Drohende Hinrichtung in Ohio

Grafik mit dem Slogan: "Nein zur Todesstrafe!"

Der 44-jährige Billy Slagle soll am 7. August im US-Bundesstaat Ohio hingerichtet werden. Er wurde schuldig befunden, als 18-Jähriger im Jahr 1987 einen Mord begangen zu haben. Der Begnadigungsausschuss hat sich mit sechs zu vier Stimmen gegen eine Begnadigung ausgesprochen. Der Gouverneur des Bundesstaates ist jedoch nicht an diese Entscheidung gebunden und könnte die Hinrichtung verhindern.

Appell an

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES OHIO
John Kasich
Riffe Center, 30th Floor, 77 South High Street
Columbus, OH 43215-6117
USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 614 466 9354
E-Mail: Samuel.Porter@governor.ohio.gov
(Rechtsberater des Gouverneurs. Bitten Sie um Übermittlung Ihres Appellschreibens an den Gouverneur: "Please forward my appeal to Gouverneur Kasich")

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Herr James Desmond Melville Jr
Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 7. August 2013 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte weder den Mord an Mari Anne Pope entschuldigen, für den Billy Slagle verurteilt worden ist, noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.

  • Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass Billy Slagle zur Tatzeit erst 18 Jahre alt war und dass zwei RichterInnen des Obersten Gerichtshofes in Ohio der Ansicht sind, dass die vorliegenden Strafmilderungsbeweise für die Verhängung einer weniger schwerwiegenden Strafe als die der Todesstrafe sprechen.

  • Darüber hinaus möchte ich meine Sorge über das Fehlverhalten des Staatsanwaltes während des Verfahrens zum Ausdruck bringen und darauf hinweisen, dass der derzeitige Staatsanwalt von Cuyahoga County das Gnadengesuch von Billy Slagle unterstützt.

  • Ich spreche mich hiermit ausdrücklich gegen die Hinrichtung von Billy Slagle aus und möchte Sie, sehr geehrter Herr Gouverneur Kasich, nachdrücklich bitten, das Todesurteil umzuwandeln.

Sachlage

Billy Slagle wurde 1988 in Cuyahoga County wegen Mordes zum Tode verurteilt. Seine 40-jährige Nachbarin Mari Anne Pope war mit mehreren Stichen tödlich verletzt worden, nachdem sie am frühen Morgen des 13. August 1987 aufgewacht war, weil sich ein Einbrecher Zugang zu ihrem Haus verschafft hatte. Billy Slagle, der zur Zeit des Mordes 18 Jahre alt war, wurde noch am Tatort festgenommen. Bis auf acht Monate hat er sein gesamtes Erwachsenenleben in Haft verbracht und befindet sich bereits seit 25 Jahren im Todestrakt. Billy Slagle hat die Umwandlung seines Todesurteils in eine lebenslange Haftstrafe beantragt, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Laut den derzeitigen Rechtsbeiständen von Billy Slagle wurden den Geschworenen nicht alle vorliegenden Strafmilderungsbeweise vorgelegt. Unter anderem erfuhren sie weder etwas über die elterliche Gewalt, der ihr Mandant seine gesamte Kindheit über ausgesetzt war, noch über das Ausmaß der Alkoholsucht seiner Eltern und deren Unfähigkeit, ihren Sohn während seiner Rehabilitation zu unterstützen, als er wegen Drogenmissbrauchs in eine Klinik eingewiesen worden war. Die Geschworenen erfuhren jedoch, dass Billy Slagle zur Tatzeit erst 18 Jahre alt war und sein emotionaler Entwicklungsstand dem eines Zwölfjährigen entsprach, dass seine Kindheit von Unsicherheit geprägt war und dass er bereits in sehr jungem Alter anfing, Alkohol und Drogen zu konsumieren. Außerdem wurden sie darüber in Kenntnis gesetzt, dass er zur Zeit des Mordes unter Drogeneinfluss stand. Als der Oberste Gerichtshof in Ohio das Todesurteil 1992 aufrecht erhielt, widersprachen zwei RichterInnen dieser Entscheidung. Sie begründeten ihren Widerspruch damit, dass die erschwerenden Umstände ihrer Ansicht nach nicht schwerer wogen als die vorgetragenen Milderungsgründe. Einer der beiden setzt sich nun für eine Begnadigung ein, unter anderem, weil Billy Slagle das Haus unbewaffnet betreten hatte, um etwas zu stehlen, jedoch nie den Vorsatz hatte, jemanden zu töten. (Das Opfer wurde mit einer Schere getötet, die sich im Haus befand.)

Als das Berufungsgericht für den sechsten Bezirk (US Court of Appeals for the Sixth Circuit) 2006 über den Fall entschied, erklärten alle drei RichterInnen mindestens 15 der von der Staatsanwaltschaft während der Verhandlung abgebenden Aussagen für "unzulässig". Trotzdem stimmten zwei von ihnen für die Bestätigung des Schuldspruchs und des Todesurteils. Die dritte Richterin sprach sich dagegen aus. Sie begründete ihren Widerspruch damit, dass das Fehlverhalten der Staatsanwaltschaft – wie u.a. die 15 Aussagen zeigen – das "Verfahren so sehr beeinflusst haben, dass dieses Fehlverhalten Billy Slagles Recht auf ein ordnungsgemäßes Verfahren verletzt hat". Sie merkte an, dass die Prozessmitschrift "voller Beweise" dafür sei, dass der Staatsanwalt "die Grenzen des angemessenen Verhaltens während eines Verfahrens wiederholt überschritten hat, als er die ZeugInnen befragt und das Schlussplädoyer vorgetragen hat." Unter anderem habe er "Slagle persönlich angegriffen und dessen Rechtsbeistände und ZeugInnen verunglimpft". Sie gab weiter an, "verblüfft und bestürzt" von der "unglaublichen" Schlussfolgerung ihrer beiden KollegInnen gewesen zu sein, dass "fast alle" der unzulässigen Aussagen der Staatsanwaltschaft nur "in geringem Maße nachteilig" gewesen seien. Sie beschrieb das prozessuale Fehlverhalten als "ungeheuerlich" und erklärte, dass "viele der unzulässigen Angriffe und Bezüge des Staatsanwalts die Geschworenen mit großer Wahrscheinlichkeit in die falsche Richtung gelenkt oder zu einem Nachteil für den Angeklagten geführt haben".

Der derzeitige Staatsanwalt von Cuyahoga County sagt, dass er, würde der Fall von Billy Slagle heute auf seinem Schreibtisch landen, "wahrscheinlich nicht die Todesstrafe beantragen würde und diese voraussichtlich auch nicht verhängt werden würde". Er hat sich für die Umwandlung des Todesurteils von Billy Slagle ausgesprochen.