Haft ohne Kontakt zur Aussenwelt
Ibrahim Zautdinovich Mankiev, der zur inguschischen Minderheit in Russland gehört und die russische Staatsbürgerschaft besitzt, wird seit dem 10. November in Ägypten ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. Vermutlich wird er in der Stadt Alexandria an der ägyptischen Nordküste von Angehörigen des Staatssicherheitsdienstes SSI festgehalten. Ihm drohen Folter und anderweitige Misshandlungen, außerdem könnte er nach Russland abgeschoben werden.
Appell an
INNENMINISTER
Minister Habib Ibrahim el-Adly
Ministry of the Interior
25 Al-Sheikh Rihan Street
Bab al-Louk
Cairo
ÄGYPTEN
(korrekte Anrede: Your Dear Minister)
Fax: (00 20) 22 796 0682
E-Mail: moi@idsc.gov.eg
GENERALSTAATSANWALT
Abd el-Megeed Mahmoud
Dar al-Qadha al-'Ali
Ramses Street
Cairo
ÄGYPTEN
(korrekte Anrede: Dear Counsellor)
Fax: (00 20) 22 577 4716
Sende eine Kopie an
LEITER DER BEHÖRDE FÜR MENSCHENRECHTE IM AUSSENMINISTERIUM
Wael Abu al-Magd
Human Rights and International Humanitarian and Social Affairs
Ministry of Foreign Affairs
Corniche al-Nil
Cairo
ÄGYPTEN
Fax: (00 20) 22 574 9713
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
S.E. Herrn Ramzy Ezz Eldin Ramzy
Stauffenbergstraße 6 – 7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 25. Dezember 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Fordern Sie die ägyptischen Behörden auf, umgehend den Aufenthaltsort von Ibrahim Zautdinovich Mankiev bekannt zu geben und ihm Zugang zu seiner Familie, einer anwaltlichen Vertretung seiner Wahl, konsularischer Beratung und jeder notwendigen medizinischen Versorgung zu gewähren.
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Appellieren Sie an die Behörden, sicherzustellen, dass er weder gefoltert noch in anderer Weise misshandelt wird.
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Fordern Sie die Behörden auf, Ibrahim Zautdinovich Mankiev unverzüglich und bedingungslos freizulassen, sofern er nicht umgehend einer als Straftat erkennbaren Handlung angeklagt wird und ein nach internationalen Standards faires Gerichtsverfahren erhält.
- Appellieren Sie an den Innenminister, Ibrahim Zautdinovich Mankiev und andere russische Staatsangehörige nicht abzuschieben, wenn ihnen in Russland Folter oder andere Misshandlungen drohen.
Sachlage
Ibrahim Zautdinovich Mankiev und seine Frau Maret Mankieva wurden am 10. November nach einem Besuch im russischen Konsulat in Alexandria festgenommen, wo sie den Pass von Ibrahim Zautdinovich Mankiev hatten verlängern wollen. Nach Verlassen des Konsulats folgten ihnen zwei PolizeibeamtInnen in Zivil, die Ibrahim Zautdinovich Mankiev geschlagen haben sollen, bevor sie das Ehepaar festnahmen. Sie wiesen keinen Haftbefehl vor und gaben keine Auskunft über den Grund der Festnahme. Erst fuhr man sie zu einer Polizeidienststelle, dann brachte man sie in ein anderes Polizeigebäude in Alexandria, wahrscheinlich eine SSI-Einrichtung. Dort verband man ihnen die Augen und brachte sie in unterschiedliche Räume.
Die Sicherheitskräfte erklärten Maret Mankieva, dass sie und ihr Mann überwacht worden seien, und befahlen ihr, sie zu ihrer Wohnung zu bringen. Sie durfte noch fünf Minuten zu ihrem Mann, bevor sie mit den Sicherheitskräften das Gebäude verließ. Wie sie Amnesty International erzählte, hatte man Ibrahim Zautdinovich Mankiev an Armen und Beinen mit Handschellen und Stricken gefesselt, und er blutete am Kopf und im Gesicht. Dann durchsuchten die Sicherheitskräfte ohne Durchsuchungsbefehl die Wohnung des Ehepaares und konfiszierten verschiedene Unterlagen.
Als die Sicherheitskräfte das Haus verließen, durfte Maret Mankieva dableiben. Ihr Mann wurde jedoch nicht freigelassen. Seither durfte Maret Mankieva ihn nicht sehen oder ihm persönliche Sachen zukommen lassen. Die Behörden haben auch nicht bestätigt, dass er sich in ihrem Gewahrsam befindet, und es ist keine Anklage gegen ihn erhoben worden. Am 11. November teilte der russische Vizekonsul Maret Mankieva mit, dass Ibrahim Zautdinovich Mankiev sich weiterhin in Haft befinde und er keinen Besuch empfangen dürfe.
Bereits im Juni waren mindestens sechs russische StaatsbürgerInnen aus Ägypten abgeschoben worden. Dem vorausgegangen war eine Welle von Festnahmen ausländischer Studierender, darunter etwa 35 russische Staatsangehörige. Daher ist Amnesty International in Sorge, dass Ibrahim Zautdinovich Mankiev möglicherweise die Abschiebung nach Russland droht, wo er willkürlich festgenommen werden könnte und ihm Folter und andere Misshandlungen drohen.
Hintergrundinformation
Ibrahim Zautdinovich Mankiev und Maret Mankieva leben seit drei Jahren in Ägypten. Sie hatten Russland verlassen, um Schikanen der dortigen Behörden zu entgehen. Dort war Ibrahim Zautdinovich Mankiev als Imam (muslimischer Geistlicher) tätig gewesen. In Ägypten beschäftigte er sich weiter mit dem Islam und wollte an einer Universität Islamwissenschaften studieren. Offenbar hatte das russische Konsulat in Ägypten seinen Pass nicht verlängern können. Die zuständigen KonsulatsvertreterInnen gaben an, dass sie keinerlei Informationen über Ibrahim Zautdinovich Mankiev hätten.
Bereits am 19. Juni waren die russischen Staatsbürger Maskhud Abdullaev, den man am 27. Mai festgenommen hatte, und Akhmed Azimov aus Kairo nach Moskau abgeschoben worden. Dort nahmen Männer in Zivil die beiden fest und ließen Akhmed Azimov nach einer mehrstündigen Befragung wieder frei. Der Aufenthaltsort von Maskhud Abdullaev, dessen Vater ein führendes Mitglied einer bewaffneten tschetschenischen Gruppe ist, war jedoch bis zum 29. Juni unbekannt. Dann trat er im tschetschenischen Fernsehen auf und gab an, freiwillig nach Tschetschenien gekommen zu sein, um "seine Verwandten zu besuchen und zu sehen, was das Leben in Tschetschenien so macht".
Es bestehen jedoch Zweifel, ob Maskhud Abdullaev wirklich freiwillig nach Tschetschenien kam. Menschenrechtsorganisationen äußerten die Befürchtung, dass er von tschetschenischen Sicherheitskräften festgehalten wurde, um Druck auf seinen Vater auszuüben und ihn für Propagandazwecke zu benutzen. Erst nach dem Eingreifen von MenschenrechtlerInnen konnte Maskhud Abdullaev Tschetschenien verlassen und nach Aserbaidschan zu seiner Familie reisen (weitere Informationen zu diesem Fall in UA-170/2009).
Vier weitere russische Staatsangehörige wurden am 18. Juni aus Ägypten abgeschoben. Bei ihrer Ankunft in Russland nahm man sie fest und ließ sie nach einem Verhör wieder frei. Amnesty International erhält häufig Berichte über Inhaftierte, die in der Russischen Föderation gefoltert oder anderweitig misshandelt werden. Die Behörden stellen keine effektiven Untersuchungen dieser Fälle an, und die Verantwortlichen werden nicht vor Gericht gestellt.