Troy Davis hingerichtet

Weltweit protestieren Tausende gegen die Hinrichtung von Troy Davis

Weltweit protestieren Tausende gegen die Hinrichtung von Troy Davis

Troy Davis wurde 1991 für den Mord an einem Polizeibeamten zum Tode verurteilt und saß seitdem im Todestrakt. Er starb trotz erheblicher Zweifel an seiner Schuld am 21. September durch die Injektion eines tödlichen Giftes im Staatsgefängnis von Georgia.

Sachlage

Mit seinen letzten Worten bevor ihm die Giftspritze verabreicht wurde, beteuerte der US-Amerikaner abermals seine Unschuld und bat seine Freunde und Familienangehörigen "seinen Kampf weiterzuführen". Vor seinem Tod übermittelte er Amnesty International Mitgliedern folgende Nachricht: "Der Kampf um Gerechtigkeit endet nicht mit mir. Dieser Kampf ist für alle anderen Troy Davise, diejenigen, die vor mir kamen und die, die nach mir kommen werden. Ich bin guter Dinge, bete und habe meinen Frieden gefunden. Doch ich werde bis zum letzten Atemzug kämpfen".

Alle Anträge auf einen Aufschub der Hinrichtung, die Troy Davis’ Anwalt bis zur letzten Minute beim Obersten Gerichtshof von Georgia sowie dem Obersten Gerichtshof der USA eingereicht hatte, wurden abgelehnt. Der Oberste Gerichtshof von Georgia lehnte den Antrag kurz vor dem geplanten Zeitpunkt der Hinrichtung um 19.00 Uhr Ortszeit ab. Der Oberste US-Gerichtshof schob die Hinrichtung kurzzeitig auf, um den Antrag des Anwalts zu prüfen und lehnte diesen später kommentarlos ab. Dies führte zu einem vierstündigen Aufschub der Exekution.

Am 19. September hatte der Begnadigungsausschuss des Bundesstaates Georgia Troy Davis’ Antrag auf Begnadigung abgelehnt mit dem Kommentar: "Die Mitglieder des Begnadigungssausschusses haben ihre Verantwortung nicht auf die leichte Schulter genommen und verstehen all die Emotionen, die im Fall einer Hinrichtung aufkommen. Der Ausschuss hat die Gesamtheit an Informationen, die in diesem Fall präsentiert wurden, miteinbezogen und gründlich darüber beratschlagt und wir sind letztlich zu dem Schluss gekommen, die Begnadigung abzulehnen". Spätere Anträge, die Entscheidung zu überdenken, wurden vom Begnadigungsausschuss abgelehnt.

Am Nachmittag des 21. September wurde Troy Davis’ Antrag auf einen Lügendetektortest abgelehnt. Seine Anwälte berichteten, dass Troy Davis gehofft hatte, den Begnadigungsausschuss durch einen Lügendetektortest von einer erneuten Prüfung seines Antrags auf Begnadigung überzeugen zu können.

Troy Davis wurde 1991 für schuldig befunden, zwei Jahre zuvor in Savannah den Polizisten Mark Allen MacPhail ermordet zu haben. Die Staatsanwaltschaft stützte das Verfahren gegen Troy Davis weitgehend auf die Aussagen von ZeugInnen. Seit Ende des Prozesses haben sieben der neun HauptbelastungszeugInnen ihre damaligen Aussagen zurückgezogen oder abgeändert. Einige von ihnen geben an, seinerzeit von der Polizei unter Druck gesetzt worden zu sein.

Seit Troy Davis im Todestrakt saß, wurden mehr als 90 Gefangene in US-amerikanischen Todeszellen freigelassen, weil sie für unschuldig befunden wurden. In all diesen Fälle wurden die Gefangenen zuvor über jeden vernünftigen Zweifel erhaben für schuldig befunden.

In diesem Jahr wurden 35 Hinrichtungen in den USA vollstreckt und 4 davon fanden in Georgia statt. Nachdem fast 10 Jahre lang keine Todesurteile vollstreckt worden waren, wurden seit der Wiederaufnahme von Exekutionen im Jahr 1977 1.266 Hinrichtungen in den USA vollzogen, wobei 52 davon im Bundesstaat Georgia stattfanden.

Amnesty International lehnt die Todesstrafe in allen Fällen bedingungslos ab.

Vielen Dank allen, die versucht haben, die Hinrichtung zu verhindern.