Drohende Hinrichtung

Ergebnis dieser Urgent Action

Jason Getsy wurde am 18. August in Ohio hingerichtet.

Der 33-jährige Jason Getsy soll am 18. August 2009 in Ohio hingerichtet werden. Er wurde 1996 für einen Mord, den er 1995 im Alter von 19 Jahren begangen hatte, zum Tode verurteilt. Der Begnadigungsausschuss von Ohio empfiehlt, das Urteil in eine lebenslange Freiheitsstrafe umzuwandeln. Diese Empfehlung ist jedoch nicht bindend.

Appell an

GOUVERNEUR VON OHIO
Governor
Ted Strickland
Governor’s Office
Riffe Center, 30th Floor
77 South High Street
Columbus, OH 43215-6108, USA
(korrekte Anrede: Dear Governor)
Fax: +1 614 466 9354
E-Mail: über http://www.governor.ohio.gov/Assistance/ContacttheGovernor/tabid/150/Default.aspx

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Herrn Robert A. Pollard,
Gesandter-Botschaftsrat
Pariser Platz 2, 10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach 18. August 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

Sachlage

In den frühen Morgenstunden des 7. Juli 1995 wurde die damals 66-jährige Ann Serafino in ihrem Haus erschossen. Ihr Sohn Charles Serafino, auf den auch geschossen wurde, überlebte. Anstifter des Verbrechens war der 35-jährige John Santine, ein Geschäftskonkurrent von Charles Serafino. John Santine beauftragte die drei damals 19-jährigen Teenager Jason Getsy, Richard McNulty und Ben Hudach mit der Tat. Sowohl die drei Teenager als auch John Santine klagte man des Mordes an. Ben Hudach bekannte sich schuldig und wurde zu einer Freiheitsstrafe von mindestens 20 Jahren verurteilt. Richard McNulty, der sich ebenfalls schuldig bekannte, bekam eine lebenslange Freiheitsstrafe. Jason Getsy hingegen wurde wegen "Auftragsmord" zum Tode verurteilt. John Santine wurde zwar auch des Mordes schuldig befunden, man verurteilte jedoch nicht wegen "Auftragsmord". Somit drohte ihm nicht die Todesstrafe. Er wurde stattdessen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und hat ab dem Jahr 2022 die Möglichkeit auf Bewährung entlassen zu werden.

Der Oberste Gerichtshof von Ohio erhielt die Todesstrafe Jason Getsys 1998 aufrecht, äußerte jedoch Bedenken hinsichtlich der Bestrafung von John Santine, "der nicht zum Tode verurteilt wurde, obwohl er den Mord anstiftete." Dabei erkannte das Gericht die Tatsache an, dass alle drei Teenager nur aufgrund der Anstiftung durch John Santine das Verbrechen verübt und unter seinem Einfluss gestanden hatten. Das Gericht bestätigte darüber hinaus auch, dass Getsy fürchtete, von John Santine getötet zu werden, sollte er nicht dessen Willen nachkommen.

In 2006 entschied ein dreiköpfiger Richterausschuss des Berufungsgerichts des 6. Bezirks mit zwei Stimmen, das Todesurteil aufzuheben: "Wir stimmen der Ansicht des Obersten Gerichtshofs von Ohio zu, dass John Santine wahrscheinlich eine größere – in keinem Fall aber eine geringere – Schuld trifft als Jason Getsy, den er mit dem Mord beauftragte, aber wir glauben nicht, dass hier die Todesstrafe ein angemessenes Urteil ist." Die Mehrheit empfand die "ungleichen Strafen in demselben Fall" als "widersprüchlich". Das ergebe sich, so das Berufungsgericht, aus der Tatsache, dass "Auftragsmord die Beteiligung zweier Parteien erfordert, und zwar die auftraggebende und die auftragausführende Partei. Verurteilen demnach die Geschworenen nur einen der möglichen Angeklagten wegen Auftragsmord, so handelt es sich um ein in höchstem Maße widersprüchliches Urteil, das aufgehoben werden muss." Das gesamte Gericht stimmte zwar einer Überprüfung des Urteils zu, bestätigte 2007 aber das Todesurteil mit acht zu sechs Stimmen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

John Santine war in einen Streit mit der Familie Serafino geraten, in dem es um ein von Charles Serafino geführtes, im Landschaftsbau tätiges Unternehmen ging. Dieser Streit führte zu John Santines Entschluss, Charles Serafino von den drei Teenagern töten zu lassen. Es liegen stichhaltige Beweise vor, die belegen, dass die Teenager aus Angst vor John Serafino handelten. In seinem Urteil von 1998 stellte der Oberste Gerichtshof von Ohio fest, dass Santine den Teenagern Geld und Drogen anbot und "vorgab, Verbindungen zur Mafia zu haben". Offensichtlich hatte Jason Getsy "Angst, zur Polizei zu gehen", zumal John Santine "es so aussehen ließ, als ob er die Polizei unter Kontrolle hätte", was sich insofern bestätigte, als dass Richard McNulty der Polizei von John Santines Vorhaben berichtete, diese jedoch nichts unternahm".

Am 17. Juli 2009 gab das Berufungsgericht von Ohio bekannt, dass es mit fünf von sieben Stimmen für das Gnadengesuch von Jason Getsy gestimmt hatte und empfahl Gouverneur Strickland eine Umwandlung der Todesstrafe in eine lebenslängliche Freiheitsstrafe ohne Möglichkeit auf Bewährung. Darüber hinaus "wiesen einige der Richter John Santine eine größere Schuld zu als Jason Getsy" und merkten an, dass sich Jason Getsy bei den Ermittlungen "sehr kooperativ" verhalten hatte, "dass den Geschworenen Informationen zum psychosozialen Hintergrund und den dadurch möglichen Auswirkungen fehlten" und "dass Jason Getsy immer wieder Reue für die Opfer und deren Hinterbliebenen zeigte".

Als das Berufungsgericht des 6. Bezirks die Todesstrafe im Fall Jason Getsy 2007 aufrecht erhielt, stimmten sechs der zuständigen Richter dagegen und sagten: "Der Staatsanwalt von Ohio, der Oberste Gerichtshof von Ohio und offensichtlich auch das Berufungsgericht räumen ein, dass die Verhängung der Todesstrafe gegen Jason Getsy wegen "Auftragsmord" in direktem Widerspruch zu John Santines Freispruch in demselben Anklagepunkt steht." Einer der sechs widersprechenden Richter schrieb darüber hinaus, dass "dieser Fall eindeutig zeigt, was an der Todesstrafe willkürlich und nicht objektiv ist, und so grundlegend fehlerhaft, dass dies nicht zu beheben ist."

Amnesty International lehnt die Todesstrafe unter allen Umständen ab. 139 Länder haben die Todesstrafe bereits im Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Seit im Jahr 1977 in den USA die Hinrichtungen wieder aufgenommen wurden, erfolgten dort 1171 Hinrichtungen, 31 davon in Ohio. 2009 gab es in den USA bisher 35 Hinrichtungen, 3 davon in Ohio.