Syrer "verschwunden"
Ghassan Yasin
© privat
Der syrische Aktivist Ghassan Yasin wird seit 18. August in seinem Heimatort Aleppo im Norden Syriens vermisst. Man vermutet, dass er in geheimer Haft von der Abteilung für Politische Sicherheit in Aleppo gefangen gehalten wird. Er wurde bereits zuvor festgenommen und Berichten zufolge von den syrischen Sicherheitskräften gefoltert. Er ist außerdem an Hepatitis C erkrankt.
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de,
press@syrianembassy.de, secretary@syrianembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. November 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich möchte meine große Sorge darüber zum Ausdruck bringen, dass Ghassan Yasin Opfer des Verschwindenlassens ist und seit dem 18. August 2011 in geheimer Haft gehalten wird.
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Ich fordere Sie auf, unverzüglich Informationen bezüglich seines Verbleibs und der gegen ihn erhobenen Anklagepunkte bekannt zu geben und ihm den Kontakt zu Familienangehörigen sowie einem Rechtsbeistand seiner Wahl zu gestatten. Stellen sie bitte auch sicher, dass Ghassan Yasin vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt und ausreichend medizinisch versorgt wird.
- Lassen Sie Ghassan Yasin umgehend und bedingungslos frei, wenn er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der sich nur deshalb in Haft befindet, weil er von seinem Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit Gebrauch gemacht hat.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Express concern that Ghassan Yasin appears to be a victim of enforced disappearance detained in secret since 18 August 2011.
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Urge the Syrian authorities to immediately disclose his whereabouts and legal status, allow him access to his family and a lawyer of his choice, ensure he is fully protected against torture or other ill-treatment, and provided with any medical attention he may require.
- Call for Ghassan Yasin to be released immediately and unconditionally if he being detained solely for exercising his rights to freedom of expression and assembly and therefore a prisoner of conscience.
Sachlage
Ghassan Yasin wurde das letzte Mal gegen 16 Uhr nach einem Treffen mit einer Gruppe von ProtestorganisatorInnen in Aleppo gesehen. Zur Zeit seines Verschwindens versteckte sich der Aktivist seit ungefähr drei Monaten vor den Sicherheitskräften. Bis Anfang September wusste man nichts über seinen Verbleib. Im September berichtete dann ein ehemaliger Gefangener, dass er sich eine Zelle mit Ghassin Yasin in der Abteilung für Politische Sicherheit in Aleppo geteilt habe.
Einer Kontaktperson zufolge besuchte ein Familienmitglied das Gefängnis am 13. September, um Ghassan Yasin Kleidung zu bringen, aber ihm wurde mitgeteilt, dass der Aktivist nicht dort sei und man nichts über seinen Verbleib wisse. Außerdem berichtete die Kontaktperson, dass die Familie des Syrers noch immer versuche, etwas über den Vermissten herauszufinden, aber dass sie bisher erfolglos gewesen sei. Ghassin Yasin ist vermutlich Opfer des Verschwindenlassens geworden und befindet sich in großer Gefahr.
Laut der Person, die angab eine Zelle mit dem Aktivisten geteilt zu haben, wurde Ghassan Yasin zu der Zeit nicht gefoltert. Aber sein Gesundheitszustand soll sich verschlechtert haben, was auf seine Erkrankung und die Haftbedingungen zurückgeführt werden kann. Es ist nicht bekannt, ob Gesundheitsprobleme bei ihm auftreten, die von seiner Hepatitis C-Infektion herrühren und falls dies der Fall sein sollte, ob ihm eine ausreichende medizinische Versorgung zur Verfügung steht. Im Februar war Ghassan Yasin für 35 Tage festgenommen worden. In dieser Zeit wurde er Berichten zufolge aufgrund seiner friedlichen Proteste gegen staatliche Korruption gefoltert.
Es sind keine Anklagepunkte gegen den Gefangenen bekannt, aber Ghassan Yasins Festnahme beruht laut Berichten auf der Tatsache, dass er an friedlichen reformbefürwortenden Demonstrationen teilgenommen hat. Daher ist er ein gewaltloser politischer Gefangener, der nur deshalb inhaftiert wurde, weil er seine Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit wahrgenommen hat.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich möchte meine große Sorge darüber zum Ausdruck bringen, dass Ghassan Yasin Opfer des Verschwindenlassens ist und seit dem 18. August 2011 in geheimer Haft gehalten wird.
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Ich fordere Sie auf, unverzüglich Informationen bezüglich seines Verbleibs und der gegen ihn erhobenen Anklagepunkte bekannt zu geben und ihm den Kontakt zu Familienangehörigen sowie einem Rechtsbeistand seiner Wahl zu gestatten. Stellen sie bitte auch sicher, dass Ghassan Yasin vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt und ausreichend medizinisch versorgt wird.
- Lassen Sie Ghassan Yasin umgehend und bedingungslos frei, wenn er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der sich nur deshalb in Haft befindet, weil er von seinem Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit Gebrauch gemacht hat.
[ APPELLE AN]
STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
al-Rashid Street
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/ Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410
AUßENMINISTER
Walid al-Mu’allim
Ministry of Foreign Affairs
al-Rashid Street
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/ Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 62 51
KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de,
press@syrianembassy.de, secretary@syrianembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. November 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Die Demonstrationen für Reformen in Syrien begannen im Februar 2011 und entwickelten sich Mitte März zu Massenprotesten. Obwohl die Demonstrationen größtenteils friedlich verlaufen, reagieren die syrischen Behörden in ihrem Bestreben, die Demonstrationen niederzuschlagen, mit großer Brutalität. Amnesty International verfügt über die Namen von mehr als 2.200 Menschen, die laut Berichten im Zusammenhang mit den Demonstrationen seit Mitte März starben oder getötet wurden. Vermutlich sind viele von ihnen unter Einsatz von scharfer Munition von Sicherheitskräften getötet worden, während sie an friedlichen Demonstrationen oder Beerdigungen der Opfer von Protesten teilnahmen.
Tausende weitere Menschen wurden festgenommen. Viele von ihnen haben keinen Kontakt zur Außenwelt und werden an unbekannten Orten festgehalten, wo Berichten zufolge Folter und anderweitige Misshandlungen angewendet werden. Mindestens 102 Männer und eine Frau starben seit dem 1. April unter höchst verdächtigen Umständen während ihrer Haft. Unter ihnen waren auch Kinder. Einige der Leichen wiesen Spuren schwerer Folter auf, die dem Opfer entweder vor oder nach dem Tod zugefügt wurden. Die Leichen wurden dann den Familienmitgliedern übergeben, um bei ihnen Schrecken auszulösen. Für weitere Informationen hierzu, siehe die englischen Berichte New Evidence of Syria brutality emerges as woman’s mutilated body is found (http://www.amnesty.org/en/for-media/press-releases/new-evidence-syria-brutality-emerges-woman%E2%80%99s-mutilated-body-found-2011-09-2, 23. September 2011) und Syria: Deadly detentions: Deaths in custody amid popular protest in Syria (http://amnesty.org/en/library/info/MDE24/035/2011/en, 31. August 2011).
Ghassan Yasin, ein Marketing- und PR-Fachmann, wurde bereits einmal am 18. Februar festgenommen, nachdem er sich gegen Korruption in Syrien ausgesprochen und eine Organisation gegründet hatte, mit der er friedlich gegen die Korruption vorgehen wollte und die Organisation auf Facebook bewarb. Er wurde zwar ohne Anklage wieder freigelassen, gab auf seiner Facebook-Seite jedoch an, dass er aufgrund seiner Antikorruptionsaktivitäten inhaftiert worden war.
Einer Kontaktperson zufolge forderten die Sicherheitskräfte Ghassan Yasin auf, sich Mitte Mai bei ihnen zu melden, doch er weigerte sich, dem nachzukommen. Er verließ sein Zuhause und tauchte ab, bis er im August festgenommen wurde.
Nach seiner Festnahme im Februar hielt man ihn Berichten zufolge ohne Kontakt zur Außenwelt 35 Tage lang in einer dunklen Zelle in Einzelhaft und folterte und misshandelte ihn. Eine Kontaktperson berichtete Amnesty International, dass Ghassan Yasin regelmäßig bis zur Bewusstlosikeit geschlagen wurde, man ihm Elektroschocks verabreichte und ihn mit kalten Wasser übergoss. Zudem drohte man ihm mit Gewalt gegen seine Familie und gab ihm weder genügend Kleidung noch Nahrung.
Auf seiner Facebook-Seite gab Ghassan Yasin an, dass er zu einem ebenfalls inhaftierten Journalisten gebracht wurden, ehe man ihn am 24. März frei ließ, und dass ein Angehöriger der Sicherheitskräfte auf ihn zeigt und zu dem Journalisten sagte: "Siehst du, was wir mit ihm gemacht haben? Er schreibt genau wie du".