Gefangener braucht Herz-OP

Sabri Hassanpour, niederländisch-iranischer Staatsangehöriger, befindet sich im Evin-Gefängnis in Teheran

Sabri Hassanpour, niederländisch-iranischer Staatsangehöriger, befindet sich im Evin-Gefängnis in Teheran

Dem niederländisch-iranischen Staatsangehörigen Sabri Hassanpour wird eine dringend nötige Herzoperation von den iranischen Behörden verweigert. Er befindet sich seit seiner Festnahme am 19. April 2016 im Evin-Gefängnis in Teheran. Im November 2016 hatte er im Gefängnis einen Herzinfarkt.

Appell an:

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT Ayatollah Sadegh Larijani c/o Public Relations Office Number 4, Deadend of 1 Azizi Above Pasteur Intersection Vali Asr Street Tehran IRAN (Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

GENERALSTAATSANWALT VON TEHERAN Abbas Ja’fari Dolat Abadi Office of the General and Revolutionary Prosecutor Corner (Nabsh-e) of 15 Khordad Square Tehran IRAN (Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

Sende eine Kopie an:

PRÄSIDENT Hassan Rouhani The Presidency Pasteur Street, Pasteur Square Tehran IRAN

 

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN S. E. Herrn Ali Majedi Podbielskiallee 65-67 14195 Berlin Fax: 030-8435 3535 E-Mail: info@iranbotschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 9. Juni 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Lassen Sie Sabri Hassanpour bitte umgehend und bedingungslos frei, da er nur wegen der friedlichen Wahrnehmung seiner Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit im Rahmen seiner politischen Aktivitäten inhaftiert ist.

  • Stellen Sie bitte sicher, dass er umgehend und bis zu seiner Freilassung Zugang zu fachärztlicher medizinischer Betreuung außerhalb des Gefängnisses erhält. Ihm dieses Recht zu verweigern, könnte Folter oder anderer Misshandlung gleichkommen. Beenden Sie auch die Praxis, von den Gefangenen die Übernahme der Kosten ihrer medizinischen Behandlung zu verlangen, da dies gegen das Völkerrecht verstößt.

  • Bitte gestatten Sie ihm regelmäßigen Zugang zu seiner Familie und einem Rechtsbeistand seiner Wahl.

  • Gewähren Sie ihm bitte auch die Unterstützung des niederländischen Konsulats.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Release Sabri Hassanpour immediately and unconditionally if he is being held solely for the peaceful exercise of his rights to freedom of expression and association through his political activities.

  • Ensure that, pending his release, he is granted immediate access to specialized medical care outside of prison, the denial of which could amount to torture or other ill-treatment, and end the practice of requiring prisoners to pay for their medical treatment, which violates international law.

  • Allow him regular access to his family and a lawyer of his own choosing.

  • Grant him access to Dutch consular assistance.

Sachlage

Der 60-Jährige niederländisch-iranische Staatsangehörige Sabri Hassanpour ist seit über einem Jahr im Evin-Gefängnis inhaftiert. Er ist schwer krank. Er erlitt am 15. November 2016 in Haft einen Herzinfarkt und wurde in ein Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses gebracht, wo eine Kardiologin ihm sagte, er benötige dringend eine Operation am offenen Herzen. Er hatte eine Vorerkrankung des Herzens, deretwegen er bereits mehrere arterienerweiternde Operationen am Herzen hatte. Zurzeit hat er ständig Schmerzen in der Brust und in der Herzgegend. Seine Mithäftlinge haben ihn bereits mehrmals in die Gefängnisklinik gebracht, doch die Ärzt_innen dort behandeln ihn nur mit intravenösen Flüssigkeiten und schicken ihn dann zurück in die Zelle zurück. Mehrmals ist er im Gefängnis bewusstlos zusammengebrochen. Die Behörden haben ihm mitgeteilt, dass er die Herzoperation selbst bezahlen muss, woraufhin er erklärt hat, dass er sich die Operation nicht leisten kann. Das verstößt gegen das Völkerrecht, in dem festgeschrieben ist, dass der Staat die medizinische Versorgung aller seiner Häftlinge kostenfrei und ohne Diskriminierung zu tragen hat.

Sabri Hassanpour wurde am 19. April 2016 von den Revolutionsgarden in der Wohnung seiner Schwester in Teheran festgenommen. Das war zwei Wochen nachdem er das erste Mal seit 30 Jahren wieder in den Iran gereist war. Die Beamt_innen gaben keine Gründe für seine Festnahme an. Sie brachten ihn in das Evin-Gefängnis, wo er im Trakt 2A zwei Monate lang in Einzelhaft festgehalten wurde. Während dieser Zeit hatte seine Familie keine Informationen über seinen Verbleib und er hatte keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand, obwohl er wiederholt verhört wurde. Während der Verhöre wurde er unter Druck gesetzt, schriftliche Aussagen zu unterschreiben. Er weigerte sich jedoch, dies zu tun. Abgesehen von einem kurzen Treffen mit seinem Rechtsbeistand im Oktober 2016 hatte Sabri Hassanpour keinen rechtlichen Beistand. Im November 2016 wurde er in der Abteilung 15 des Revolutionsgerichts in Teheran vor Gericht gestellt. Dort brach er nach einer mündlichen Auseinandersetzung mit dem Richter zusammen. Seither wurde keine weitere Anhörung angesetzt.

Die Vorwürfe gegen Sabri Hassanpour sind Amnesty International nicht klar. Sie könnten jedoch mit seinen politischen Aktivitäten in den Niederlanden zu tun haben, bei denen er für eine politische Veränderung im Iran und dabei auch für die Trennung von Religion und Staat eintritt. Er ist der Geschäftsführer und Moderator des in den Niederlanden ansässigen persischsprachigen Online-Netzes Sima-ye Rahayi (Vision der Befreiung), in dem er Kritik an den iranischen Behörden und dem System der Islamischen Republik übt.