Anhaltende Verwaltungshaft

Ahmad Qatamesh

Ahmad Qatamesh

Eine Militärrichterin hat am 19. Mai in nicht öffentlicher Sitzung die gegen den palästinensischen Dozenten Ahmad Qatamesh verhängte Verwaltungshaft von vier Monaten bestätigt. Weder Ahmad Qatamesh noch sein Verteidiger haben bislang in die „Beweisunterlagen“ Einblick nehmen dürfen. Die Haftanordnung läuft am 2. September 2011 aus, kann jedoch beliebig oft erneuert werden.

Appell an:

LEITER DER ISRAELISCHEN STREITKRÄFTE
Major-General Avi Mizrahi
GOC Central Command
Military Post 01149
Battalion 877, Israel Defense Forces
ISRAEL
(korrekte Anrede: Major-General Avi Mizrahi /Sehr geehrter Herr Generalmajor)
Fax: (00 972) 2 530 5741 / (00 972) 2 530 5724

STELLVERTRETENDER MINISTERPRÄSIDENT UND VERTEIDIGUNGSMINISTER
Ehud Barak
Ministry of Defence
37 Kaplan Street, Hakirya
Tel Aviv 61909
ISRAEL
(korrekte Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 972) 3 691 6940 / (00 972) 3 696 2757

GENERALSTAATSANWALT
Yehuda Weinstein
Ministry of Justice
29 Salah al-Din Street
Jerusalem 91010
ISRAEL
(korrekte Anrede: Dear Attorney-General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
Fax: (00 972) 2 628 5438 / (00 972) 2 627 4481

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DES STAATES ISRAEL
S.E. Herrn Yoram Ben Zeev
Auguste-Viktoria-Straße 74–76, 14193 Berlin
Fax: (030) 8904 5555
E-Mail: botschaft@israel.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Hebräisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 13. Juli 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte meine Sorge darüber zum Ausdruck bringen, dass Ahmad Qatamesh aufgrund der friedlichen Äußerung seiner politischen Ansichten in Haft gehalten wird. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, betrachtet Amnesty International ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen und fordert seine sofortige und bedingungslose Freilassung.

  • Ich bitte um die unverzügliche Freilassung von Ahmad Qatamesh, sofern er nicht umgehend einer erkennbar strafbaren Handlung angeklagt und unter Wahrung internationaler Standards in einem fairen Prozess vor Gericht gestellt wird.

  • Ich fordere Sie höflich dazu auf, von dem Gebrauch der Verwaltungshaft abzusehen.

Sachlage

Am 3. Mai erging gegen Ahmad Qatamesh eine Verwaltungshaftanordnung von sechs Monaten. Die Anordnung trug die Unterschrift des im Westjordanland zuständigen Militärbefehlshabers der Israelischen Verteidigungskräfte (Israel Defense Forces – IDF). Sie war vom Israelischen Sicherheitsdienst (Israel Security Agency – ISA) unter Berufung auf unter Verschluss gehaltene „Beweise“ beantragt worden. Der Vorwurf gegen Ahmad Qatamesh lautet, er sei in der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP) tätig. Diesen Vorwurf weist der Palästinenser durchgängig als haltlos zurück.

Die Anordnung für eine Verwaltungshaft muss innerhalb von acht Tagen von der Militärgerichtsbarkeit geprüft werden. Die im Fall von Ahmad Qatamesh zuständige Militärrichterin gab ihre Entscheidung jedoch erst am 19. Mai bekannt. Sie verkürzte die Dauer der Haft von sechs auf vier Monate und räumte ein, die ursprüngliche Haftanordnung vom 3. Mai habe faktische Fehler aufgewiesen. Die Anordnung, so die Richterin, sei gegen einen anderen Gefangenen erlassen worden, man habe darin lediglich einige Daten ausgetauscht, um sie auch gegen Ahmad Qatamesh nutzen zu können. Die Richterin kam zu dem Schluss, dass das Geheimmaterial des ISA die Inhaftierung von Ahmad Qatamesh aus Sicherheitsgründen rechtfertige. Der Verteidiger von Ahmad Qatamesh wird die Entscheidung anfechten. Da ihm jedoch kein Einblick in die unter Verschluss gehaltenen „Beweise“ des ISA gegen seinen Mandanten gewährt wird, dürfte der Erfolg einer solchen Anfechtungsklage gering sein.

Das Verfahren gegen Ahmad Qatamesh war von Verzögerungen durchsetzt. Der Sicherheitsdienst ISA entsandte keinen Vertreter zu einer für den 12. Mai von der Richterin anberaumten Anhörung, in der der ISA seine Geheiminformationen zur Rechtfertigung der Haft von Ahmad Qatamesh hätte offen legen müssen. Erst vier Tage später setzte die Richterin für den 15. Mai eine neue Verhandlung an.

Amnesty International geht davon aus, dass Ahmad Qatamesh ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der ausschließlich wegen der friedlichen Äußerung seiner politischen Ansichten in Haft gehalten wird. Seine Festnahme erfolgte bereits zwölf Tage vor Ausstellung der derzeit gegen ihn anhängigen Verwaltungshaftanordnung. Seitdem sich Ahmad Qatamesh in Haft befindet, ist er bislang ein einziges Mal für rund zehn Minuten einvernommen worden.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte meine Sorge darüber zum Ausdruck bringen, dass Ahmad Qatamesh aufgrund der friedlichen Äußerung seiner politischen Ansichten in Haft gehalten wird. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, betrachtet Amnesty International ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen und fordert seine sofortige und bedingungslose Freilassung.

  • Ich bitte um die unverzügliche Freilassung von Ahmad Qatamesh, sofern er nicht umgehend einer erkennbar strafbaren Handlung angeklagt und unter Wahrung internationaler Standards in einem fairen Prozess vor Gericht gestellt wird.

  • Ich fordere Sie höflich dazu auf, von dem Gebrauch der Verwaltungshaft abzusehen.

[APPELLE AN]

LEITER DER ISRAELISCHEN STREITKRÄFTE
Major-General Avi Mizrahi
GOC Central Command
Military Post 01149
Battalion 877, Israel Defense Forces
ISRAEL
(korrekte Anrede: Major-General Avi Mizrahi /Sehr geehrter Herr Generalmajor)
Fax: (00 972) 2 530 5741 / (00 972) 2 530 5724

STELLVERTRETENDER MINISTERPRÄSIDENT UND VERTEIDIGUNGSMINISTER
Ehud Barak
Ministry of Defence
37 Kaplan Street, Hakirya
Tel Aviv 61909
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(korrekte Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 972) 3 691 6940 / (00 972) 3 696 2757

GENERALSTAATSANWALT
Yehuda Weinstein
Ministry of Justice
29 Salah al-Din Street
Jerusalem 91010
ISRAEL
(korrekte Anrede: Dear Attorney-General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
Fax: (00 972) 2 628 5438 / (00 972) 2 627 4481

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DES STAATES ISRAEL
S.E. Herrn Yoram Ben Zeev
Auguste-Viktoria-Straße 74–76, 14193 Berlin
Fax: (030) 8904 5555
E-Mail: botschaft@israel.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Hebräisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 13. Juli 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern that Ahmad Qatamesh may be a prisoner of conscience, detained solely for the peaceful exercise of his right to freedom of expression, in which case he should be released immediately and unconditionally.

  • Urging the Israeli authorities otherwise to release Ahmad Qatamesh without delay unless he is to be charged with a recognizably criminal offence and promptly tried in accordance with internationally accepted standards for fair trial.

  • Calling on the authorities to put an end the use of administrative detention.

[HINTERGRUNDINFORMATIONEN AUF ENGLISCH]

Ahmad Qatamesh is an academic and writer who has previously criticized both the Israeli authorities and the Palestinian Authority. Arrested by the IDF in 1992 he was held for a year before being placed under administrative detention after a judge had ordered his release on bail. He was eventually released on 15 April 1998.

There are numerous concerns about the procedures followed in Ahmad Qatamesh’s arrest and detention. He was arrested on 21 April at 2am at the house where he was staying in al-Bireh, in Ramallah. The security forces had first gone to his family’s home to arrest him. When they did not find him there they broke down the door of the neighbour’s house to search for him. According to his daughter, they then ordered her at gunpoint to telephone him. His wife told Amnesty International that Ahmad Qatamesh gave the security forces directions to reach the house where he was staying so they could arrest him. She said that during the arrest, the security forces made no attempt to search the contents of either their home or the house where they arrested him.

Before he was handed an administrative detention order on 3 May, a military court official told Ahmad Qatamesh’s lawyer that he would be released at 5pm that day, and a prison officer gave him the same message. The order of 3 May seemed to have been produced for another detainee, since Ahmad Qatamesh’s name was written over correction fluid. The order was for an “extension” of administrative detention even though this was Ahmad Qatamesh’s first administrative detention order since the 1990s. The order also stated that he was an activist in Hamas, an organization with very different political views from those of the PFLP.

Ahmad Qatamesh was arrested by the IDF in 1992, and said he was tortured. He documented his experiences in a publication called I shall not wear your tarboosh [fez]. Over a year later he was placed under administrative detention. Amnesty International members campaigned against his administrative detention.

Administrative detention is an Israeli procedure under which detainees are held without charge or trial for periods of up to six months which are renewable indefinitely. No criminal charges are filed against administrative detainees and there is no intention of bringing them to trial. Detainees are held on the basis of “secret evidence” which the Israeli military authorities claim cannot be revealed for security reasons. Hence the “secret evidence” on which the military authorities base their decision to issue an administrative detention order is not made available to detainees or their lawyers, and detainees cannot challenge the reasons for their detention.

The Israeli authorities have used administrative detention against thousands of Palestinians over several decades, but the number of administrative detainees has decreased over the last three years. In March 2011, 217 Palestinians were being held as administrative detainees, according to Israel Prison Service statistics.

The PFLP is a left-wing Palestinian political party which also has an armed wing. While Ahmad Qatamesh was a political and intellectual supporter of the PFLP in the 1990s, he says he has not been involved with them for 13 years. To Amnesty International’s knowledge, he has never been involved with PFLP-affiliated armed groups or advocated violence.