Morddrohung gegen Frauenrechtlerin

Die Menschenrechtsverteidigerin Norma Cruz, Leiterin einer Frauenrechtsorganisation, und ihre KollegInnen sind mit dem Tode bedroht worden. Auslöser für die Drohungen ist ihr Engagement zugunsten eines Mädchens, das Opfer einer Vergewaltigung geworden ist. Die MenschenrechtlerInnen befinden sich in großer Gefahr.

Appell an

INNENMINISTER
Lic. Raúl Antonio Velásquez Ramos
Ministro de Gobernación
6ª Avenida 13-71, Zona 1
Ciudad de Guatemala,
GUATEMALA
(korrekte Anrede:Dear Minister/Estimado Sr. Ministro)
Fax: (00 502) 2413 8658

SONDERSTAATSANWÄLTIN FÜR MENSCHENRECHTE
Lic. Aura Marina Mancilla
Fiscalía Especial de Sección de Derechos Humanos
10a Calle 10-14, Edificio UP, 5to. Nivel, Zona 1, Guatemala,
GUATEMALA
(korrekte Anrede: Dear Prosecutor/Estimada Sra. Fiscal)
Fax: (00 502) 2230 6043

Sende eine Kopie an

MENSCHENRECHTSORGANISATION
Fundación Sobrevivientes
12 calle 11-63, Zona 1
Ciudad de Guatemala,
GUATEMALA

BOTSCHAFT DER REPUBLIK GUATEMALA
S.E. Herrn Gabriel Edgardo Aguilera Peralta
Joachim-Karnatz-Allee 45-47, 2. OG.,
10557 Berlin
Fax: 030-2064 3659
E-Mail: embaguate.alemania@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 6. November 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE

  • Ihre Sorge um die Sicherheit von Norma Cruz, ihrer Familie sowie anderen MenschenrechtlerInnen der "Fundación Sobrevivientes" zum Ausdruck bringen, die aufgrund ihres Einsatzes für die Rechte von Frauen mit dem Tode bedroht worden sind;

  • die Sonderstaatsanwältin für Menschenrechte auffordern, die Morddrohungen unverzüglich zu untersuchen, Ermittlungsergebnisse öffentlich bekannt zu machen und die für die Drohungen Verantwortlichen vor Gericht zu stellen;

  • an den Innenminister appellieren, in Absprache mit den gefährdeten Personen für deren effektiven Schutz zu sorgen;

  • den Innenminister eindringlich bitten, zügig ein landesweites Programm zum Schutz von MenschenrechtlerInnen auf den Weg zu bringen;

  • die Behörden daran erinnern, dass in der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern das Recht aller MenschenrechtlerInnen festgeschrieben ist, ihrer Arbeit ohne Einschränkungen und ohne Furcht vor Repressalien nachgehen zu können.

Sachlage

Norma Cruz leitet die in Guatemala-Stadt ansässige Frauenrechtsorganisation "Fundación Sobrevivientes". Am 19. September 2009 gegen 22:45 Uhr wurde sie auf ihrem Handy von einem männlichen Anrufer mit den Worten bedroht: "Ich erwarte, dass du den Fall X (Name ist Amnesty bekannt) nicht weiter verfolgst. Du hast acht Tage Zeit, ihn einzustellen. Anderenfalls kannst du dich auf große Probleme gefasst machen. Ich werde dir den Kopf deiner Tochter oder deines Sohnes übergeben, du Miststück." Den Hintergrund der Drohungen bildet der Fall eines Mädchens, das vergewaltigt worden ist und dem Norma Cruz rechtliche Beratung hat zuteil werden lassen. Familienangehörige des Mädchen haben bereits mit ihrem Leben für die Unterstützung bezahlt, die sie ihm entgegengebracht haben. In einem Telefonanruf bei "Fundación Sobrevivientes" am selben Tag hatte ein Mann ein weiteres Mitglied der Organisation mit ähnlichen Worten bedroht.

Am 14. August gegen 8:30 Uhr war ein Fahrzeug mit getönten Scheiben dem Ehemann der Tochter von Norma Cruz gefolgt, der daraufhin seine Frau zu Hause anrief und sie bat, die Polizei zu verständigen. Wenige Minuten später traf er fast zeitgleich mit der Polizei vor seiner Wohnung ein. Auch das Verfolgerfahrzeug näherte sich der Wohnung, drehte aber mit hoher Geschwindigkeit wieder ab, als die Insassen die Polizei bemerkten. Das Büro der "Fundación Sobrevivientes" wird bereits seit mindestens dem 26. Juli von Unbekannten beschattet.

Bereits am 14. Mai hatte ein männlicher Anrufer zwei Nachrichten hinterlassen und gedroht, Norma Cruz und die übrigen MenschenrechtlerInnen zu töten.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Norma Cruz und ihre KollegInnen bieten Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, eine Vielzahl von Hilfsmöglichkeiten an. Sie leiten ein Zentrum für Opfer sexueller Gewalt und unterstützen Personen, die sich getraut haben, die Verantwortlichen anzuzeigen, damit Gerichtsverfahren eingeleitet werden. Norma Cruz setzt sich außerdem für Gerechtigkeit für Familienangehörige von ermordeten Frauen ein. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Morde an Frauen beträchtlich angestiegen, aber die Regierung hat noch keine wirksamen Schutzmaßnahmen für gefährdete Frauen eingeleitet. In den meisten Fällen wurde niemand vor Gericht gestellt, und viele StaatsanwältInnen geben meist dem Opfer die Schuld.

Norma Cruz hat bereits zuvor Anschläge erlebt; und auch Personen aus ihrem nahen Umfeld wurden angegriffen. Einer ihrer Verwandten wurde am 19. Oktober 2008 entführt und später wieder freigelassen. Derselbe Verwandte erhielt vier Tage später Morddrohungen (siehe UA-296/2008 vom 28. Oktober 2008).

Jedes Jahr werden in Guatemala zahlreiche Angriffe auf MenschenrechtlerInnen gemeldet. Viele von ihnen erhalten Morddrohungen oder werden in anderer Weise eingeschüchtert, damit sie ihr Engagement für die Menschenrechte aufgeben; viele werden sogar umgebracht. Nur in Aussnahmefällen werden die für diese Verbrechen Verantwortlichen vor Gericht gestellt, und der Innenminister hat ein landesweites Programm zum Schutz von MenschenrechtlerInnen, das dieses Jahr fertiggestellt wurde, immer noch nicht genehmigt und umgesetzt.