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Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Urgent Action

Drohende Hinrichtung

  • USA
UA-176/2012
Index:
AMR 51/048/2012
20. Juni 2012

Herr SAMMY LOPEZ

Häftling im Todestrakt in Pontiac, Illinois: © APGraphicsBankHäftling im Todestrakt in Pontiac, Illinois: © APGraphicsBank

Sammy Lopez soll am 27. Juni für einen Mord hingerichtet werden, den er im Jahr 1986 begangen hat. Dem Richter, der das Todesurteil gegen Sammy Lopez verhängt hat, waren keine Einzelheiten darüber zur Kenntnis gebracht worden, dass der Angeklagte in extremer Armut aufgewachsen und als Kind missbraucht worden war. Auch über die möglichen Folgen derartiger Kindheitserlebnisse war der Richter nicht aufgeklärt worden.

Am 29. Oktober 1986 wurde die damals 59 Jahre Estefana Homes in ihrer Wohnung in Phoenix tot aufgefunden. Sie war sexuell missbraucht und niedergestochen worden. Außerdem hatte man ihr die Kehle aufgeschlitzt. Der seinerzeit 24-jährige Samuel Villegas Lopez (bekannt als Sammy Lopez), ein junger Man mexikanischer Herkunft, wurde des Mordes angeklagt und von einem Richter zum Tod verurteilt. 1990 wurde das Urteil zunächst aufgehoben, im weiteren Verlauf des Jahres jedoch von demselben Richter erneut verhängt.

Während des ersten Prozesses im Jahr 1986, an dessen Ende Sammy Lopez von den Geschworenen für schuldig befunden worden war, hatte ihn ein Rechtsanwalt vertreten, der niemals zuvor in einem Todesstrafenverfahren als Verteidiger aufgetreten war. In der ersten Phase des Prozesses legte der Rechtsanwalt weder Beweismaterial vor noch beantragte er die Einvernahme von ZeugInnen. Auch im weiteren Verlauf des Verfahren verzichtete er auf die Benennung von ZeugInnen. In einer eidesstattlichen Erklärung vom Februar 2012 wies der Anwalt darauf hin, dass er "ohne Konzept für eine Strafmilderung" gehandelt und "keine Ermittlungen zur Feststellung strafmildernder Umstände" durchgeführt habe. Während des zweiten Prozesses im Jahr 1990 wurde Sammy Lopez von einem anderen Rechtsanwalt vertreten, der aber gleichfalls weder den familiären Hintergrund seines Mandanten noch dessen Lebenslauf beleuchtete. Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin die Todsstrafe mit den Worten: " Gibt es in dem bisherigen, derzeitigen oder zukünftigen Leben dieses Mannes auch nur den kleinsten strafmildernden Umstand, der zu berücksichtigen wäre? Nein, den gibt es nicht... Wir werden gegen den Mann bei Gericht die schwerste Strafe beantragen, die die Gesellschaft kennt." Der Verteidiger wurde um eine Stellungnahme zu den Ausführungen der Staatsanwaltschaft gebeten und führte aus: "In der Biographie des Angeklagten finden sich keine entlastenden Umstände. Ich wünschte, wir könnten darüber mit Paul (dem Staatsanwalt) diskutieren. Aber allem Anschein nach gibt es nichts zu diskutieren." Der Richter verurteilte daraufhin Sammy Lopez erneut zum Tod.

Im Jahr 2006 hatte Dr. George W. Woods in einem 95-seitigen Gutachten den sozialen Hintergrund der Familie Lopez beleuchtet und Einzelheiten über ein "entsetzlich gewalttätiges häusliches Umfeld" zutage gefördert, das den heranwachsenden Sammy Lopez "zutiefst traumatisiert" habe. Der Vater von Sammy Lopez war "ein grausamer und bösartiger Alkoholiker, der seine Frau und seine Kinder regelmäßig verprügelte". Der Vater verließ die Familie schließlich. Daraufhin zog ein anderer Mann - Sammy war zu dem Zeitpunkt etwa neun Jahre alt - in die Wohnung ein. Der Mann übte ebenfalls Gewalt aus und "schüchterte (Samuel) mit Gewehren ein". Die Mutter von Sammy Lopez hatte selbst "eine entsetzliche Kindheit". Sie ist "mehrfach vergewaltigt, körperlich misshandelt und von ihren Ehemännern zwanghaften Kontrollen ausgesetzt" worden. Ihre Kindheitserlebnisse haben sie "unfähig gemacht, auch nur ansatzweise ihre Mutterpflichten wahrzunehmen". Sammy Lopez "suchte wie viele andere traumatisierte Menschen, mit Drogen und Alkohol seine Einsamkeit, Zurückweisung und seinen Schmerz zu lindern. Da seine Traumata und seine Depressionen unbehandelt blieben, flüchtete er sich immer stärker in den Alkohol, nahm Drogen und schnüffelte Lösungsmittel. Ab dem 21. Lebensjahr war Sammy Lopez obdachlos und nutzte Autos, den örtlichen Park und einen Friedhof als Aufenthaltsorte. Im Jahr 2006 förderten neurologische Untersuchungen zutage, dass Sammy Lopez an "erheblichen neurologischen Störungen unter anderem im Bereich des Stirnhirns" leidet und Symptome aufweist, die auf eine Posttraumatische Belastungsstörung schließen lassen. Dr. Woods wies ferner darauf hin, dass sich der zur Tatzeit 24-Jährige seinerzeit in einem Rauschzustand befunden habe und dadurch zusätzlich beeinträchtigt gewesen sei.

EMPFOHLENE AKTIONEN

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte weder den Mord an Estefana Holmes entschuldigen noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.
  • Ich möchte dennoch darauf hinweisen, dass der Richter, der Samuel Villegas Lopez zum Tod verurteilt hat, in keiner Phase des Prozesses nachdrücklich auf die von dem Angeklagten in schwerer Armut verbrachte Kindheit hingewiesen worden ist, die zudem von ständiger Gewalt begleitet war.
  • Ich bitte Sie eindringlich, das gegen Samuel Villegas Lopez verhängte Todesurteil umzuwandeln.

APPELLE AN

GOUVERNEURIN DES BUNDESSTAATES ARIZONA
The Honorable Janice K. Brewer
Arizona Governor
Executive Tower
1700 West Washington Street
Phoenix, AZ 85007
USA
(korrekte Anrede: Dear Governor/ Sehr geehrte Frau Gouverneurin)
E-Mail: azgov@az.gov
Fax: (00 1) 602 542 1381

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 27. Juni 2012 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Sammy Lopez hat die Hälfte seines Lebens im Todestrakt verbracht. Als er das erste Mal zum Tod verurteilt wurde, war er gerade einmal 24 Jahre alt. Der Termin für die Hinrichtung von Sammy Lopez liegt drei Tage vor seinem 50. Geburtstag. In Arizona sind im laufenden Jahr bereits drei Menschen, in den gesamten USA schon 21 Menschen exekutiert worden. Von den seit 1977 in den USA vorgenommenen 1298 Hinrichtungen haben 31 in Arizona stattgefunden.

Amnesty International lehnt die Todesstrafe bedingungslos und unter allen Umständen ab.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Explain that you are not seeking to excuse the murder of Estefana Holmes or to downplay the suffering caused.
  • Express deep concern that the judge who sentences Samuel Villegas Lopez to death never heard compelling information about the defendant's history of severe poverty and appalling abuse or its effects on him.
  • Call for Samuel Lopez's death sentence to be commuted.

Weitere Dokumente

Urgent Action: Hinrichtung vollstrecktUA-176/2012-1