Drohende Folter

Seit dem 8. August hat man nichts mehr von dem gewaltlosen politischen Gefangenen Abdollah Momeni gehört. Nach dem Besuch seiner Familie im Evin-Gefängnis in Teheran äußerte seine Frau sich besorgt über den Gesundheitszustand ihres Mannes; er hatte an Gewicht verloren, konnte kaum gehen und wirkte orientierungslos. Er ist weiterhin in Gefahr, gefoltert oder in anderer Weise misshandelt zu werden.

Appell an

RELIGIONSFÜHRER
Ayatollah Sayed 'Ali Khamenei
The Office of the Supreme Leader
Islamic Republic Street - End of Shahid Keshvar Doust Street, Tehran, IRAN (korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: über die Website:
http://www.leader.ir/langs/en/index.php?p=letter (Englisch)

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadeqh Larijani, Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh
(Office of the Head of the Judiciary)
Pasteur St., Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: über die Website
http://www.dadiran.ir/tabid/75/Default.aspx
Auf der Website füllen Sie bitte die mit einem roten Sternchen markierten Textfelder unterhalb der E-Mail-Adresse info@dadiran.ir aus. In die erste Textzeile schreiben Sie Ihren Vor-, in die zweite ihren Nachnamen. Die dritte Zeile (ohne Sternchen) bleibt leer. In der letzten Zeile geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an. Ihren Appelltext schreiben Sie bitte in die große Textbox darunter.

Sende eine Kopie an

PARLAMENTSSPRECHER
Speaker of Parliament
His Excellency Ali Larijani
Majles-e Shoura-ye Eslami
Baharestan Square, Tehran
IRAN
Fax: (0098) 21 3355 6408

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. Oktober 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE UND E-MAILS, IN DENEN SIE

  • Ihre Sorge darüber ausdrücken, dass Abdollah Momeni wegen seiner Kritik am Vorgehen bei den Präsidentschaftswahlen inhaftiert ist, und wenn dies der Fall ist, seine sofortige Freilassung zu fordern, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist;

  • die Behörden auffordern, Abdollah Momeni vor Folter und anderen Misshandlungen in Haft zu schützen;

  • bei den Behörden darauf drängen, dass Abdollah Momeni sofort Zugang zu einem Rechtsbeistand, seinen Familienangehörigen sowie zur erforderlichen medizinischen Versorgung erhält.

Sachlage

Am 21. Juni 2009 wurde Abdollah Momeni, Sprecher der Alumni-Vereinigung "Alumni Association of Iran" (Advar-e Tahkim Vahdat), in der Wahlkampfzentrale von Medhi Karroubi, einem Oppositionskandidaten der iranischen Präsidentschaftswahl vom 12. Juni, festgenommen. Nach mehr als 84 Tagen Haft gibt es keine Anzeichen für ein anstehendes Gerichtsverfahren, und seine Familie und sein Rechtsanwalt wissen immer noch nicht, wo er festgehalten wird.

Die Ehefrau von Abdollah Momeni erklärte, dass ihr Mann bei ihrem letzten Besuch von Polizisten von außen in das Evin-Gefängnis gefahren wurde, so dass sie davon ausgeht, dass er an einem anderen Ort festgehalten wird. In einem Interview mit dem Internetnachrichtendienst www.roozonline.com sagte sie: "Als er aus dem Auto stieg, wäre er fast hingefallen, wenn sein Bruder und ich ihn nicht gestützt hätten. Er konnte noch nicht einmal einen Schritt alleine gehen. Wir mussten ihn auf dem Weg zum Besuchsraum stützen." Sie fügte hinzu: "Abdollahs Haare und sein Bart waren sehr lang und total zerzaust. Seine Augen waren geschwollen und er hatte Blutergüsse darunter." Er hat stark abgenommen und wirkte orientierungslos; so begrüßte er seine Besucher mehrere Male und sagte ihnen, dass "sein Ort gut ist." Seine Frau sagte, das Treffen dauerte nur zehn Minuten und wurde von Abdollah Momenis zuständigem Vernehmungsbeamten überwacht, der alles auf Tonband aufzeichnete. Eine Woche nach seiner Festnahme durfte Abdollah Momeni seine Frau einmal anrufen, als er tief verzweifelt war, aber seitdem durfte er nicht mehr telefonieren, und seit dem letzten Besuch durfte seine Frau nicht mehr zu ihm.

Abdollah Momeni wurde bereits nach Demonstrationen im Juni 2003 und im Juli 2007 inhaftiert (siehe UA 187/03 und UA 194/07). Er leidet an einer Erkrankung des Magen-Darm-Traktes und litt während seiner vorherigen Haft an Nierenversagen, so dass er behandelt werden musste. Amnesty International befürchtet, dass er in der Haft derzeit nicht die nötige medizinische Versorgung erhält.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Seit der Bekanntgabe des Wahlsiegs des amtierenden Präsidenten Ahmadinejad am 13. Juni nahmen hunderttausende IranerInnen im ganzen Land an größtenteils friedlichen Großkundgebungen teil, in denen sie den Ausgang der Wahlen anzweifelten. Daraufhin schränkten die iranischen Behörden die Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit sofort drakonisch ein. Auch Telefon- und Internetverbindungen wurden erheblich gestört. Außerdem ist es den iranischen Medien seither untersagt, Informationen über die im ganzen Land schwelenden Unruhen zu veröffentlichen. Ausländische JournalistInnen wurden von den Straßen verbannt, ihre Visa nicht verlängert, und einige wurden festgenommen oder des Landes verwiesen.

Als Reaktion auf die Massenproteste setzten die Behörden verstärkt Sicherheitskräfte ein, insbesondere die paramilitärische Basij-Miliz. In den drei bis vier Wochen nach dem 12. Juni 2009 wurden im ganzen Land mindestens 4000 Personen festgenommen. Dazu zählen auch bekannte politische Persönlichkeiten, die entweder Mir Hossein Mousavi, Mehdi Karroubi oder dem ehemaligen Präsidenten Khatami, der Mir Hossein Mousavi im Wahlkampf unterstützte, nahe stehen. Auch MenschenrechtsverteidigerInnen und JournalistInnen sind festgenommen worden. Den Inhaftierten werden lediglich Besuche ihrer Angehörigen gestattet, Zugang zu einem Rechtsbeistand erhalten sie jedoch nicht. Die Sicherheitskräfte gingen mit exzessiver Gewalt gegen die Demonstrierenden vor, dabei wurden dutzende Menschen getötet und hunderte verletzt. Einige Demonstrierende erlagen später ihren Verletzungen. Andere wurden verletzt und starben in Folge von Folterungen während der Haft.

Die Massenprozesse gegen hunderte Personen, die am 1. August 2009 begannen, entsprechen bei Weitem nicht den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren. Gefangene "gestanden" vage formulierte Anklagen, die oft keine strafbare Handlung darstellen. Diese "Geständnisse", die offenbar unter Zwang erpresst worden waren, wurden vor Gericht zugelassen. Einige Angeklagte wurden bei ähnlichen "Geständnissen" gefilmt und die Aufnahmen noch vor der Verhandlung im Fernsehen ausgestrahlt. Gegen einige der Angeklagten könnte die Todesstrafe verhängt werden.

Iranische BeamtInnen haben bestätigt, dass zumindest einige dieser Gefangenen gefoltert oder in anderer Weise misshandelt wurden und dass in mindestens einem außerhalb von Teheran gelegenen Gefangenenlager, Kahrizak, Misshandlungen stattgefunden haben. Am 29. Juli ordnete Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei die Schließung der Hafteinrichtung an. Der Leiter einer Hafteinrichtung und drei Wachmänner, die vermutlich in Kahrizak gearbeitet haben, sollen aus dem Dienst entlassen und möglicherweise inhaftiert worden sein. Am 15. August teilte Parviz Sorouri, Leiter des parlamentarischen Sonderausschusses zur Überwachung von Verhaftungen, die nach der Wahl stattfanden, der "Islamic Labour News Agency" mit, dass zwölf Polizeibeamte und ein Richter, die Gefangene nach Kahrizak überstellt haben, verhaftet und angeklagt werden würden, weil "das Gefangenenlager für Drogendealer vorgesehen ist."

Amnesty International liegen Berichte vor, die eine Erklärung von Mehdi Karroubi bestätigen, der zufolge sowohl männliche als auch weibliche Gefangene von iranischen Sicherheitskräften gefoltert und vergewaltigt wurden. Seine Vorwürfe wurden zunächst von Farhad Tajari, Mitglied des parlamentarischen Sonderausschusses, bestritten. Am 26. August jedoch wandte sich ein weiteres Mitglied des Ausschusses an die Webseite "Parleman News" und teilte - unter der Bedingung anonym zu bleiben - mit, dass "wir definitiv von der Vergewaltigung von Gefangenen mit Schlagstöcken und Flaschen wissen."