Entführte nicht mehr in geheimer Haft

Die pakistanischen Brüder Abdullah und Ibrahim Mohamed El-Sharkawi wurden nun ausfindig gemacht. Sie waren am 25. bzw. 29. Mai mutmaßlich von Angehörigen des pakistanischen Geheimdienstes verschleppt worden. Ibrahim Mohamed El-Sharkawi wurde am 27. Juni auf Kaution freigelassen. Abdullah Mohamed El-Sharkawi kam nach geheimer Haft vermutlich am 23. Juli in das Gefängnis Adiala.

Sachlage

Der 17-jährige Ibrahim Mohamed El-Sharkawi wurde am 3. Juni zum Gefängnis Adiala in Rawalpindi gebracht und am 27. Juni auf Kaution freigelassen. Er erzählte seiner Familie, dass ihn der nationale Geheimdienst (Federal Intelligence Agency – FIA) nach seiner Entführung einige Tage an einem geheimen Ort festhielt und ihn dann für einige weitere Tage an einen anderen Ort brachte. Dort wurde er geschlagen, an seinen Handgelenken aufgehängt und mit Schlafentzug traktiert. Nach ungefähr sechs Tagen in geheimer Haft kam er in das Gefängnis Adiala in eine Zelle mit über 50 Kinderhäftlingen. Die Zelle war so überfüllt, dass er nahezu stehend schlafen musste. Er durfte die Zelle nicht für Tätigkeiten im Freien verlassen.

Abdullah Mohamed El-Sharkawi rief seine Familienangehörigen am 23. Juli an, um ihnen zu sagen, dass er in das Gefängnis Adiala gebracht wurde. Laut seiner Familie hielt ihn der Geheimdienst seit seiner Entführung am 25. Mai in geheimer Haft. Er soll geschlagen und an den Handgelenken aufgehängt worden sein. Abdullah Mohamed El-Sharkawi erzählte seiner Familie, dass er zwei oder drei Tage vor seiner Verlegung in das Gefängnis Adiala in einem Minibus in Rawalpindi saß, der ihn in seine Heimatstadt Attock bringen sollte. Doch nur ein paar Minuten später kam die Polizei und nahm ihn fest, weil er keine amtlichen Dokumente bei sich hatte.

Die Anklagen gegen Ibrahim und seine Brüder sind weiter anhängig. Der Geheimdienst FIA klagte Ibrahim und seine drei Brüder an, sich entgegen Paragraph 14 des Ausländergesetzes illegal in Pakistan aufzuhalten. Die Anklagepunkte gegen die Brüder scheinen haltlos zu sein, weil sie dem Gesetz zufolge pakistanische Staatsbürger sind, obgleich ihr Vater pakistanischer Staatsbürger ägyptischer Herkunft ist. Das bestätigte das Hohe Gericht Peshawar in einer Entscheidung vom Januar 2010.

Der Rechtsbeistand der beiden Brüder hat Rechtsmittel gegen die Anklagen eingelegt.

Nach dem Verschwinden von Abdullah Mohamed El-Sharkawi leitete die Familie den Fall an eine Untersuchungskommission für Fälle von Verschwindenlassen weiter, die von der Regierung eingesetzt wurde, um solchen Fällen nachzugehen. Da Abdullah Mohamed El-Sharkawi nun wieder aufgetaucht ist, sieht die Kommission seinen Fall als abgeschlossen an. Es liegt jetzt an den Gerichten, gegen sein Verschwindenlassen und die Verantwortlichen zu ermitteln.
Weitere Appelle des Eilaktionsnetzes sind derzeit nicht erforderlich.

Amnesty International wird die Situation der Brüder verfolgen und gegebenenfalls weitere Aktionen starten. Vielen Dank allen, die Appelle geschrieben haben.