Pyay Road, Hline Township
Rangun, MYANMAR
Fax: (00 95) 1 659 668
E-Mail: winmra@mnhrc.org.mm

BOTSCHAFT DER UNION MYANMAR
S. E. Herrn Soe Nwe
Thielallee 19, 14195 Berlin
Fax: 030-2061 5720
E-Mail: info@botschaft-myanmar.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Birmanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 28. Januar 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

LUFTPOSTBRIEFE ODER FAXE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fordere Sie höflich auf, die Anklagen gegen Brang Shawng unverzüglich fallenzulassen.

  • Bitte leiten Sie unverzüglich eine unabhängige, unparteiische und wirksame Untersuchung des Todes von Ja Seng Ing ein und stellen Sie die Verantwortlichen in einem fairen Verfahren vor ein Zivilgericht. Sorgen Sie bitte dafür, dass im Verfahren die Verhängung der Todesstrafe ausgeschlossen wird.

  • Bitte stellen Sie zudem sicher, dass Personen, die Beschwerde wegen Menschenrechtsverletzungen, einschließlich bei der MNHRC, einlegen, weder eingeschüchtert werden noch Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt sind und dass stattdessen Schutzmechanismen für Opfer sowie Zeug_innen und deren Familien geschaffen werden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Demanding that the Myanmar authorities immediately drop the charges against Brang Shawng.

  • Calling on them to undertake a prompt, impartial, independent and effective investigation into the death of Ja Seng Ing and bring those responsible to justice in independent, civilian courts in trials which meet international standards of fairness, and which do not impose the death penalty.

  • Ensure that all those who make complaints about human rights violations – including to the MNHRC – are not subject to intimidation or retaliatory action and, instead, that adequate protection mechanisms are put in place for victims, witnesses and their families.

Sachlage

Die Tochter von Brang Shawng, Ja Seng Ing, starb am 13. September 2012 im Township Hpakant im Bundesstaat Kachin, der sich im Norden Myanmars befindet. Sie war damals 14 Jahre alt. Laut Berichten von Augenzeug_innen wurde sie von Angehörigen der myanmarischen Armee erschossen. Die Armee behauptet hingegen, das Mädchen sei durch eine Landmine der Kachin Independence Army (KIA) gestorben, die etwa zur selben Zeit explodierte, zu der Ja Seng Ing erschossen worden sein soll.

Am 25. September 2012 schickte Brang Shawng einen Brief an den Präsidenten, in dem er ihn aufforderte, sich des Falls anzunehmen. Zusätzlich schrieb er am 1. Oktober 2012 der Menschenrechtskommission Myanmars (MNHRC) und bat sie, den Tod seiner Tochter zu untersuchen. Auf beide Briefe erhielt er keine Antwort. Am 25. Februar 2013 wurde er unter Paragraf 211 des Strafgesetzbuchs Myanmars angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, in dem Brief an die MNHRC unwahre Behauptungen über die myanmarische Armee gemacht zu haben. Ein Major der Armee hatte bei der Polizeistation im Township Hpakant Anzeige gegen Brang Shawng erstattet. Es ist nicht bekannt, wie die myanmarische Armee Zugang zu dem Brief von Brang Shawng an die MNHRC erhalten hat.

Das Gerichtsverfahren gegen Brang Shawng findet derzeit in einem Gericht des Townships Hpakant statt. Ihm drohen bis zu sieben Jahre Haft. Man geht davon aus, dass die Anklagen gegen ihn politisch motiviert sind und eine Vergeltungsmaßnahme für seine Beschwerde gegen die Armee sind. Sollte er verurteilt und inhaftiert werden, würde Amnesty International ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen betrachten.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Ja Seng starb ein Jahr, nachdem im Juni 2011 in den nördlichen Shan-Staaten und im Bundesstaat Kachin im Norden Myanmars der Konflikt zwischen der Armee Myanmars und der Kachin Independence Army (KIA) erneut ausgebrochen war. Seit dem Wiederaufkeimen des Konflikts erhält Amnesty International regelmäßig Berichte über Menschenrechtsverletzungen durch Angehörige der Armee. Unter anderem wird von rechtswidrigen Tötungen, Folter und anderweitigen Misshandlungen, Verschwindenlassen, Vergewaltigungen sowie anderen sexuellen Straftaten berichtet. Unabhängige Ermittlungen dieser Vorwürfe gibt es nur selten, und mutmaßliche Täter_innen werden nur selten zur Verantwortung zu gezogen, was zu einer Kultur der Straffreiheit im Land beiträgt. Myanmar unterliegt dem Völkergewohnheitsrecht, welches das Recht auf wirksamen Rechtsbehelf, um gegen Menschenrechtsverletzungen vorzugehen, sowie Gleichheit vor dem Gesetz und das Recht auf ein faires Verfahren garantiert.

Als Vertragsstaat des Übereinkommens über die Rechte des Kindes ist Myanmar rechtlich dazu verpflichtet, Kinder wie Ja Seng Ing zu schützen und ihr angeborenes Recht auf Leben zu respektieren (Artikel 6) sowie sie vor jeder Form der Gewaltanwendung zu schützen (Artikel 19). Nachdem myanmarische Behörden dieser Verpflichtung nicht nachgekommen sind, wäre es ihre Pflicht gewesen, unverzüglich eine unabhängige, unparteiische und wirksame Untersuchung des Todes von Ja Seng Ing einzuleiten, mit dem Ziel, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. Wie der Ausschuss für die Rechte des Kindes erklärte, "muss ein wirksamer Rechtsbehelf verfügbar sein, damit gegen Gesetzesverstöße vorgegangen werden kann und Rechte etwas bedeuten". Nichts anderes forderte Brang Shawng – Gerechtigkeit und einen Rechtsbehelf.

Dass Brang Shawng unter Anklage gestellt wurde, weil er die Aufklärung des Todes seiner Tochter gefordert hatte, ist ungerecht und hätte nie passieren dürfen. Darüber hinaus erreichen Amnesty International besorgniserregende Meldungen, Brang Shawng erhalte ein unfaires Gerichtsverfahren aufgrund eines fehlenden Zugangs zu Rechtsbeiständen, der Anwesenheit bewaffneter Soldat_innen vor dem Gerichtsgebäude, der Amtsenthebung von Richter_innen und der Beeinflussung von Zeug_innen.

Das Strafverfahren gegen Brang Shawng gibt Anlass zur Sorge hinsichtlich der operativen Unabhängigkeit der Menschenrechtskommission Myanmars und deren Fähigkeit, Personen zu schützen, die Beschwerden gegen die Kommission einlegen. In den UN-Grundsätzen betreffend der Stellung nationaler Institutionen (Pariser Prinzipien), aus denen die internationalen Standards für die Tätigkeit nationaler Menschenrechtsorganisationen hervorgehen, wird die Unabhängigkeit jener Institutionen von staatlichen Eingriffen gefordert. Überdies sieht Artikel 42 des Gesetzes über die myanmarische Menschenrechtskommission (Nr. 21/2014) vor, dass Personen nicht "schikaniert, eingeschüchtert, bedroht, belästigt oder anderweitig beeinträchtigt werden dürfen, weil sie Informationen oder Beweise im Bezug auf eine Beschwerde, Ermittlung oder ein Verfahren" der MNHRC weitergegeben haben.

Nationale und internationale Organisationen zeigten sich angesichts des Falles von Brang Shwang und dem Tod seiner Tochter Ja Seng Ing besorgt. Am 18. Dezember 2014 verschickten Amnesty International, die NGO Fortify Rights, die studentische Rechtsberatung für Menschenrechte der Harvard Law School, Human Rights Watch, die internationale Juristenkommission und die NGO Physicians for Human Rights einen gemeinsamen Brief an den Präsidenten Myanmars, in dem sie dazu aufriefen, die Anklagen gegen Brang Shwang fallenzulassen. Den Brief können Sie hier in englischer Sprache abrufen: http://www.amnesty.org/en/library/info/ASA16/030/2014/en.