Menschenrechtsaktivisten bedroht

Zwei Menschenrechtsverteidiger in der Stadt Coyotepec nördlich von Mexiko-Stadt haben Drohanrufe erhalten, die allem Anschein nach mit ihrem Einsatz für einen fairen Zugang zu Wasser zusammenhängen. Die beiden Männer und weitere Mitglieder der lokalen Umweltschutzgruppe, der sie angehören, sind in Gefahr, erneut angegriffen zu werden.

Appell an

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES MÉXICO
Eruviel Avila Villegas, Lerdo Poniente No. 300
Palacio del Poder Ejecutivo, Col. Centro, C.P. 50000
Toluca, Estado de México, MEXIKO
(Anrede: Dear Governor / Sr. Gobernador / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 52) 722 276 0046
E-Mail: eruviel.avila@edomex.gob.mx

INNENMINISTER
Miguel Ángel Osorio Chong, Secretario de Gobernación, Bucareli 99, Col. Juárez, C.P. 06600, México D.F., MEXIKO
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 52) 55 5093 3414
E-Mail: secretario@segob.gob.mx

Sende eine Kopie an

MENSCHENRECHTSORGANISATION
Centro de Derechos Humanos Zeferino Ladrillo
E-Mail: cdhzl.presidencia@gmail.com

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
I.E. Patricia Espinosa Cantellano
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23 700
E-Mail: mail@mexale.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 2. Mai 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bitte Sie eindringlich, umgehend auf Bundes- und Bundesstaatenebene Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der AktivistInnen in Coyotepec, die sich für einen fairen Zugang zu Wasser einsetzen, zu gewährleisten, darunter Vicente Moreno Domínguez und Emeterio Nonato Reyna.

  • Ich fordere Sie höflich auf, eine rasche, vollständige und unparteiische Untersuchung der Drohungen einzuleiten, die Vicente Moreno Domínguez und Emeterio Nonato Reyna telefonisch erhalten haben. Prüfen Sie dabei auch mögliche Verbindungen der lokalen Behörden und ziehen Sie alle Verantwortlichen zur Rechenschaft.

  • Ich möchte Sie an Ihre Verpflichtung erinnern, MenschenrechtsverteidigerInnen zu schützen, und Sie höflich auffordern, das Recht der Gemeinde Coyotepec auf fairen Wasserzugang zu schützen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling for full and immediate federal and state protection measures to ensure the safety of water rights activists in Coyotepec, including Vicente Moreno Domínguez and Emeterio Nonato Reyna, in accordance with their wishes.

  • Calling for a full, prompt and impartial investigation into the telephone threats, including any possible links to the municipal authorities, and for all those responsible to be brought to justice.

  • Reminding the authorities of their obligation to protect human rights defenders and urging them to guarantee the rights of all members of Coyotepec community to fair access to water.

Sachlage

Am 15. März wurde der Menschenrechtsaktivist Vicente Moreno Domínguez in Coyotepec im Bundesstaat México am Telefon bedroht. Der unbekannte Anrufer sagte "Wir werden dich und den 'Japaner' fertigmachen" ("a ti y al Japonés se los va a cargar la chingada"). "Japaner" ist der Spitzname von Sergio Velázquez Morales, eines weiteren Aktivisten der Gemeinde. Emeterio Nonato Reyna, der in der gleichen Gruppe aktiv ist, wurde ebenfalls am 15. März per Telefon bedroht. Der Anrufer gab sich als "Licenciado Carlos" aus und drohte ihm, sie hätten bereits jemanden getötet ("ya dejamos por ahí muerto a alguien"). Emeterio Nonato Reyna beendete den Anruf, sobald er dies hörte.

Beide Drohanrufe sind bei der Staatsanwaltschaft von Mexiko-Stadt (Procuraduría General de Justicia del Distrito Federal) offiziell zur Anzeige gebracht worden. Amnesty International berichtete bereits vom Angriff auf Vicente Moreno Domínguez am 5. September 2013 und von weiteren Angriffen auf Mitglieder der Gruppe. Die Angriffe scheinen von dem friedlichen Engagement der Betroffenen herzurühren, die ihr Recht auf Zugang zu Wasser verteidigen. Vicente Moreno Domínguez wurde nach dem Angriff unter "zeitweiligen" Polizeischutz gestellt, welcher jedoch im Januar 2014 beendet wurde. Sergio Velázquez Morales wurden Schutzmaßnahmen auf Grundlage des Gesetzes zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen und JournalistInnen jedoch mit der Begründung verweigert, dass er nicht als Menschenrechtsverteidiger betrachtet werde. Emeterio Nonato Reyna hat bisher keine Schutzmaßnahmen angefordert, da es sich bei dem genannten Anruf um die erste Bedrohung handelt, die er erhalten hat.

Hintergrundinformation

Hintergrund

BewohnerInnen der Stadt Coyotepec kämpfen gegen die Übernahme der lokalen Wasserversorgung durch den Bürgermeister des Ortes, da sie befürchten, dass das Wasser für gewerbliche Zwecke genutzt und der Zugang für die BewohnerInnen eingeschränkt werden wird. Sie protestieren seit geraumer Zeit vor dem Rathaus. Mehrere der AktivistInnen sind angegriffen und bedroht worden, u.a. von bewaffneten Männern, die allem Anschein nach Verbindungen zu lokalen Behörden haben.

Örtliche AktivistInnen, die sich gemeinsam für ihre Rechte und gegen mächtige Gruppierungen einsetzen, werden als Vergeltung für ihre Arbeit häufig Opfer von Drohungen und Schikanierungen. Die Gruppierungen, gegen die sie versuchen sich durchzusetzen, stehen häufig unter dem Schutz der örtlichen Behörden. Im Mai 2012 wurden José Ramón Aniceto Gómez und Pascual Agustín Cruz nach drei Jahren Haft freigelassen. Sie waren aufgrund einer konstruierten Anklage inhaftiert, da sie sich für den Zugang zu Wasser in Atla im Bundesstaat Puebla eingesetzt hatten.

MenschenrechtsverteidigerInnen und JournalistInnen werden in Mexiko aufgrund ihrer rechtmäßigen und bedeutenden Arbeit oft bedroht, eingeschüchtert oder entführt. Die dafür Verantwortlichen werden so gut wie nie gerichtlich belangt. Amnesty International begrüßt die Einführung des Gesetzes zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen und JournalistInnen im Jahre 2012. Allerdings haben viele der über 100 Bedrohten, die bislang auf Grundlage dieses Gesetzes um Schutzmaßnahmen gebeten haben, keinen zeitnahen oder wirksamen Schutz erhalten, was zu Frustration und Unsicherheit geführt hat. Entgegen der Beteuerungen der mexikanischen Regierung ist das Gesetz noch weit davon entfernt, wirksam umgesetzt zu werden, weil es an gut ausgebildetem Personal und ausreichenden finanziellen Mitteln fehlt und das Gesetz von PolitikerInnen höherer Ebenen nicht genügend unterstützt wird. Diese Mängel führen dazu, dass die Behörden sowohl auf Landes- als auch auf Regionalebene die in diesem Gesetz vorgesehenen Schutzmaßnahmen oftmals nicht anwenden. Angriffe auf MenschenrechtsverteidigerInnen und JournalistInnen werden meist geduldet und die dafür Verantwortlichen gehen häufig straffrei aus, da die dazu angestellten Ermittlungen oftmals unzureichend sind und von Behörden durchgeführt werden, die selbst der Beteiligung an Übergriffen verdächtigt werden. Gegen die Gewalt, deren Opfer MenschenrechtsverteidigerInnen und JournalistInnen häufig werden, muss dringend umfassend vorgegangen werden, wobei die genannten Schutzmaßnahmen nur ein Teil der Gesamtstrategie sein dürfen. Die mexikanische Regierung hat bisher auf das Klima anhaltender Bedrohung, der MenschenrechtsverteidigerInnen und JournalistInnen in mehreren Bundesstaaten ausgesetzt sind, nicht überzeugend reagiert.