Menschenrechtsanwalt
William Cristancho Duarte
© privat
Der Menschenrechtsanwalt William Cristancho Duarte wurde in Nordkolumbien wegen seines Engagements für die Opfer von außergerichtlichen Hinrichtungen bedroht. Er und ein Zeuge der außergerichtlichen Hinrichtung zweier Kleinbauern, an deren Fall William Cristancho Duarte gerade arbeitet, befinden sich in Lebensgefahr.
Appell an
PRÄSIDENT
Señor Presidente Juan Manuel Santos
Presidente de la República,
Palacio de Nariño, Carrera 8 No. 7-26
Bogotá,
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear President Santos/
Excmo. Sr. Presidente Santos)
Fax: (0057) 1 596 0631
INNEN- UND JUSTIZMINISTER
Señor Germán Vargas Lleras
Ministerio del Interior y de Justicia
Carrera 9a. No. 14-10, Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister / Estimado Sr. Ministro)
Fax: (0057) 1 599 8961
Sende eine Kopie an
CORPORACIÓN COMPROMISO
Avenida González Valencia No. 58-20
Bucaramanga
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 29. Dezember 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich bin um die Sicherheit von William Cristancho Duarte und einem Zeugen besorgt. Daher fordere ich Sie auf, in Übereinstimmung mit den Wünschen der Betroffenen wirksame Schutzmaßnahmen zu gewährleisten.
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Ich appelliere an Sie, eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Drohungen gegen William Cristancho Duarte und den Zeugen durchzuführen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
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Ich fordere Sie auf, Maßnahmen zu ergreifen, um außergerichtliche Hinrichtungen zu beenden.
- Ich möchte Sie an ihre Verpflichtungen gegenüber MenschenrechtsverteidigerInnen erinnern, die in der UN-Erklärung über MenschenrechtsverteidigerInnen von 1998 dargelegt sind.
Sachlage
William Cristancho Duarte, Menschenrechtsanwalt bei der Organisation Corporación Compromiso, arbeitete gerade am Fall der außergerichtlichen Hinrichtungen von Julio César Cardozo Quiñónez und José del Carmen Barbosa Patiño. Die beiden Kleinbauern aus der Region waren während einer Militäroperation des "Battalions des Ingenieurs Francisco José de Caldas" (Batallón de Ingenieros Francisco José de Caldas) am 19. Oktober 2007 in der Region um Chucuri-San Isodoro im Verwaltungsbezirk Piedecuesta (Departement Santander) getötet worden. Die beiden Männer hatten mit William Cristancho Duarte zusammengearbeitet, der sie gelegentlich beförderte und beschützte. Die zwei Kleinbauern wurden zuerst als Guerillakämpfer dargestellt, die im Gefecht getötet worden waren.
Am 26. Oktober wurde William Cristancho Duarte bedroht, nachdem er bei einer mündlichen Verhandlung mit regionalen GerichtsbeamtInnen im Verwaltungsbezirk Piedecuesta anwesend gewesen war. Dort besprach er mit den BeamtInnen den Fall und die mögliche Inhaftierung der Angehörigen des Batallón de Ingenieros Francisco José de Caldas wegen ihrer Beteiligung an den Tötungen. Ein Zeuge der Tötungen wurde ebenfalls bedroht. Die Vorverhandlung wurde auf den 18. November verlegt.
Mehrere Personen beobachteten und verfolgten William Cristancho Duarte auf seinem Weg zur Verhandlung. Nach der Anhörung wurde er auf seinem Handy angerufen und ein Mann sagte "Was machst du Hurensohn von Anwalt, Feind der Armee?". Etwa fünf Minuten später, nachdem er das Gebäude verlassen hatte, kam etwa zwei Häuserblocks weiter ein Mann auf ihn zu und sagte "Geh mir aus dem Weg, du Hurensohn von Guerillaverteidiger, wir beobachten dich genau".
Hintergrundinformation
William Cristancho Duarte bietet Opfern des bewaffneten Konflikts in Kolumbien Rechtsberatung und Rechtsbeistand an. Dabei arbeitet er besonders für Angehörige der Opfer außergerichtlicher Hinrichtungen, die von Angehörigen der Streitkräfte begangen wurden, und die danach als "Guerillakämpfer, die im Gefecht gestorben sind" dargestellt werden. Zu den Fällen, an denen er arbeitet, gehören auch die außergerichtlichen Hinrichtungen von Heriberto Portilla Maldonado und Orlando Maldonado Arias, die nach ihren Exekutionen als Guerillakämpfer, die im Gefecht starben, dargestellt wurden. Orlando Maldonado Arias wurde vor den Augen seiner Frau und seiner sechs minderjährigen Kinder getötet. William Cristancho Duarte arbeitet auch am Fall der außergerichtlichen Hinrichtung der zwei Brüder Teodolindo und Ovidio Murcia Ballén. Die Brüder sollen am 10. April 2008 in Tagual im Verwaltungsbezirk Landázuri (Departement Santander) von paramilitärischen Einheiten an das Battalion "Reyes Prieto" übergeben worden sein. Später wurden die beiden von der Armee getötet.
Während des bewaffneten Konflikts in Kolumbien in den letzten 40 Jahren wurden außergerichtliche Hinrichtungen von Sicherheitskräften weit verbreitet und systematisch durchgeführt. Sie gehören zu den Aktionen der Sicherheitskräfte als Teil ihrer Strategie zur Aufstandsbekämpfung. Der Generalstaatsanwalt ermittelt in über 2000 Fällen von außergerichtlichen Hinrichtungen, die von Sicherheitskräften begangen worden sein sollen. Wiederholt haben Personen, die sich für Gerechtigkeit in den Fällen von außergerichtlichen Hinrichtungen engagieren, Morddrohungen erhalten oder wurden von Angehörigen der Sicherheitskräfte oder der paramilitärischen Gruppen, mit denen sie zusammenarbeiten, getötet.