Keine Abschiebung in die Folter

Ibrahim Zautdinovich Mankiev, der zur inguschischen Minderheit in Russland gehört und die russische Staatsbürgerschaft besitzt, könnte möglicherweise in Kürze nach Russland abgeschoben werden, wo ihm Folter und andere Misshandlungen drohen. Gegenwärtig wird er in Ägypten ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten.

Appell an

INNENMINISTER
Minister Habib Ibrahim el-Adly
Ministry of the Interior
25 El Sheikh Rihan Street
Bab al-Louk
Cairo
ÄGYPTEN
(korrekte Anrede: Dear Minister)
Fax: (00 20) 22 796 0682
E-Mail: moi@idsc.gov.eg

GENERALSTAATSANWALT
Abd el-Megeed Mahmoud
Dar al-Qadha al-'Ali
Ramses Street
Cairo
ÄGYPTEN
(korrekte Anrede: Dear Counsellor)
Fax: (00 20) 22 577 4716

Sende eine Kopie an

BERATER FÜR MENSCHENRECHTE IM AUSSENMINISTERIUM
Wael Abu al-Magd
Human Rights and International Humanitarian and Social Affairs
Ministry of Foreign Affairs
Corniche al-Nil
Cairo
ÄGYPTEN
Fax: (00 20) 22 574 9713

BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
S.E. Herrn Ramzy Ezz Eldin Ramzy
Stauffenbergstraße 6 – 7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. Januar 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Fordern Sie die Behörden auf, Ibrahim Zautdinovich Mankiev nicht abzuschieben, da ihm bei der Rückkehr nach Russland Folter oder andere Misshandlungen sowie ein unfaires Gerichtsverfahren drohen.

  • Fordern Sie die ägyptischen Behörden auf, umgehend den Aufenthaltsort von Ibrahim Zautdinovich Mankiev bekannt zu geben und ihm Zugang zu seiner Familie, einer anwaltlichen Vertretung seiner Wahl und jeder notwendigen medizinischen Versorgung zu gewähren.

  • Appellieren Sie an die Behörden sicherzustellen, dass er weder gefoltert noch in anderer Weise misshandelt wird.

Sachlage

Mittlerweile wird vermutet, dass die russischen Behörden die Auslieferung von Ibrahim Zautdinovich Mankiev beantragt haben. Ibrahim Zautdinovich Mankiev war am 10. November in Alexandria von ägyptischen Sicherheitskräften festgenommen worden und wird seither offenbar ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten.

Wenn Ibrahim Zautdinovich Mankiev nach Russland abgeschoben wird, drohen ihm dort ein unfaires Gerichtsverfahren sowie Folter und andere Misshandlungen, um ihn zu einem "Geständnis" zu zwingen.

Amnesty International spricht sich gegen die Auslieferung von Ibrahim Zautdinovich Mankiev an Russland aus. Die Organisation erhält regelmäßig Berichte, wonach Häftlinge in Russland gefoltert oder anderweitig misshandelt werden. Die Behörden stellen zu solchen Berichten häufig keine effektiven Untersuchungen an, und die Verantwortlichen bleiben straffrei. Im Nordkaukasus sind Amnesty International viele Fälle bekannt, in denen Straftatverdächtige gefoltert oder anderweitig misshandelt wurden. Unter Folter erzwungene "Geständnisse" sind in Prozessen verwendet worden, die nicht den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren entsprachen. Es gibt auch zahlreiche Berichte über Fälle, in denen Verurteilte aus dem Nordkaukasus in abgelegene Gefängniskolonien in anderen Teilen Russlands überstellt wurden, wo sie Folter und anderer unmenschlicher und erniedrigender Behandlung ausgesetzt waren.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Ibrahim Zautdinovich Mankiev und seine Frau Maret Mankieva wurden am 10. November von PolizistInnen in Alexandria festgenommen, nachdem sie im russischen Konsulat den Pass von Ibrahim Zautdinovich Mankiev hatten verlängern wollen. Man hielt die beiden in einem Polizeigebäude in Alexandria fest, wahrscheinlich in einer Einrichtung der ägyptischen Staatssicherheit (SSI). Maret Mankieva wurde am selben Tag freigelassen. Die Sicherheitskräfte befahlen ihr, sie zu ihrer Wohnung in Alexandria zu bringen und durchsuchten ohne Durchsuchungsbefehl die Wohnung des Ehepaares. Bevor Maret Mankieva die Hafteinrichtung verließ, durfte sie noch einmal zu ihrem Mann. Sie berichtet, dass Ibrahim Zautdinovich Mankiev an Armen und Beinen mit Handschellen und Stricken gefesselt war und am Kopf und im Gesicht blutige Verletzungen von den Schlägen der PolizistInnen hatte.

Seither durfte Maret Mankieva ihren Mann weder sehen noch ihm persönliche Sachen zukommen lassen. Die Behörden haben auch nicht bestätigt, dass er sich in ihrem Gewahrsam befindet, und es ist keine Anklage gegen ihn erhoben worden. Vermutlich wird er nach wie vor in Alexandria festgehalten.

Ibrahim Zautdinovich Mankiev und Maret Mankieva leben seit 2006 in Ägypten. Sie hatten Russland verlassen, weil die Behörden sie wegen Ibrahim Zautdinovich Mankievs religiöser Arbeit schikanierten. In Ägypten beschäftigte Ibrahim Zautdinovich Mankiev sich weiter mit dem Islam und wollte an einer Universität Islamwissenschaften studieren. Offenbar hatte das russische Konsulat in Ägypten seinen Pass nicht verlängern können. Die zuständigen KonsulatsvertreterInnen gaben an, keinerlei Informationen über Ibrahim Zautdinovich Mankiev zu haben.

Bereits im Juni waren mindestens sechs russische StaatsbürgerInnen aus Ägypten abgeschoben worden. Dem vorausgegangen war eine Welle von Festnahmen ausländischer Studierender, darunter etwa 35 russische Staatsangehörige. Vier weitere russische Staatsangehörige wurden am 18. Juni aus Ägypten abgeschoben. Bei ihrer Ankunft in Russland nahm man sie fest und ließ sie nach einem Verhör wieder frei.