Verbleib unbekannt

Karte des Sudan

Karte des Sudan

Am 31. Juli wurden zehn Personen, darunter sieben Binnenvertriebene, vom sudanesischen Geheimdienst NISS in Darfur festgenommen. Vor ihrer Festnahme hatten sie an einem Treffen mit dem US-amerikanischen Sondergesandten für den Sudan und Südsudan teilgenommen. Zwei der Festgenommenen wurden freigelassen, die Aufenthaltsorte der übrigen acht sind nicht bekannt.

Appell an

PRÄSIDENT
HE Omar Hassan Ahmad al-Bashir
Office of the President
People's Palace
PO Box 281
Khartoum
SUDAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

JUSTIZMINISTER
Awad Al Hassan Alnour
Ministry of Justice
PO Box 302
Al Nil Avenue
Khartoum
SUDAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

Sende eine Kopie an

INNENMINISTER
Ismat Abdul-Rahman Zain Al-Abdin
Ministry of Interior
PO Box 873
Khartoum
SUDAN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK SUDAN
S. E. Herrn
Badreldin Abdalla Mohamed Ahmed A. Alla
Kurfürstendamm 151
10709 Berlin
Fax: 030-890 69 823
E-Mail: info@sudanembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 19. September 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

LUFTPOSTBRIEFE, FAXE ODER E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Geben Sie bitte unverzüglich die Aufenthaltsorte von Adam Siddiq Abdel Rahman, Adam Hamid Adam, Ahmed Omer, Ali Abdel Aziz Ali, Al Rasheed Mohamed Essa, Nasser El Deen Yousef Abdel Rahman, Adam Mohamed Ali und Mohamed Al Tejani Seif El Deen bekannt und lassen Sie die Männer frei, sofern man sie nicht in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht und internationalen Standards einer als Straftat anerkannten Handlung anklagt.

  • Stellen Sie bitte unbedingt sicher, dass alle acht Männer, sofern sie sich in Haft befinden, Zugang zu Rechtsbeiständen, ihren Familien und jeglicher erforderlichen medizinischen Behandlung erhalten.

  • Ich fordere Sie auf, die acht Männer vor Folter und anderweitiger Misshandlung zu schützen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the Sudanese authorities to immediately disclose the whereabouts of Adam Siddiq Abdel Rahman, Adam Hamid Adam, Ahmed Omer, Ali Abdel Aziz Ali, Al Rasheed Mohamed Essa, Nasser El Deen Yousef Abdel Rahman, Adam Mohamed Ali, Mohamed Al Tejani Seif El Deen and release them unless they are promptly charged with a recognizable criminal offence, in line with international law and standards.

  • Calling on them to ensure that, if they are in custody, all eight people have prompt access to lawyers, their families and any medical treatment they may require.

  • Urging them to ensure the eight are protected from torture or any other ill-treatment.

Sachlage

Am 31. Juli wurden zehn Personen, darunter sieben Binnenvertriebene, in der Stadt Nierteti im sudanesischen Bundesstaat Zentral-Darfur vom Geheimdienst NISS festgenommen. Bei den Binnenvertriebenen unter den Festgenommenen handelt es sich um: Adam Siddiq Abdel Rahman, Leiter des südlichen Lagers für Binnenvertriebene in Nierteti; Adam Hamid Adam, Leiter des nördlichen Lagers für Binnenvertriebene in Nierteti; Al Rasheed Mohamed Essa, Mitarbeiter von UNAMID (United Nations-African Union Hybrid Mission in Darfur); Ahmed Omer, Mitarbeiter von UNAMID; Ali Abdel Aziz Ali, Student; Nasser El Deen Yousef Abdel Rahman und Abdelkarim Adam Abdelkarim aus dem südlichen Lager für Binnenvertriebene in Nierteti. Die weiteren drei Festgenommenen sind Adam Mohamed Ali, Mohamed Al Tejani Seif El Deen und El Tijani Abdeljabar Yousef. Abdelkarim Adam Abdelkarim und El Tijani Abdeljabar Yousef wurden am 1. August freigelassen. Die Aufenthaltsorte der übrigen Festgenommenen sind nicht bekannt. Seit ihrer Festnahme hatten die Familien der Männer keinen Kontakt mehr zu ihnen. Möglicherweise sind sie in Gefahr, Opfer von Folter und anderweitiger Misshandlung zu werden.

Die zehn festgenommenen Männer hatten am 30. Juli an einem Treffen mit Donald Booth, dem US-amerikanischen Sondergesandten für den Sudan und Südsudan, teilgenommen. Dieser absolvierte einen viertägigen Besuch in Darfur, um die Sicherheitslage sowie die humanitäre Situation vor Ort zu beurteilen und sich mit Binnenvertriebenen zu treffen. Er besuchte die Stadt Nierteti in Zentral-Darfur, wo er Vertreter_innen der Binnenvertriebenen traf, die hauptsächlich aus dem Gebiet Jebel Marra stammten. Dort finden seit Januar 2016 schwere Kämpfe zwischen einer bewaffneten Oppositionsgruppe und Regierungstruppen statt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Sicherheitslage und humanitäre Situation in Darfur ist nach wie vor extrem schlecht. Der bewaffnete Konflikt dauert seit nunmehr 13 Jahren an, und eine friedliche Lösung ist nicht in Sicht. Im Zuge der jüngsten Kampfhandlungen in Jebel Marra sind allein seit Mitte Januar 2016 etwa 129.000 Menschen vertrieben worden. Im Jahr 2015 wurden in Darfur geschätzt 223.000 Personen vertrieben. Seit Beginn des Konflikts in Darfur im Jahr 2003 sind mehr als 300.000 Zivilpersonen getötet worden, und etwa 2,5 Mio. Personen gelten als Binnenvertriebene.

Allein zwischen Januar und Juni 2016 wurden im Zuge des Konflikts mehr als 300 Zivilpersonen getötet. Gewalt zwischen ethnischen und religiösen Gruppen ist weit verbreitet. In der gesamten Region kommt es weiterhin zu rechtswidrigen Tötungen, Vergewaltigungen, Entführungen und Raubüberfällen sowie zu Angriffen gegen UN-Friedenssicherungskräfte. Die Rechte auf freie Meinungsäußerung, friedliche Versammlung und Vereinigungsfreiheit sind stark eingeschränkt. Willkürliche Festnahme und Inhaftierung sowie Folter und andere Formen der Misshandlung sind in der gesamten Region weit verbreitet. Am 30. Juni gab die sudanesische Regierung in Darfur einen einseitigen Waffenstillstand bekannt. Berichte aus der Region deuten jedoch darauf hin, dass die Regierungskräfte im Juli Luftangriffe durchgeführt haben.

Dennoch beschreibt die sudanesische Regierung die Sicherheitslage in Darfur immer wieder als verbessert und "stabil".

Im Juni 2016 verlängerte der UN-Sicherheitsrat das Mandat des Hybriden Einsatzes der Afrikanischen Union und der Vereinten Nationen in Darfur (UNAMID) bis zum 30. Juni 2017. Als Grund wurde die anhaltende Instabilität der Sicherheitslage und humanitären Situation in Darfur angegeben. Das Doha-Dokument für Frieden in Darfur soll im Juli 2016 fertiggestellt werden, ohne dass andere bewaffnete Oppositionsgruppen wie die Sudanesische Befreiungsarmee/-bewegung (SLA/M) und die Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit in den Prozess einbezogen worden wären.