Hungerstreik für seine Frau

Golrokh Ebrahimi Iraee und Arash Sadeghi

Golrokh Ebrahimi Iraee und Arash Sadeghi

Die Gesundheit des inhaftierten Menschenrechtsverteidigers Arash Sadeghi hat sich verschlechtert. Er befindet sich seit dem 24. Oktober im Hungerstreik und protestiert damit gegen die Inhaftierung seiner Ehefrau Golrokh Ebrahimi Iraee. Die Menschenrechtsverteidigerin kam in Haft, weil sie eine fiktive Geschichte zum Thema Steinigung geschrieben hatte.

Appell an:

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadegh Larijani
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S. E. Herrn Ali Majedi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: info@iranbotschaft.de

GENERALSTAATSANWALT VON TEHERAN
Abbas Ja’fari Dolat Abadi
(Anrede: Dear Prosecutor General /
Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S. E. Herrn Ali Majedi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Sende eine Kopie an:

PRÄSIDENT
Hassan Rouhani
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S. E. Herrn Ali Majedi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: info@iranbotschaft.de

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S. E. Herrn Ali Majedi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Englisch, Spanisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 11. Januar 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS, TWITTERNACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bitte Sie eindringlich, Arash Sadeghi und Golrokh Ebrahimi Iraee umgehend und bedingungslos freizulassen, da sie gewaltlose politische Gefangene sind, die sich nur deshalb in Haft befinden, weil sie friedlich Gebrauch von ihren Rechten auf Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit gemacht haben.

  • Bitte leiten Sie unverzüglich eine umfassende, unabhängige Untersuchung der Foltervorwürfe von Arash Sadeghi ein und stellen Sie die Verantwortlichen ohne Rückgriff auf die Todesstrafe vor Gericht.

  • Schaffen Sie bitte ohne Verzug die Todesstrafe durch Steinigung im Gesetz und in der Praxis ab, und stellen Sie sicher, dass einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Volljährigen nicht länger unter Strafe stehen. Heben Sie dazu insbesondere Paragraf 225 des Islamischen Strafgesetzbuchs von 2013 auf.

Sachlage

Der Menschenrechtsverteidiger Arash Sadeghi, der aufgrund seines menschenrechtlichen Engagements eine 15-jährige Haftstrafe verbüßen muss, trat am 24. Oktober aus Protest gegen die Inhaftierung seiner Frau, der Autorin und Menschenrechtlerin Golrokh Ebrahimi Iraee, in den Hungerstreik. Aus informierter Quelle erfuhr Amnesty International, dass Arash Sadeghi inzwischen an Herzrasen und Atemprobleme leidet, sein Blutdruck wiederholt extrem abfällt, er Magen-, Darm und Nierenprobleme hat und er nicht mehr deutlich sprechen kann. Er ist seit Juni 2016 im Gefängnis. Arash Sadeghi und seine Frau Golrokh Ebrahimi Iraee sind beide im Evin-Gefängnis inhaftiert. Golrokh Ebrahimi Iraee wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Eine der Anklagen lautete „Beleidigung islamischer Heiligtümer“. Am 24. Oktober brachen Staatsbeamt_innen mit Gewalt ihre Haustür auf und nahmen sie mit der Begründung fest, sie müsse nun ihre Haftstrafe antreten. Ihr Schuldspruch steht im Zusammenhang mit einer nicht veröffentlichten fiktiven Geschichte, die sie über die Praxis der Steinigung geschrieben hatte. In der Geschichte beschreibt sie die Gefühle der Protagonistin, die den Film The Stoning of Soraya M sieht und darüber so aufgebracht ist, dass sie eine Ausgabe des Korans verbrennt. Der Film The Stoning of Soraya M erzählt die wahre Geschichte einer jungen Frau, die wegen Ehebruchs zu Tode gesteinigt wird.

Die Behörden entdeckten die von Golrokh Ebrahimi Iraee geschriebene fiktive Geschichte, als sie zusammen mit ihrem Mann am 6. September 2014 festgenommen wurde. Nach ihrer Festnahme brachte man Arash Sadeghi ins Evin-Gefängnis, hielt ihn dort sechs Monate lang in Einzelhaft und ließ ihn dann gegen Kaution frei. Golrokh Ebrahimi Iraee brachten die Behörden an einen geheimen Ort. Dort war sie eine Nacht lang inhaftiert, ehe man auch sie ins Evin-Gefängnis brachte. Bis zum 27. September 2014 wurde sie ohne Zugang zu ihrer Familie und einem Rechtsbeistand festgehalten, dann ließ man sie gegen Kaution frei. Während der Haft unterzog man sie mit verbundenen Augen langen Verhören und drohte ihr mit Hinrichtung, weil sie „den Islam beleidigt“ habe. Während ihrer Verhöre konnte sie hören, wie Verhörende ihren Mann in der Nachbarzelle bedrohten und misshandelten. Arash Sadeghi hat danach angegeben, er sei zwischen September 2014 und März 2015 im Gewahrsam mit offener Hand geschlagen, getreten, mit Fäusten auf den Kopf geschlagen und gewürgt worden. Arash Sadeghi und Golrokh Ebrahimi Iraee wurden beide in einem unfairen Verfahren, das aus nur zwei Anhörungen bestand, verurteilt. Sie hatten während der Verhandlung keine anwaltliche Vertretung. Golrokh Ebrahimi Iraee hatte auch nicht die Möglichkeit, sich selbst zu verteidigen, da die erste Anhörung vor Gericht im Mai 2015 sich auf den Aktivismus von Arash Sadeghi konzentrierte und die zweite Anhörung im Juni 2015 ohne sie stattfand, da sie sich nach einer größeren Operation im Krankenhaus befand. Das Gericht wies ihre Bitte um Vertagung zurück, obwohl sie dem Gericht ihre Krankenakte vorlegte. Die beiden wurden zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.