Morddrohungen

AktivistInnen mehrerer Nichtregierungsorganisationen im Südwesten Kolumbiens sind vor kurzem mit dem Tod bedroht worden, darunter auch Angehörige afro-kolumbianischer Gemeinschaften und Indigene sowie GewerkschafterInnen. Diese Personen und weitere MitarbeiterInnen der betroffenen Organisationen schweben in großer Gefahr.

Appell an:

PRÄSIDENT
Señor Presidente Juan Manuel Santos
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No.7-26, Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear President Santos/
Excmo. Sr. Presidente Santos)
Fax: (00 57) 1 337 5890

MINISTER FÜR INNERES UND JUSTIZ
Señor Germán Vargas Lleras
Ministerio Del Interior y De Justicia
Carrera 9a. No. 14-10, Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister Vargas /Estimado Sr. Ministro Vargas)
Fax: (00 57) 1 599 8961

Sende eine Kopie an:

MENSCHENRECHTSORGANISATION
AFRODES
Calle 17, No. 1001 Piso 6
Bogotá
KOLUMBIEN

MENSCHENRECHTSORGANISATION
PCN
Calle 25 B #35-30
Bogotá
KOLUMBIEN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 24. Dezember 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fordere Sie auf, eine vollständige und unparteiische Untersuchung der Morddrohungen gegen Mitglieder der PCN, CRIC und CUT einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

  • Sorgen Sie bitte in Abstimmung mit den Betroffenen für deren Schutz.

  • Fordern Sie die paramilitärischen Gruppen umgehend auf, die Waffen niederzulegen, entsprechend der von der kolumbianischen Regierung eingegangenen Verpflichtungen und den Empfehlungen der UN und anderer zwischenstaatlicher Organisationen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to order a full and impartial investigation into the death threats against members of PCN, CRIC and CUT; to publish the results and bring those responsible to justice;

  • Demanding that they provide protection for those threatened, as agreed with those in danger;

  • Urging the authorities to take immediate action to dismantle paramilitary groups, in line with stated government commitments and recommendations made by the UN and other intergovernmental organizations.

Sachlage

Am 30. Oktober erhielten verschiedene MenschenrechtsverteidigerInnen in Bogotá sowie in den Departements Valle del Cauca, Cauca und Nariño Morddrohungen per SMS. Diese wurden von der paramilitärischen Gruppe „Águilas Negras“ (Schwarze Adler) verschickt. In der Kurznachricht hieß es, sie sollten „nach Venezuela gehen, wenn ihr ein neues Land wollt“ und dass sie „verschwinden oder sterben“ sollten. Die Nachricht war an 25 Personen und Organisationen gerichtet, unter anderem an die afro-kolumbianische Menschenrechtsorganisation „Proceso de Comunidades Negras“ (PCN), die Organisation für die Rechte von Indigenen „Consejo Regional Indígena del Cauca“ (CRIC) und den Gewerkschaftsdachverband „Central Unitaria de Trabajadores“ (CUT).

Es wurden auch Gemeindesprecher bedroht, die von diesen Organisationen unterstützt worden waren, wie die indigene Gemeinde Cerro Tijeras, die afro-kolumbianische Gemeinde La Toma und andere Gemeinden im Norden der Provinz Cauca. Diese Organisationen haben sich gegen den Bau von Goldminen bzw. groß angelegte Wasserkraftwerksprojekte in ihrer Region ausgesprochen, da AnwohnerInnen diese Projekte als Bedrohung ihrer Lebensgrundlage sehen. In der Nachricht wurde den Organisationen und Personen vorgeworfen, die „Gemeinden falsch [zu] informieren, Demonstrationen [zu] organisieren und Probleme für Recht und Ordnung [zu] schaffen, wie den Völkerkongress vom 8. bis 12. Oktober“.

Am 10. Oktober schickten die „Schwarzen Adler“ eine E-Mail an einige bekannte MenschenrechtsverteidigerInnen, in der sie über 69 kolumbianische Nichtregierungsorganisationen und Personen auflisteten, die „damit rechnen können, zu sterben“. Am 13. Oktober überlebte Luz Nery Ramírez Mosquera, Mitglied der Organisation für die Rechte von vertriebenen Afro-KolumbianerInnen „Asociación Nacional de Afrocolombianos Desplazados“ (AFRODES) in Nordkolumbien, einen offensichtlichen Anschlag. Sie erkannte die beiden Schützen als Angehörige der Sicherheitskräfte. Seit einem Anschlag am 23. Mai 2009, bei dem ihr Mann starb, erhält sie Schutzmaßnahmen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In den vergangenen Jahren wurden im Südwesten Kolumbiens zahlreiche MenschrechtsverteidigerInnen von paramilitärischen Gruppen bedroht und getötet. Besonders afro-kolumbianische und indigene Gemeinden sind in Gefahr. Der jüngste Fall ist Alexander Quintero, der am 23. Mai 2010 in Cauca ermordet wurde. Er war Vorsitzender des regionalen Interessenverbands „Asociación de Juntas de Acción Comunal del Alto Naya“.

In den letzten Monaten haben paramilitärische Gruppierungen wie die „Schwarzen Adler“ häufig die indigenen und afro-kolumbianischen Gemeinden Honduras im Verwaltungsbezirk Morales sowie Cerro Tijeras und La Toma im Verwaltungsbezirk Suárez (Departement Cauca) bedroht. Am 14. Mai wurden 16 afro-kolumbianische Organisationen, die umgesiedelte Gemeinden betreuen, in Drohungen der „Schwarzen Adler“ genannt. Darüber hinaus wurden im Mai verschiedene Morddrohungen an indigene und afro-kolumbianische Gemeinden und Menschenrechtsorganisationen gerichtet, die sie unterstützen (siehe UA-126/2010, AMR 23/021/2010).

Die paramilitärischen Gruppen in Kolumbien sind angeblich im Rahmen des von der Regierung finanzierten Demobilisierungsprozess, der im Jahr 2003 begann, aufgelöst worden. Drohungen gegenüber Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften in Valle del Cauca, Cauca, Nariño und andernorts zeigen jedoch, dass diese Gruppen nach wie vor aktiv sind.

Auch Guerillagruppen sind für zahlreiche Morde und Drohungen gegen indigene und afro-kolumbianische Gemeinden im Südwesten Kolumbiens in den vergangenen Jahren verantwortlich.

Der Völkerkongress wurde vom 8. bis 12. Oktober mit über 17.000 Delegierten von 220 Organisationen in Bogotá abgehalten. Die Hauptthemen des Kongresses beinhalteten die Verteidigung ihrer Siedlungsgebiete, ihrer Bodenschätze, der Umwelt und das Recht auf ein Leben in Würde.