Foltergefahr
Dr. Mahmoud Al Refaai
© Privat
Am 16. Februar wurde der syrische Kardiologe Dr. Mahmoud Al Refaai im Al-Mouwasat Krankenhaus in der Hauptstadt Damaskus festgenommen. Er soll gefoltert und anderweitig misshandelt worden sein.
Appell an
STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
al-Rashid Street
Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410
INNENMINISTER
His Excellency Major General Mohamad Ibrahim al-Shar
Ministry of Interior
'Abd al-Rahman Shahbandar Street
Damascus
SYRIEN
Fax: (00 963) 11 211 9578
AUßENMINISTER
Walid al-Mu’allim
Ministry of Foreign Affairs
al-Rashid Street
Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 6253
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herr Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de
press@syrianembassy.de
secretary@syrianembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. Juni 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Es bereitet mir große Sorge, dass Dr. Mahmoud Al Refaai seit seiner Festnahme am 16. Februar unter Bedingungen festgehalten wird, die dem Verschwindenlassen gleichkommen. Ich fordere Sie auf, ihm jegliche erforderliche medizinische Versorgung zu gewähren, ihn vor Folter und anderen Misshandlungen zu schützen und ihm sofort Zugang zu seiner Familie und seinem Rechtsbeistand zu verschaffen.
-
Ich bitte Sie, den rechtlichen Status von Dr. Mahmoud Al Refaai darzulegen.
- Ich fordere Sie auf, sofort eine unabhängige und vollständige Untersuchung der Berichte über Folter und andere Misshandlungen von Dr. Mahmoud Al Refaai durchzuführen, und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern that Dr Mahmoud Al Refaai has been held in conditions amounting to enforced disappearance since 16 February 2012 and urging the authorities to ensure that he is provided with all necessary medical care, protected from torture and other ill-treatment and given immediate access to his family and lawyer.
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Asking for clarification of Dr Mahmoud Al Refaai’s legal status.
- Calling on the authorities to set up a prompt, independent and impartial investigation into the reports of torture or other ill-treatment of Dr Mahmoud Al Refaai and to bring those responsible for abuses to justice.
Sachlage
Laut einer örtlichen Quelle, hat ein Mitarbeiter des Krankenhauses die Familie von Dr. Mahmoud Al Refaai über dessen Festnahme informiert. Er gab an, dass Angehörige des syrischen Luftwaffengeheimdienstes den Arzt festgenommen haben. Dies wurde zu einem späteren Zeitpunkt inoffiziell durch eine den Behörden angehörende Kontaktperson bestätigt, die seiner Familie ebenfalls sagte, dass er im Stützpunkt des Luftwaffengeheimdienstes in al-Mezzeh, einem Vorort von Damaskus, festgehalten werde. Als die Familie des Kardiologen dort nach ihm fragte, gab man ihnen keinerlei Informationen über den Verbleib ihres Angehörigen und forderte sie auf, wieder zu gehen.
Amnesty International hat mit einem anderen Arzt gesprochen, der angibt, etwa zur gleichen Zeit wie Dr. Mahmoud Al Refaai festgenommen und in derselben Haftanstalt festgehalten worden zu sein. Er sagte, er habe gesehen, wie Dr. Mahmoud Al Refaai zusammen mit weiteren Häftlingen im Innenhof der Haftanstalt gefoltert worden sei. Unter anderem soll man sie gezwungen haben, in schmerzhaften Positionen zu verharren und viele Stunden nackt zu stehen, während man sie immer wieder mit kalten Wasser überschüttete.
Die Gründe für die Festnahme von Dr. Mahmoud Al Refaai sind unklar. Es ist nicht bekannt, dass es sich bei ihm um einen politischen Aktivisten handelt. Der kürzlich freigelassene Arzt erklärte Amnesty International jedoch, dass seine eigene Festnahme und die anschließende Folter scheinbar mit der medizinischen Versorgung von verletzten Demonstrierenden in Verbindung stand. Er geht davon aus, dass Dr. Mahmoud Al Refaai aus dem selben Grund festgenommen wurde. Sollte dies der Fall sein, würde Amnesty International Dr. Mahmoud Al Refaai als gewaltlosen politischen Gefangenen betrachten und seine sofortige und bedingungslose Freilassung fordern.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Es bereitet mir große Sorge, dass Dr. Mahmoud Al Refaai seit seiner Festnahme am 16. Februar unter Bedingungen festgehalten wird, die dem Verschwindenlassen gleichkommen. Ich fordere Sie auf, ihm jegliche erforderliche medizinische Versorgung zu gewähren, ihn vor Folter und anderen Misshandlungen zu schützen und ihm sofort Zugang zu seiner Familie und seinem Rechtsbeistand zu verschaffen.
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Ich bitte Sie, den rechtlichen Status von Dr. Mahmoud Al Refaai darzulegen.
- Ich fordere Sie auf, sofort eine unabhängige und vollständige Untersuchung der Berichte über Folter und andere Misshandlungen von Dr. Mahmoud Al Refaai durchzuführen, und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
[APPELLE AN]
STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
al-Rashid Street
Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410
INNENMINISTER
His Excellency Major General Mohamad Ibrahim al-Shar
Ministry of Interior
'Abd al-Rahman Shahbandar Street
Damascus
SYRIEN
Fax: (00 963) 11 211 9578
AUßENMINISTER
Walid al-Mu’allim
Ministry of Foreign Affairs
al-Rashid Street
Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 6253
KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herr Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de
press@syrianembassy.de
secretary@syrianembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. Juni 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Der bereits wieder freigelassene Arzt sagte, dass er einen weiteren Arzt aus Damaskus im Stützpunkt des Luftwaffengeheimdienstes gesehen habe. Es handelt sich dabei um Dr. Osama Al-Baroudi, der am 18. Februar unter ähnlichen Umständen festgenommen worden sein soll. Es scheint, dass der Grund für seine Festnahme ebenfalls die Behandlung von verletzten Demonstrierenden war. Der Arzt erklärte Amnesty International weiterhin, dass er sowohl Dr. Mahmoud Al Refaai als auch Dr. Osama Al-Baroudi in schmerzhaften Positionen, wie der Shabeh-Position, gesehen habe. Bei der Shabeh-Position werden die Folteropfer an den gefesselten Hand- oder Fußgelenken an einem Haken aufgehängt. Offensichtlich zwang man sie außerdem über längere Zeit nackt im Innenhof der Haftanstalt zu stehen, während man sie in regelmäßigen Abständen mit kaltem Wasser übergoss. Amnesty International wurde weiterhin berichtet, dass der Großteil der Hafträume nur 2 mal 1,7 Meter groß seien, jedoch 10 bis 15 Menschen darin festgehalten werden.
Die Demonstrationen für Reformen in Syrien begannen im Februar 2011 und entwickelten sich im März, nachdem erstmals TeilnehmerInnen getötet worden waren, zu Massenprotesten. Obwohl die Demonstrationen weitgehend friedlich verliefen, reagierten die Behörden in ihrem Bestreben, die Proteste niederzuschlagen, mit großer Brutalität. Seitdem finden zwar auch weiterhin friedliche Demonstrationen statt, zunehmend nehmen die Proteste aber auch gewalttätige Züge an. Bewaffnete Oppositionsgruppen, von denen sich viele unter dem Namen "Freie Syrische Armee" in einem losen Verbund zusammen geschlossen haben, verüben Anschläge, die sich in erster Linie gegen die syrischen Sicherheitskräfte richten. Amnesty International verfügt über die Namen von mehr als 8500 Menschen, die Berichten zufolge seit Mitte März 2011 im Zusammenhang mit den Demonstrationen gestorben sind oder getötet wurden. Auch Angehörige der Sicherheitskräfte sind getötet worden, einige von abtrünnigen Soldaten, die ihre Waffen nun gegen die Regierung einsetzen.
In den vergangenen zwölf Monaten sind tausende mutmaßliche GegnerInnen der syrischen Regierung festgenommen und viele von ihnen, vermutlich sogar die Mehrzahl, gefoltert und anderweitig misshandelt worden. Amnesty International liegen die Namen von mehr als 330 Menschen vor, die Berichten zufolge in dieser Zeit in Haft gestorben sind. Die Organisation hat außerdem zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Häftlinge gefoltert oder anderweitig misshandelt wurden. Für weitere Informationen zu Fällen von Folter und anderen Misshandlungen von syrischen Häftlingen, siehe den englischen Bericht: "I wanted to die": Syria’s torture survivors speak out, März 2012, http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE24/016/2012/en. Amnesty International liegen zudem zahlreiche Berichte über offensichtliche Fälle des Verschwindenlassen vor, in denen die syrische Regierung den Familienangehörigen keinerlei Informationen über den Verbleib der "verschwundenen" Personen zukommen ließ. In den meisten dieser Fälle sollen die Festnahmen von Sicherheitskräften ausgeführt worden sein.
Die syrische Regierung hat zwar am 27. März 2012 den von Kofi Annan, dem Sondergesandten der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien, vorgelegten Sechs-Punkte-Plan sowie das Waffenstillstandsabkommen vom 12. April akzeptiert, gleichwohl gehen bei Amnesty International auch weiterhin Meldungen über Festnahmen und anhaltende Inhaftierungen ein. Die Bedingungen, unter denen Menschen in Syrien in Haft gehalten werden, kommen dem Verschwindenlassen gleich.
Amnesty International hat bereits Menschenrechtsverletzungen an Verletzten und MedizinerInnen in einigen syrischen Krankenhäusern dokumentiert. Für weitere Informationen siehe den englischen Bericht: Health crisis: Syrian government targets the wounded and health workers, http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE24/059/2011/en.
Seit April 2011 dokumentiert Amnesty International in Syrien systematische und weit verbreitete Menschenrechtsverletzungen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. Die Organisation ruft seither dazu auf, die Situation in Syrien der Anklagebehörde des Internationalen Strafgerichtshof zu unterbreiten, ein internationales Waffenembargo gegen das Land zu verhängen und die Vermögenswerte von Präsident al-Assad und seinen engsten Vertrauten einzufrieren.