Angriff auf Menschenrechtsanwalt
William Cristancho Duarte
© privat
Am 10. Dezember hat der Menschenrechtsanwalt William Cristancho Duarte in Nordkolumbien einen Mordversuch überlebt. Er befindet sich in akuter Lebensgefahr.
William Cristancho Duarte, Menschenrechtsanwalt bei der Organisation Corporación Compromiso, fuhr gerade mit dem Auto zum Gefängnis Palogordo im Verwaltungsbezirk Girón (Departement Santander). Um 6:40 Uhr erreichte er den Stadtrand von Girón, in einer Gegend, die Bahonda genannt wird. Dort gab ein Unbekannter, der nahe einer im Bau befindlichen Brücke stand, zwei Schüsse auf das Auto ab. Mindestens eine Kugel flog durch die Heckscheibe.
Appell an
PRÄSIDENT
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No.7-26
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear President/
Excmo. Sr. Presidente)
Fax: (0057) 1 596 0631
INNEN- UND JUSTIZMINISTER
Señor Germán Vargas Lleras
Ministerio del Interior y de Justicia
Carrera 9a. No. 14-10
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister/Estimado Sr. Ministro)
Fax: (0057) 1 599 8961
KOPIEN AN
MENSCHENRECHTSORGANISATION
Corporación Compromiso
Avenida González Valencia No. 58-20
Bucaramanga
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 27. Januar 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern for the security situation of William Cristancho Duarte and the witness, calling on the authorities to ensure protection measures for William Cristancho Duarte and the witness as agreed with them.
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Urging the authorities to fully and impartially investigate the threats against William Cristancho and the witness, and the attack on William Cristancho and to bring those responsible to justice.
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Demanding commitment for the authorities to take decisive action to end extrajudicial executions and guarantee the protection of those campaigning for justice in line with repeated United Nations human rights recommendations.
- Reminding the authorities to fulfil their obligations to ensure human rights defenders can carry out their work without fear, as laid out in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich bin um die Sicherheit von William Cristancho Duarte und einem Zeugen besorgt. Daher fordere ich Sie auf, in Übereinstimmung mit den Wünschen der Betroffenen wirksame Schutzmaßnahmen zu gewährleisten.
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Führen Sie bitte eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Drohungen gegen William Cristancho Duarte und den Zeugen sowie des Angriffs auf William Cristancho Duarte durch und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
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Ich fordere Sie höflich auf, Maßnahmen zu ergreifen, um außergerichtliche Hinrichtungen zu beenden.
- Ich möchte Sie an ihre Verpflichtungen gegenüber MenschenrechtsverteidigerInnen erinnern, die in der UN-Erklärung über MenschenrechtsverteidigerInnen von 1998 dargelegt sind.
Sachlage
Dieser Anschlag erhärtet die Sorgen um die Sicherheit von William Cristancho Duarte. Am 26. Oktober erhielt er Morddrohungen, die offenbar im Zusammenhang mit dem Fall der außergerichtlichen Hinrichtungen von zwei Kleinbauern aus der Region durch Angehörige der Armee stehen, an dem der Menschenrechtsanwalt gerade arbeitet. Mehrere Personen beobachteten und verfolgten William Cristancho Duarte auf seinem Weg zu einer Verhandlung mit regionalen GerichtsbeamtInnen im Verwaltungsbezirk Piedecuesta. Nach der Anhörung wurde er auf seinem Handy angerufen und ein Mann sagte "Was machst du Hurensohn von Anwalt, Feind der Armee?". (Qué hace abogado hijueputa enemigo del ejercito?). Etwa fünf Minuten später, nachdem er das Gebäude verlassen hatte, kam etwa zwei Häuserblocks weiter ein Mann auf ihn zu und sagte "Geh mir aus dem Weg, du Hurensohn von Guerillaverteidiger, wir beobachten dich genau". (Abrase hijueputa defensor de guerrilleros lo tenemos en la mira). Ein Zeuge der außergerichtlichen Hinrichtungen wurde ebenfalls bedroht.
Hintergrundinformation
William Cristancho Duarte bietet Betroffenen des bewaffneten Konflikts in Kolumbien Rechtsberatung und Rechtsbeistand an. Dabei arbeitet er besonders für Angehörige der Opfer außergerichtlicher Hinrichtungen, die von Angehörigen der Streitkräfte begangen wurden, und die danach als "Guerillakämpfer, die im Gefecht gestorben sind" dargestellt werden. Zu den Fällen, an denen er arbeitet, gehören auch die außergerichtlichen Hinrichtungen von Heriberto Portilla Maldonado und Orlando Maldonado Arias am 11. Juni 2002 im Verwaltungsbezirk California, die nach ihrer Tötung als Guerillakämpfer, die im Gefecht starben, dargestellt wurden. Orlando Maldonado Arias wurde vor den Augen seiner Frau und seiner sechs minderjährigen Kinder getötet. William Cristancho Duarte arbeitet auch am Fall der außergerichtlichen Hinrichtung der beiden Brüder Teodolindo und Ovidio Murcia Ballén. Die Brüder sollen am 10. April 2008 in Tagual im Verwaltungsbezirk Landázuri (Departement Santander) von paramilitärischen Einheiten an das Battalion "Reyes Prieto" übergeben worden sein. Später wurden die beiden von der Armee getötet.
Während des bewaffneten Konflikts in Kolumbien in den letzten 40 Jahren wurden außergerichtliche Hinrichtungen von Sicherheitskräften weit verbreitet und systematisch begangen. Sie gehören zu den Aktionen der Sicherheitskräfte als Teil ihrer Strategie zur Aufstandsbekämpfung. Der Generalstaatsanwalt ermittelt in über 2000 Fällen von staatlichen Morden, die von Sicherheitskräften begangen worden sein sollen. Wiederholt haben Personen, die sich für Gerechtigkeit in den Fällen von außergerichtlichen Hinrichtungen engagieren, Morddrohungen erhalten oder wurden von Angehörigen der Sicherheitskräfte oder der paramilitärischen Gruppen, mit denen sie zusammenarbeiten, getötet.