Bevorstehende Hinrichtung
Donald Gilson soll am 5. Mai 2009 im US-Bundesstaat Oklahoma hingerichtet werden. Er war 1998 in Verbindung mit dem Tod des achtjährigen Sohnes seiner Freundin im Jahr 1995 wegen Mordes zum Tode verurteilt worden. Beim Schuldspruch fand das nur in Oklahoma geltende Gesetz über "schweren Mord" Anwendung. Dieses lässt die Verhängung der Todesstrafe zu, wenn ein Fall von Kindesmisshandlung mit dem Tod des Kindes endet. Hierbei ist es gleichgültig, ob der Täter die Absicht hatte, das Kind zu töten oder nicht. Der Begnadigungsausschuss in Oklahoma hat sich für eine Begnadigung ausgesprochen. Die Empfehlungen des Ausschusses sind jedoch nicht bindend für Governeur Brad Henry.
Appell an
GOUVERNEUR VON OKLAHOMA
Governor Brad Henry
State Capitol Building, 2300 N. Lincoln Blvd., Room 212
Oklahoma City, OK 73105, USA
(korrekte Anrede: Dear Governor)
Fax: (001) 405 521 3353
E-Mail: über: http://www.gov.ok.gov/message.php
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Herrn John Monroe Koenig
Gesandter-Botschaftsrat (Geschäftsträger a.i.)
Pariser Platz 2, 10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.
PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE, IN YOUR OWN WORDS:
-
explaining that you are not seeking to excuse the manner of Shane Coffman’s death;
-
noting that the extent of Donald Gilson’s culpability in the death of Shane Coffman remains unclear;
-
noting that a number of state and federal judges have dissented in this case, and that six judges on the 10th Circuit voted to rehear the question of whether the jury should have been instructed on a lesser offence;
-
noting that the trial judge and a number of jurors have expressed their concern about the disparity in sentencing of the two defendants;
-
welcoming the recommendation for clemency by the Pardon and Parole Board;
- urging Governor Henry to commute Donald Gilson’s death sentence.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE
-
erklären, dass sie auf keinen Fall die Art und Weise entschuldigen möchten, wie Shane Coffman zu Tode kam;
-
anmerken, dass die Schwere von Donald Gilsons Schuld am Tod von Shane Coffman nicht eindeutig geklärt ist;
-
darauf hinweisen, dass einige Richter mit dem Ausgang dieses Falls nicht einverstanden sind, und dass sechs Richter des Berufungsgerichts dafür gestimmt haben, zu prüfen, ob man die Geschworenen über die Möglichkeit eines milderen Urteils hätte informieren müssen;
-
darauf hinweisen, dass der Richter des Verfahrens und einige Geschworenen ihre Sorge über die ungleichen Strafen der beiden Angeklagten ausgedrückt haben;
-
die Begnadigungsempfehlung des Begnadigungsausschusses begrüßen;
- Gouverneur Henry auffordern, Donald Gilsons Todesurteil umzuwandeln.
Sachlage
Am 9. Februar 1996 fand man die sterblichen Überreste des achtjährigen Shane Coffman in einer alten Tiefkühltruhe neben dem früheren Wohnwagen seiner Mutter, Bertha Jean Coffman. Als man die Leiche fand, lebte Bertha Coffman mit Donald Gilson und ihren vier anderen Kindern in dessen Wohnwagen. Zwei der Kinder waren unterernährt und abgemagert. Alle Kinder wurden in die Obhut der Behörden gegeben und beide Erwachsenen festgenommen. Untersuchungen zufolge starb Shane Coffman am 17. August 1995, die Todesursache konnte jedoch nicht festgestellt werden. Mehrere seiner Knochen waren gebrochen.
Bertha Coffman und Donald Gilson wurden beide des schweren Mordes durch Kindesmisshandlung angeklagt. Im August 2007 plädierte Bertha Coffman jedoch auf schuldig und verhinderte so, dass sie zum Tode verurteilt wurde. Die Verkündung des Strafmaßes wurde aufgeschoben bis nach ihrer Zeugenaussage im Verfahren gegen Donald Gilson. Danach wurde sie zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit einer Strafaussetzung zur Bewährung verurteilt. Donald Gilson wurde 1998 vor Gericht gestellt.
Laut der Gesetzgebung in Oklahoma kann eine Person des schweren Mordes für schuldig befunden werden, wenn ein Kind an den Folgen von "vorsätzlicher oder böswilliger Versehrung, Folter, Verstümmelung oder unverhältnismäßiger Gewaltanwendung" durch die/den Angeklagte/n stirbt, oder wenn sie/er irgendeine dieser Handlungen gegen das Kind "vorsätzlich verursacht, herbeiführt oder zulässt". Für die Geschworenen bei Gilsons Verhandlung wurde "vorsätzlich" definiert als "die Bereitschaft, die besagte Handlung oder Unterlassung zu begehen, selbst ohne die Absicht, gesetzeswidrig zu handeln oder einen Vorteil zu erzielen". "Zulassen" wurde definiert als "die Betreuung eines Kindes gestatten, wenn man weiß oder vernünftigerweise wissen sollte", dass das Kind in Gefahr ist, misshandelt zu werden.
Die Geschworenen wurden angewiesen, dass sie dem Urteil "schwerer Mord" einstimmig zustimmen, sich hinsichtlich der Gründe für die Urteilsfindung jedoch nicht einig sein müssten. Auf dem Formular für die Geschworenen hatten diese die Möglichkeit, eine der folgenden Aussagen anzukreuzen: Dass sie einstimmig der Meinung waren, dass Gilson das Kind direkt misshandelt hatte, was zum Tod des Kindes führte; dass sie einstimmig der Meinung waren, dass er Mord durch Kindesmisshandlung "zugelassen" hatte; oder dass sie "sich über die Gründe zur Urteilsfindung uneins waren". Sie kreuzten die letzte Aussage an. Einer der Geschworenen hat seitdem eidesstattlich ausgesagt, dass die meisten Geschworenen Donald Gilson nicht als handelnden Täter begriffen, und dass sie der Meinung gewesen waren, dass "zulassen" lediglich bedeute, nicht einzugreifen, und sich somit auch nicht aktiv an der Tat zu beteiligen.
Donald Gilsons Anwalt zufolge haben einige Geschworenen das Todesurteil kritisiert angesichts der Tatsache, dass Bertha Coffman eine lebenslange Haftstrafe erhielt. Im Gerichtsentscheid zu dem Fall im April 2008 merkte das zuständige US-Bundesberufungsgericht des 10. Bezirks an, dass "kein zweites Gesetz über schweren Mord gefunden werden konnte, das dem von Oklahoma ähnelt". Im November 2008 legten Gilsons Anwälte Rechtsmittel vor dem Obersten US-Gerichtshof (Supreme Court) ein, da er wohl die einzige Person in der Geschichte der USA sei, die aufgrund des "Zulassens" eines Mordes zum Tode verurteilt worden ist. Im Februar 2009 erklärte der Oberste Gerichtshof die Rechtsbeschwerde für abgelehnt.
Als Donald Gilsons Schuldspruch und Verurteilung zum Tode im Jahr 2000 vom Berufungsgericht in Oklahoma bestätigt wurde, vertrat einer der Richter eine abweichende Meinung. Richter Charles Chapel erklärte, dass er die Verurteilung zum Tode nicht bestätigen könne, da "die/der Angeklagte neben dem Wissen um und der Zulassung von einer Straftat eine gewisse Selbstschuld haben muss, bevor der Staat die Todesstrafe verhängen darf". Richter Chapel führte auch aus, dass der Richter des Verfahrens einen Fehler gemacht hatte, indem er den Geschworenen nicht erklärt habe, dass sie Donald Gilson auch eines anderen Vergehens als schweren Mordes für schuldig befinden konnten.
Ein dreiköpfiges Richtergremium (three-judge panel) des 10. Bundesberufungsgerichts bestätigte im April 2008 Donald Gilsons Schuldspruch und Verurteilung zum Tode. Der vorsitzende Richter Robert Henry stimmte nicht zu, da "es im Verfahren Beweise dafür gab, dass Herr Gilson den Jungen Shane an dessen Todestag in keiner Weise misshandelt hat, und dass Gilson während der Misshandlungen mit Todesfolge schlafend auf dem Sofa lag". Er wies auch darauf hin, dass Bertha Coffman stets behauptet hatte, dass Gilson den Jungen an dessen Todestag und den Tagen zuvor nicht misshandelt hatte. Er erklärte außerdem, dass man die Geschworenen hätte informieren müssen, dass sie auch ein Urteil über fahrlässige Tötung mit bedingtem Vorsatz fällen können.
Gilsons Anwälte beantragten eine erneute Anhörung vor dem gesamten Berufungsgericht des 10. Bezirks. Dies wurde abgelehnt – mit acht zu vier Stimmen hinsichtlich der Prüfung der Frage, ob die Strafe verhältnismäßig sei, und mit sechs zu sechs Stimmen hinsichtlich der Anweisungen für die Geschworenen.
Am 14. April 2009 stimmte der Begnadigungsausschuss in Oklahoma mit drei zu zwei Stimmen dafür, dass Governeur Brad Henry das Todesurteil von Donald Gilson umwandeln solle. Einer von ihnen war der Richter des Verfahrens, der sagte, dass die Beweislage die Todesstrafe nicht rechtfertigen würde. Dem Ausschuss wurden auch von Experten Nachweise über einen Hirnschaden vorgelegt, den Donald Gilson 1993 als Folge eines beinahe tödlichen Autounfalls erlitt. Er verlor 30-40% der Kapazität seiner rechten Stirn- und Schläfenlappen. Was noch wichtiger ist: Donald Gilson erlitt 25-30% Verlust der Gehirnkapazität in dem Bereich, der für ausführende Tätigkeiten zuständig ist. Das ist der Teil des Gehirns, der für die Entscheidungsfindung verantwortlich ist. Diese Informationen waren den Geschworenen des Verfahrens nicht vorgelegt worden.
Seit im Jahr 1977 in den USA die Hinrichtungen wieder aufgenommen wurden, erfolgten dort 1158 Hinrichtungen, 89 davon in Oklahoma. 2009 gab es in den USA bisher 22 Hinrichtungen, eine davon in Oklahoma.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
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darauf hinweisen, dass der Richter des Verfahrens und einige Geschworenen ihre Sorge über die ungleichen Strafen der beiden Angeklagten ausgedrückt haben;
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- Gouverneur Henry auffordern, Donald Gilsons Todesurteil umzuwandeln.
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noting that a number of state and federal judges have dissented in this case, and that six judges on the 10th Circuit voted to rehear the question of whether the jury should have been instructed on a lesser offence;
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noting that the trial judge and a number of jurors have expressed their concern about the disparity in sentencing of the two defendants;
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- urging Governor Henry to commute Donald Gilson’s death sentence.