Hinrichtungstermin 7. Mai
Häftling im Todestrakt in Pontiac, Illinois
© APGraphicsBank
Willie Manning soll am 7. Mai im US-Bundesstaat Mississippi hingerichtet werden. Er wurde 1994 für schuldig befunden, 1992 zwei Morde begangen zu haben, und zum Tode verurteilt. Er selbst beteuert seine Unschuld und hat ein Gnadengesuch eingereicht und zumindest die Aussetzung der Hinrichtung beantragt, damit ein DNA-Test und andere Überprüfungen der Beweislage vorgenommen werden können. Seine AnwältInnen machen zudem geltend, dass die Staatsanwaltschaft bei der Auswahl der Geschworenen rassistisch motiviert gehandelt hat.
Appell an
GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES MISSISSIPPI
Governor Phil Bryant
P.O. Box 139
Jackson
MS 39205
USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: 001 601 359 3741
E-Mail: http://www.governorbryant.com/contact/
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2, 10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.
Sachlage
Tiffany Miller und Jon Steckler, die beide an der Mississippi State University studierten, wurden am frühen Morgen des 11. Dezember 1992 in Oktibbeha County (Mississippi) ermordet. Willie Manning wurde 1994 vor Gericht gestellt und der beiden Morde für schuldig befunden. In der Phase des Gerichtsverfahrens, in der das Strafmaß festgesetzt wird, hielt der Verteidiger von Willie Manning kein Eröffnungsplädoyer und lud lediglich zwei Zeuginnen vor, die Mutter und die Tante des Angeklagten. Der Oberste Gerichtshof von Mississippi hielt den Schuldspruch und das Todesurteil 1998 aufrecht und wies die Einwände zurück, der Angeklagte sei bei der Festsetzung des Strafmaßes nicht angemessen rechtlich vertreten worden.
Im Jahr 2009 wies ein US-Bundesrichter das von Willie Manning eingelegte Rechtsmittel zurück, in dem unter anderem vorgebracht worden war, die Anklage habe sich rassistisch diskriminierend verhalten, indem sie Afro-AmerikanerInnen bei der Auswahl der Geschworenen überproportional ausgeschlossen habe. Willie Manning ist schwarz, die beiden Mordopfer waren weiß. Ursprünglich standen für die Besetzung der Jury 85 Personen zur Verfügung, 28 von ihnen waren schwarze US-AmerikanerInnen. Der zwölfköpfigen Jury gehören schließlich aber nur zwei Schwarze an. Der Bundesrichter kam zu dem Schluss, dass Willie Manning nicht belegen konnte, dass der Ausschluss von Afro-AmerikanerInnen bei der Besetzung der Jury rassistisch motiviert war. Zudem wies der Richter den Vorwurf zurück, Willie Manning sei benachteiligt worden, weil sein Verteidiger die von Armut, Entbehrungen, elterlicher Vernachlässigung und häuslicher Gewalt geprägte Kindheit des Angeklagten sowie andere Probleme weder untersucht noch als strafmildernde Faktoren eingebracht hatte. Die im Verfahren möglichen Rechtsmittel – bis auf ein Gnadengesuch – waren am 25. März erschöpft, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA (US Supreme Court) die Prüfung des Falles abgelehnt hatte.
Zusätzlich zu dem Gnadengesuch haben die AnwältInnen von Willie Manning einen Hinrichtungsaufschub beantragt, um DNA-Tests und andere kriminaltechnische Untersuchungen der Beweise im Zusammenhang mit den beiden Morden zu ermöglichen. Am 25. April lehnte der Oberste Gerichtshof von Mississippi den Antrag mit 5 zu 4 Stimmen ab. Die fünf RichterInnen erklärten, dass den Geschworenen "umfassende und überwältigende Beweise für die Schuld" des Angeklagten vorgelegt worden seien. Die vier RichterInnen, die sich mit ihrer Auffassung nicht durchsetzen konnten, waren der Überzeugung, dass nicht nur die Tests durchgeführt werden sollten, sondern auch das Verhalten der Anklagebehörde bei der Auswahl der Geschworenen einer Prüfung unterzogen werden müsse. Die unterlegenen RichterInnen erklärten, dass "die von der Anklage angegebenen Gründe" für den Ausschluss bestimmter Afro-AmerikanerInnen bei der Besetzung der Jury "mit großer Wahrscheinlichkeit vorgeschoben" waren und "die Fakten auf ein Muster rassistisch motivierter Diskriminierung durch die Anklage hindeuteten, das unzulässig" sei. Die RichterInnen, die die Minderheitsmeinung vertraten, sagten außerdem, dass die vorherige Prüfung dieser Fragen durch das Gericht "sehr oberflächlich" gewesen sei.
[SCHREIBEN SIE BITTE ]
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich möchte die Schwere des Verbrechens, das Willie Manning zur Last gelegt wird, in keiner Weise verharmlosen.
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Hiermit bitte ich Sie, die Hinrichtung zu stoppen und die Begnadigung von Willie Manning zu veranlassen.
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Ich möchte darauf hinweisen, dass der Oberste Gerichtshof von Mississippi im Rechtsmittelverfahren eine sehr knappe Entscheidung getroffen hat, wobei die vier unterlegenen RichterInnen einem DNA-Test zugestimmt haben und sich sehr besorgt über mögliche rassistische Diskriminierungen bei der Geschworenenauswahl durch die Anklagebehörde zeigten.
- Bitte setzen Sie sich für einen DNA-Test ein.
[APPELLE AN]
GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES MISSISSIPPI
Governor Phil Bryant
P.O. Box 139
Jackson
MS 39205
USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: 001 601 359 3741
E-Mail: http://www.governorbryant.com/contact/
KOPIEN AN
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S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2, 10117 Berlin
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Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.
[HINTERGRUNDINFORMATIONEN AUF ENGLISCH]
Amnesty International opposes the death penalty unconditionally, in all countries and in all cases, regardless of the crime, and regardless of questions of guilt or innocence. The capital justice system in the USA is marked by both discrimination and error, in addition to the inevitable cruelty of this punishment abandoned by a majority of countries.
In 1990, just four years before Willie Manning’s trial, the US General Accounting Office reported to the US Senate and House Committees on the Judiciary that existing research showed "a pattern of evidence indicating racial disparities in the charging, sentencing, and imposition of the death penalty" under capital statutes passed after 1972. In 82 per cent of the 28 studies it reviewed, "race of victim was found to influence the likelihood of being charged with capital murder or receiving the death penalty, i.e., those who murdered whites were found to be more likely to be sentenced to death than those who murdered blacks. This finding is remarkably consistent across data sets, states, data collection methods, and analytic techniques". Studies conducted since then have continued to point to race as a factor in capital sentencing. Blacks and whites are the victims of murder in approximately equal numbers, yet some 78 per cent of the more than 1,300 prisoners put to death in the USA between 1977 and 2013 were convicted of killing white victims.
Under a 1986 Supreme Court decision, Batson v Kentucky, prospective jurors can only be removed at jury selection for "race neutral" reasons. At Willie Manning’s trial, his current lawyers argue, the prosecutor dismissed six prospective black jurors for reasons that were not "race neutral". For example, the prosecutor said that three of them were dismissed because they read "liberal publications", referring to Jet and Ebony which had primarily an African American readership. The dissenting opinion of the Mississippi Supreme Court in Willie Manning’s case on 25 April 2013 argued that to accept the prosecutor’s reason as lacking pretext "absolutely strains credulity. Indeed, it is about as preposterous as suggesting that a judge who reads the American Bar Association Journal should be disqualified from sitting on civil or criminal appeals".
Meanwhile, numerous errors continue to be revealed in death penalty cases. Since 1973, more than 140 prisoners have been released from death rows around the country on the grounds of innocence. DNA testing has played a substantial role in the exoneration of the prisoner in 18 of those cases. On 30 April, the Mississippi Innocence Project and the Innocence Project New Orleans filed a brief in support of Willie Manning’s request for the Mississippi Supreme Court to reconsider its 25 April refusal to order DNA testing. In their brief, the organizations state that while they take no position on his guilt or innocence, their experience from other criminal cases in Mississippi in which prisoners were exonerated using DNA testing demonstrated that "Mr Manning’s case is exactly the kind of case where DNA testing could prove innocence or confirm guilt", contrary to what the majority on the Mississippi Supreme Court had concluded in the 5-4 denial of Willie Manning’s request for DNA testing.
Executions resumed in the USA in 1977 after the US Supreme Court approved revised capital statutes in 1976. There have been 1,330 executions in the USA since then, 21 of them in Mississippi. There have been 10 executions in the USA so far this year. On 2 May, the governor of Maryland signed into law a bill abolishing the death penalty in his state, making Maryland the 18th abolitionist state in the USA (see http://www.amnesty.org/en/news/usa-maryland-joins-global-trend-against-death-penalty-2013-05-02). A statement from Governor Martin O’Malley and legislative leaders said: "With the legislation signed today, Maryland has effectively eliminated a policy that is proven not to work. Evidence shows that the death penalty is not a deterrent, it cannot be administered without racial bias, and it costs three times as much as life in prison without parole. Furthermore, there is no way to reverse a mistake if an innocent person is put to death…"
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Acknowledging the seriousness of the crime for which Willie Manning was sentenced to death.
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Calling for the execution to be stopped and clemency granted.
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Noting the split decision on the state Supreme Court, with four judges saying they would allow DNA testing and raising serious questions about possible racial discrimination by the prosecutor at jury selection.
- Calling for the state to allow DNA testing to be conducted.