Student entführt

Der Oppositionsaktivist Anwarul Islam Masum ist am 4. April mutmaßlich von Angehörigen der Polizei entführt worden. Die Polizei streitet dies ab. Seine Familie sucht seither ohne Erfolg auf örtlichen Polizeiwachen nach ihm. Er ist in Gefahr, gefoltert oder außergerichtlich hingerichtet zu werden.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte leiten Sie umgehend eine Untersuchung der mutmaßlichen Entführung von Anwarul Islam Masum ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse dieser Untersuchung und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

  • Ich bitte Sie dafür zu sorgen, dass die Sicherheit von Anwarul Islam Masum gewährleistet wird und er weder Folter noch unmenschlicher Behandlung ausgesetzt wird, falls sich herausstellt, dass er sich in Gewahrsam der Behörden befindet.

  • Sollte sich herausstellen, dass sich Anwarul Islam Masum in Gewahrsam der Behörden befindet, bitte ich Sie eindringlich, ihn freizulassen, wenn er nicht einer anerkannten Straftat angeklagt wird.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to launch an immediate investigation into the alleged abduction of Anwarul Islam Masum, publish the results and bring those responsible to justice.

  • Urging the authorities to ensure that Anwarul Islam Masum will not be tortured or otherwise ill-treated should he be found to be in the custody of the authorities.

  • Urging the authorities to ensure that, if it is established that Anwarul Islam Masum is detained by the authorities, that he be released unless he is charged with a recognizably criminal offence.

Sachlage

Anwarul Islam Masum ist Student und der Sekretär des Büros der Studierendenorganisation BICS (Bangladesh Islami Chhatra Shibir), dem studentischen Flügel der Partei Jamaat-e-Islami, in der Stadt Rajshahi. Laut Angaben seiner Familie durchsuchten 30-40 Angehörige der Polizei und des Schnellen Einsatzbataillons RAB (Rapid Action Battalion), eine Sondereinheit die mit hunderten Mordfällen in Verbindung gebracht wird, in den frühen Morgenstunden des 4. April die Wohnung von Anwarul Islam Masum in Rajshahi und entführten ihn. Familienangehörige berichteten Amnesty International, dass sie das Haus während der Durchsuchung nicht verlassen durften und deshalb nicht sehen konnten, wohin er gebracht wurde. NachbarInnen erzählten ihnen jedoch, dass sie beobachten konnten, wie die BeamtInnen Anwarul Islam Masum ein Fahrzeug mit RAB-Kennzeichnung besteigen ließen und mit ihm wegfuhren.

Anwarul Islam Masum wurde wenige Tage nach den gewalttätigen Zusammenstößen zwischen UnterstützerInnen der Studentenorganisation BICS und der Polizei verschleppt. Laut den lokalen Medien wurden eine Reihe von Protestierenden und mehrere PolizistInnen bei den Auseinandersetzungen verletzt. Staatliche Fernsehsender zeigten, wie Menschen, die sie als Unterstützerinnen der Organisation BICS darstellten, einen Polizisten in einer Straße isolierten und ihn so lange schlugen, bis er zusammenbrach.

Nach der Entführung von Anwarul Islam Masum suchte ihn seine Familie auf der örtlichen Polizeiwache. Die Polizei meinte jedoch, sie wisse nicht, dass er inhaftiert worden sei. Dann wollte die Familie seine Entführung anzeigen, doch die Polizei weigerte sich, die Anzeige aufzunehmen. Die Familie wurde auch beim örtlichen Hauptquartier der RAB vorstellig, doch auch die RAB bestritt, Anwarul Islam Masum festgenommen zu haben. Aufgrund einer Eingabe der Mutter von Anwarul Islam Masum von Anfang Juni wies das Hohe Gericht die bangladeschischen Behörden, darunter einen hohen Vertreter des Innenministeriums, den Polizeichef und den Leiter der RAB an, innerhalb von drei Wochen zu begründen, warum Anwarul Islam Masum nicht vor Gericht erscheinen konnte.

Appell an:

INNENMINISTER
Muhiuddin Khan Alamgir
Ministry of Home Affairs
H-16, R-25, B-A
Banani, Dhaka-1213
BANGLADESCH
(Anrede: Dear Home Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 880) 2 716 47 88
E-Mail: mkalamgir@yahoo.com oder minister@mha.gov.bd

POLIZEICHEF
Mr Hassan Mahmud Khandker
Bangladesh Police HQ
Dhaka-1000
BANGLADESCH
Fax: (00 880) 2 712 58 40
E-Mail: ig@police.gov.bd

Sende eine Kopie an:

PREMIERMINISTERIN
Sheikh Hasina
Prime Minister's Office
Old Sangsad Bhaban
Tejgaon, Dhaka-1215
BANGLADESCH
(Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrte Frau Premierministerin)
Fax: (00 880) 2 811 3244
E-Mail: pm@pmo.gov.bd oder ps1topm@pmo.gov.bd oder psecy@pmo.gov.bd

BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK BANGLADESCH
S. E. Herrn Mohammad Nazrul Islam
Dovestraße 1, 5. Etage
10587 Berlin
Fax: 030-3989 7510
E-Mail: info@bangladeshembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Bengalisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. Juli 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In den vergangenen Jahren kommen Berichte über das Verschwindenlassen in den bangladeschischen Medien immer häufiger auf. Bangladeschische Menschenrechtsorganisationen haben zahlreiche solcher Fälle untersucht und darüber berichtet. Allein aus dem Jahr 2012 liegen Amnesty International Berichte über mindestens zehn Fälle des Verschwindenlassens vor.

Die Entführungen folgen einem klaren Muster. Meist werden sie von in Zivil gekleideten Personen durchgeführt, die sich vor ZeugInnen als Sicherheitskräfte ausweisen. Danach hört man nichts mehr von den Entführten – darunter bis jetzt ausschließlich Männer. In manchen Fällen, meist wenn bei der Entführung keine ZeugInnen anwesend waren, findet man den Leichnam des Betroffenen an einem anderen Ort als dem der Entführung.

Die meisten Entführten sind offenbar Mitglieder von oppositionellen Parteien, doch auch Personen ohne politische Zugehörigkeit sind entführt worden. Familien glauben, dass die Polizei für die Entführungen verantwortlich sei. Das Muster der offiziellen Reaktionen scheint diesen Verdacht zu bestärken. Die Polizei streitet ab, etwas damit zu tun zu haben, doch versäumen sie es jedes Mal, aufzudecken, was passiert ist und wer für die Entführungen verantwortlich ist. Von der Polizei liegen keine Berichte einer glaubwürdigen Untersuchung dieser oder anderer Fälle von Verschwindenlassen vor.

Der Gewerkschaftsführer Aminul Islam „verschwand“ am 4. April 2012. Am nächsten Tag wurde seine Leiche in der Stadt Ghatail nördlich der Hauptstadt Dhaka aufgefunden. Seine Familie entdeckte Folterspuren an seinem Körper und vertrat die Auffassung, dass er von Sicherheitskräften entführt worden war. Er war zuvor schon einmal von MitarbeiterInnen des Geheimdienstes wegen seiner gewerkschaftlichen Aktivitäten festgenommen und geschlagen worden.

Amnesty International hat in einem ähnlich gelagerten Fall kürzlich eine Urgent Action gestartet: Am 12. April wurde der Bezirkssekretär von Joypurhat der bangladeschischen politischen Partei Jamaat-e-Islami, Nazrul Islam aus seinem Haus in Saheb Parha in Joypurhat im Norden von Bangladesch mutmaßlich entführt. Seine EntführerInnen gaben sich gegenüber der Familie als „ von der Regierung“ aus. Seither fehlt jede Spur von ihm. Es besteht die Befürchtung, dass Nazrul Islam an einen unbekannten Ort gebracht wurde und Gefahr läuft, gefoltert oder außergerichtlich hingerichtet zu werden (UA-145/2013).