Umwandlung des Todesurteils beantragt

Ergebnis dieser Urgent Action

Johnny Shane Kormondy wurde am 15. Januar in Florida durch die Giftspritze hingerichtet. Er war für einen Mord zum Tode verurteilt worden, den er 1993 begangen hatte. Es war die 21. Hinrichtung unter Gouverneur Rick Scott – seit 1976 hat nur einer seiner Vorgänger ebenso viele Todesurteile vollstrecken lassen.

Hinrichtungskammer Florida

Hinrichtungskammer Florida

Johnny Shane Kormondy, der sich in Florida wegen Mordes im Todestrakt befindet und seine ordentlichen Rechtsmittel ausgeschöpft hat, hat die Umwandlung seines Urteils in eine lebenslange Haftstrafe beantragt. Seine beiden Mitangeklagten verbüßen lebenslange Gefängnisstrafen. Es ist nach wie vor strittig, welcher der Angeklagten das Opfer getötet hat.

Appell an

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES FLORIDA
Governor Rick Scott
Office of the Governor, The Capitol
400 S. Monroe St., Tallahassee
FL 32399-0001
USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
E-Mail: Rick.scott@eog.myflorida.com

BEGNADIGUNGSAUSSCHUSS VON FLORIDA
Florida Parole Commission
4070 Esplanade Way, Tallahassee
FL 32399-2450
USA
(Anrede: Dear Members of the Clemency Board / Sehr geehrte Mitglieder des Begnadigungsausschusses)
E-Mail: ClemencyWeb@fpc.state.fl.us
Fax: (00 1) 850 414 6031 oder (00 1) 850 488 0695

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S. E. Herrn John Bonnell Emerson
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. August 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte weder den Mord an Gary McAdams entschuldigen noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.

  • Jedoch möchte ich darauf hinweisen, dass das Urteil gegen Johnny Shane Kormondy im Vergleich zu den gegen Curtis Buffkin und James Hazen verhängten Haftstrafen unverhältnismäßig erscheint, zumal die Beweise gegen ihn "nicht schlüssig" sind.

  • Ich möchte Sie daher inständig bitten, sich gegen die Hinrichtung von Johnny Shane Kormondy auszusprechen und sich für die Umwandlung des Todesurteils in eine Haftstrafe einzusetzen.

Sachlage

Am 11. Juli 1993 wurden zwei Personen in Pensacola im US-Bundesstaat Florida Opfer eines Einbruchs: Gary McAdams wurde dabei erschossen und Cecilia McAdams wurde vergewaltigt und überlebte. Drei Männer wurden wegen der Tat vor Gericht gestellt. Die Staatsanwaltschaft beantragte gegen alle drei die Todesstrafe. 1994 fanden drei separate Gerichtsverfahren statt. Der damals 23-jährige Curtis Buffkin wurde als Erster vor Gericht gestellt und von der Staatsanwaltschaft als der "Anführer" bezeichnet, der "die Waffe bei sich trug" und in der Gruppe "das Sagen hatte". Als es im Zuge der Beratungen der Geschworenen offensichtlich wurde, dass es nicht notwendigerweise ein Urteil wegen Mordes gegen Curtis Buffkin geben werde, verständigten sich die Staatsanwaltschaft und Curtis Buffkin darauf, ihn nicht zum Tode zu verurteilen, wenn er im Gegenzug gegen seine beiden Mitangeklagten aussagte. Gegen den damals 21-jährigen James Hazen wurde daraufhin die Todesstrafe verhängt. Dieses Urteil wurde schließlich vom Obersten Gericht Floridas in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt, da James Hazen nach Auffassung des Gerichts weniger Schuld traf als Curtis Buffkin, welcher ebenfalls zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden war.

Der dritte Angeklagte war der damals 21-jährige Johnny Shane Kormondy. Seinen Angaben zufolge hat Curtis Buffkin Gary McAdams erschossen. In seiner Funktion als Zeuge der Anklage sagte Curtis Buffkin jedoch aus, dass Johnny Shane Kormondy den Mann versehentlich erschossen habe. Bei der Verhandlung von Johnny Shane Kormondy rief die Staatsanwaltschaft Cecilia McAdams in den Zeugenstand, deren Aussage darauf hindeutete, dass Curtis Buffkin nicht der Mörder war. Ein weiterer Zeuge der Anklage sagte aus, dass Johnny Shane Kormondy zugegeben habe, Gary McAdams erschossen zu haben. Dieser Zeuge war zuvor wegen der hohen Belohnung für Hinweise zu dem Fall bei der Polizei erschienen. Die Aussagen beider Zeug_innen wichen von den Angaben ab, die sie vor Beginn des Verfahrens gemacht hatten. Johnny Shane Kormondy wurde schuldig gesprochen, und die Geschworenen stimmten mit acht zu vier Stimmen für ein Todesurteil. Im Jahr 1997 hob das Oberste Gericht Floridas dieses Urteil auf mit der Begründung, die Beweise reichten lediglich für den Nachweis des Totschlags (first-degree felony murder) und nicht für Mord aus. 1999 stimmten bei einer Neuverhandlung die Geschworenen erneut für die Todesstrafe. Dieses Urteil wurde 2003 durch das Oberste Gericht des Bundesstaates bestätigt mit der Begründung, dass Johnny Shane Kormondy gemäß der vorgetragenen Beweismittel, nach denen er der Täter war, eine größere Schuld traf als Curtis Buffkin und James Hazen, und die Verurteilung zum Tode daher im Vergleich zu den Strafen der anderen beiden Angeklagten nicht unverhältnismäßig sei.

Bei einer erneuten Anhörung im Jahr 2005 zogen Curtis Buffkin und James Hazen ihre zuvor gemachten Aussagen zurück. Curtis Buffkin sagte aus, Gary McAdams versehentlich erschossen zu haben, und dass Johnny Shane Kormondy die Mordwaffe nie in der Hand gehalten habe. Er gab an, im ersten Verfahren gelogen zu haben, um der Todesstrafe zu entgehen, und dies nun richtigstellen zu wollen, da "die Familie wissen sollte, was wirklich geschehen ist". James Hazen sagte aus, am Tatort gewesen zu sein – bei seiner ersten Verhandlung hatte er dies bestritten. Zudem gab er an, dass Curtis Buffkin ihm gegenüber angedeutet habe, Gary McAdams erschossen zu haben. Das Gericht erkannte die Widerrufungen der früheren Aussagen jedoch nicht an. 2011 räumte ein Richter eines US-Bezirksgerichts ein, dass die Beweise dafür, dass Johnny Shane Kormondy der Täter war, "nicht schlüssig" seien.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Im Jahr 2012 wurde ein Viertel aller Todesurteile in den USA in Florida verhängt, 2013 entfielen beinahe 20 % aller Todesurteile in den USA auf Florida. Im Jahr 2013 wurden in Florida mehr Menschen hingerichtet als in irgendeinem anderen Jahr seit 1984. Seit 1976, als der Oberste Gerichtshof der USA neue Gesetze zur Todesstrafe billigte, darunter auch das von Florida, haben nur Texas, Virginia und Oklahoma mehr Todesurteile vollstreckt. Seit 1976 hat es 1.382 Hinrichtungen in den USA gegeben, 87 davon in Florida. In diesem Jahr hat es 23 Hinrichtungen gegeben, sechs davon in Florida.

In Florida wird ein Hinrichtungstermin festgelegt, sobald die ordentlichen Rechtsmittel, die ein Gefangener vor Gericht einlegen kann, ausgeschöpft worden sind und ein Gnadengesuch abgelehnt wurde. Das Gnadengesuch von Johnny Shane Kormondy wird derzeit vom Gouverneur und den anderen Angehörigen des Begnadigungsausschusses geprüft. Es ist nicht bekannt, wann eine Entscheidung in diesem Fall getroffen wird.

Amnesty International wendet sich in allen Fällen bedingungslos gegen die Todesstrafe.

FORTSETZUNG HINTERGRUNDINFORMATIONEN(AUF ENGLISCH)
According to his clemency petition, Shane Kormondy "accepts his responsibility in this case…, has shown remorse and has grown as a human being while being in prison". He maintains that he did not shoot Gary McAdams or rape Cecilia McAdams. This is consistent with his original police statement in July 1993. In a deposition in October 1993, the detective who had taken this statement said that during the police interview, Shane Kormondy had "show[n] remorse for what had happened", had "stated to us emphatically that he was not the one who shot Mr McAdams", but was present when he was shot. According to the detective, Shane Kormondy was most emphatic that he had not raped Cecilia McAdams, and willingly allowed the authorities to take blood and saliva samples. The detective stated that he "definitely believe[d]" that Kormondy and Buffkin "were present when the man was shot" and that "Hazen was in the rear assaulting Mrs McAdams at the time the shot occurred".

At Shane Kormondy’s original 1994 trial, his lawyer presented mitigating evidence, including about his difficult childhood of abuse and neglect, his minimal education, a learning disability, and problems of addiction. At the resentencing in 1999, in front of a different judge and different jury, Shane Kormondy’s new lawyer did not present any mitigation witnesses, choosing only to cross-examine those put on by the prosecution. These again included Cecilia McAdams, who admitted that she had been unable to identify Shane Kormondy as having been in her home ("I did not see him as far as his full face"). The defence lawyer did not ask her about a statement she apparently made to police on the night of the crime because he did not know it existed. She had apparently said in this statement that two of the assailants were with her in the back room when the fatal shot was fired in the kitchen. In her trial testimony, she said there was only one man in the back room with her at the time, and her account suggested that this was Curtis Buffkin and that he was therefore not the gunman.

In 2011 the US District Court judge described this testimony as "more than a little damaging to Mr Kormondy", and also noted "the obvious fact that the events were traumatic and a person in that situation might not observe or recall the events accurately". The judge also noted that "If Mrs McAdams really said two assailants were with her when the shot was fired, it would cast at least some doubt on her ability to recall what happened. This, in turn, would cast some doubt on her statement that Mr Buffkin was with her when the shot was fired. Or so a reasonable juror or judge might conclude". The federal judge noted that the question as to whether the lawyer’s failure to bring up this prior statement at the retrial was not ineffective assistance of counsel was a "close" one. If this question was before the federal courts as an original matter, the judge continued, "one might reasonably find" that Kormondy had been prejudiced by his lawyer’s failure to impeach this witness’s reliability (in which case his death sentence would be overturned). However, it was not before the District Court as an original matter, but for federal review of the Florida Supreme Court’s finding that the legal representation had not been constitutionally inadequate. Under the deference federal courts have to give to state court rulings under US law, "Mr Kormondy is not entitled to relief on this claim".