Aktivisten weiter in Haft

Guo Bin

Guo Bin

Die beiden Aktivisten Guo Bin und Yang Zhangqing werden weiterhin unter dem Verdacht, "illegale Geschäfte" durchgeführt zu haben, in einer Hafteinrichtung im Zentrum der Provinz Henan festgehalten. Die Inhaftierung der beiden Männer erfolgte offenbar wegen ihrer Verbindungen zu der bekannten NGO Yirenping und steht im Zusammenhang mit dem umfassenden Vorgehen der Behörden gegen zivilgesellschaftliche Gruppierungen in China.

Appell an

GOUVERNEUR DER PROVINZ HENAN
Xie Fuzhan

Henan Sheng Renmin Zhengfu
Nongye Lu Dong 28 hao

Hennan Ribao Baoye Dasha
11 Lou Dong Bangongting
VOLKSREPUBLIK CHINA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)

DIREKTOR DER HAFTEINRICHTUNG NR. 3 IN ZHENGZHOU
Zhengzhou Shi Disan Kanshousuo
Gu Xu Lu
Huiji Qu
Zhengzhou Shi
Henan
VOLKSREPUBLIK CHINA
(Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Direktor)

Sende eine Kopie an

MINISTER FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT
Guo Kunsheng Buzhang

14 Dongchang’an jie
Dongcheng Qu
Beijing Shi 100741
VOLKSREPUBLIK CHINA
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 86) 10 6626 2550

BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S. E. Herrn SHI Mingde
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: 030-2758 8221
E-Mail: presse.botschaftchina@gmail.com

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Chinesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 17. August 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie Guo Bin und Yang Zhangqing unverzüglich und bedingungslos frei.

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass sie bis zu ihrer Freilassung regelmäßig und uneingeschränkt Besuch von ihren Rechtsbeiständen und ihren Familie erhalten können, dass sie die medizinische Versorgung erhalten, die sie benötigten, und dass sie vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt werden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to immediately and unconditionally release Guo Bin and Yang Zhangqing.

  • Calling on them to ensure that pending their release, Guo Bin and Yang Zhangqing have regular, unrestricted access to their lawyers and families, to any medical treatment they may require, and are protected from torture and other ill-treatment.

Sachlage

Guo Bin ist der Direktor der Nichtregierungsorganisation Zhongyixing, die auch unter dem Namen ACTogether bekannt ist und sich für die Rechte von benachteiligten Gruppen einsetzt. Yang Zhangqing setzt sich mit seiner Arbeit für die Rechte von an Hepatitis-B erkrankten Personen ein und engagiert sich für Verbraucherrechte. Am 12. Juni wurden beide Männer unabhängig voneinander in der Provinz Guangdong von Polizist_innen festgenommen. Sowohl Guo Bin als auch Yang Zhangqing haben in der Vergangenheit für eine der bekanntesten NGOs in China, Yirenping, gearbeitet. Die Organisation setzt sich gegen die Diskriminierung von Frauen, Menschen mit Behinderungen, LGBTI (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgeschlechtliche und Intersexuelle) und Personen mit gesundheitlichen Problemen ein.

Am 15. Juni verlegte man die beiden Aktivisten in eine Hafteinrichtung in der Provinz Henan. Weder ihre Familien noch ihre Rechtsbeistände wussten zunächst, wo sie festgehalten wurden. Erst am 19. Juni konnten ihre Rechtsbeistände sie in der Hafteinrichtung Nr. 3 in Zhengzhou besuchen. Laut seinem Rechtsbeistand erhält Guo Bin nicht die Medikamente, die er aufgrund einer Hauterkrankung benötigt. Zudem muss er ohne seine Brille auskommen. Yang Zhangqing hat von langen Verhören berichtet.

Im März führte die Polizei im Büro von Yirenping eine Razzia durch. Viele ehemalige Angestellte und Unterstützer_innen der Organisation geben an, dass sie in den vergangenen Monaten von den Behörden drangsaliert oder eingeschüchtert wurden. Nachdem fünf Aktivistinnen, die ebenfalls Verbindungen zu der Organisation Yirenping haben, im April nach einem Monat in Haft gegen Kaution freigekommen waren, hatte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums erklärt, dass die Organisation "bestraft" werden würde.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Seit mehreren Jahren werden NGOs mit verschiedenen Arbeitsfeldern in ganz China durch die Staatssicherheit intensiv überwacht. Die Beamt_innen befragen sie oftmals wiederholt zu ihren Verbindungen zu ausländischen Fördergeldern. Einige NGOs wurden sogar geschlossen. Die in Hangzhou angesiedelte NGO Weizhiming, die sich für die Rechte von Frauen sowie für unternehmerische und soziale Verantwortung einsetzt, musste Ende Mai 2015 schließen. Die Organisation hatte unter großem Druck gestanden, nachdem man ihre Direktorin, Wu Rongrong, zusammen mit anderen Aktivistinnen Anfang des Jahres festgenommen hatte. Eines der wenigen unabhängigen Forschungszentren in China, das Forschung zu sozialen und wirtschaftlichen Themen betreibt, The Transition Institute, musste ebenfalls schließen. Die ehemaligen Angestellten mussten zudem einschüchternde Verhöre durch die Polizei über sich ergehen lassen.

Guo Bin und Yang Zhangqing arbeiteten in der Vergangenheit für eine der bekanntesten NGOs in China, Yirenping. Die Organisation setzt sich gegen die Diskriminierung von Menschen mit gesundheitlichen Problemen ein. Dazu gehören u. a. Menschen mit HIV oder AIDS. Zudem setzt sie sich für LGBTI ein. Zwischen 2007 und 2009 war Guo Bin der Direktor der NGO in Zhengzhou. Er leitete die meisten Diskriminierungsklagen, die von der Organisation im Auftrag von Hepatitis-B erkrankten Personen gegen Unternehmen eingereicht wurden. Yang Zhangqing leitete die Rechtsabteilung der bekanntesten chinesischen Webseite für Menschen mit Hepatitis-B, Gandan Yiangzhao. Später war er dann Direktor von Yirenping in Zhengzhou.

China versucht die Arbeit der NGOs im Land weiter einzuschränken. Im Mai legten die Behörden den Entwurf für ein Gesetz zum Umgang mit ausländischen NGOs zur Überprüfung vor. Falls dieser Entwurf in seiner jetzigen Form angenommen werden sollte, würde dies die Aktivitäten und die Existenz vieler Organisationen gefährden und zudem eine abschreckende Wirkung auf die Zivilgesellschaft in China haben. Das Gesetz würde die Polizei mit weiteren uneingeschränkten Befugnissen im Hinblick auf ausländische NGOs ausstatten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Gesetz dazu missbraucht werden würde, Menschenrechtsverteidiger_innen und ausländische NGOs wegen ihrer legitimen Arbeit zu drangsalieren oder einzuschüchtern. Amnesty International forderte die chinesische Regierung dazu auf, das Gesetz entweder zurückzuziehen oder grundlegend zu verändern, damit es internationalen Menschenrechtsnormen und -standards entspricht. Lesen Sie hierzu auch einen englischen Bericht von Amnesty International unter: https://www.amnesty.org/en/documents/asa17/1776/2015/en/.