Gerichtsverfahren gegen Zeug_innen

Eine Auswahl von zehn von Amnesty-Aktivisten und Unterstützer gestalteten Nofretete-Bannern

Eine Auswahl von zehn von Amnesty-Aktivisten und Unterstützer gestalteten Nofretete-Bannern

In Ägypten stehen 17 Personen, unter ihnen die Menschenrechtsverteidigerin Azza Soliman, die als Augenzeug_innen im Fall der Tötung einer friedlichen Demonstrationsteilnehmerin ausgesagt haben, vor Gericht. Die Tat ereignete sich, als Sicherheitskräfte eine Protestkundgebung gewaltsam auflösten. Die erste Anhörung ist am 9. Mai. Den Angeklagten drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

Appell an

STAATSANWALT
Hesham Mohamed Zaki Barakat
Office of the Public Prosecutor
Supreme Court House, 1 "26 July" Road
Cairo
ÄGYPTEN
(Anrede: Dear Counsellor / Sehr geehrter Herr Staatsanwalt)
Fax: (00 202) 2 577 4716 oder (00 202) 2 575 7165 (MEZ+1)

PRÄSIDENT
Abdel Fattah al-Sisi
Office of the President, Al Ittihadia Palace
Cairo
ÄGYPTEN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 202) 2 391 1441
E-Mail: p.spokesman@op.gov.eg oder moh_moussa@op.gov.eg

Sende eine Kopie an

STELLVERTRETENDE BEAUFTRAGTE FÜR MENSCHENRECHTE IM AUSSENMINISTERIUM
Mahy Hassan Abdel Latif
Ministry of Foreign Affairs
Corniche al-Nil
Cairo
ÄGYPTEN
Fax: (00 202) 2 574 9713

BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
S. E. Herrn Mohamed Abdelhamid Ibrahim Higazy
Stauffenbergstraße 6-7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 21. Mai 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.

Sachlage

Am 24. Januar wurde in Kairo eine friedliche Demonstration abgehalten, um der Menschen zu gedenken, die während der "Revolution des 25. Januar" im Jahr 2011 ums Leben kamen. Dabei wurde die 32-jährige Shaimaa Al-Sabbagh erschossen. 17 Personen haben sich daraufhin als Augenzeug_innen gemeldet. Sechs dieser Augenzeug_innen wurden noch am selben Tag festgenommen. Allen 17 Personen wird unerlaubtes Demonstrieren vorgeworfen, was unter dem repressiven ägyptischen Demonstrationsgesetz eine Straftat darstellt. Wenn sie für schuldig befunden werden, drohen den Angeklagten bis zu fünf Jahre Haft.

Das Verfahren sollte am 4. April vor dem Kairoer Abdeen-Gericht für Ordnungswidrigkeiten beginnen, wurde jedoch auf den 9. Mai vertagt, um den Rechtsbeiständen Zeit zur Vorbereitung der Verteidigung zu geben. Einige Rechtsbeistände sagten gegenüber Amnesty International, dass die Staatsanwaltschaft ihnen die Fallakten vorenthalten habe. Allem Anschein nach sind die 17 Personen nur deshalb angeklagt, weil die Behörden damit von ihren eigenen kriminellen Aktivitäten ablenken möchten.

Azza Soliman ist die Gründerin der NGO Center for Egyptian Women’s Legal Assistance. Sie wollte am 24. Januar als Zeugin aussagen und wurde daraufhin beschuldigt, unerlaubt demonstriert und die öffentliche Ordnung gestört zu haben. Sie hatte nicht an dem Gedenkmarsch für die Opfer der "Revolution des 25. Januar" teilgenommen, der von der Sozialistischen Volksallianz (Socialist Popular Alliance Party – SPAP) organisiert worden war. Sie saß gerade mit ihrer Familie und Freund_innen in einem Café, als sie die Demonstrierenden hörte und nach draußen ging, um zuzusehen. Dabei beobachtete sie, wie Sicherheitskräfte die Kundgebung mit Tränengas und Gewehren aufzulösen versuchten. Sie sah eine Frau am Boden liegen und erfuhr später, dass es sich um Shaimaa al-Sabbagh handelte.

Zwei weitere Angeklagte waren ebenso wenig an der Demonstration beteiligt. Bei einem von ihnen handelt es sich um einen Arzt, der Shaimaa al-Sabbagh erste Hilfe leistete, nachdem sie angeschossen wurde. Der zweite war lediglich ein Passant, der Shaimaa al-Sabbagh in ein nahegelegenes Café trug. Beide Personen wurden vor Ort festgenommen. Die übrigen 14 Angeklagten hatten alle an der friedlichen Kundgebung teilgenommen. Einige von ihnen wurden an Ort und Stelle festgenommen, andere folgten einer Vorladung der Staatsanwaltschaft. Ein Mann wurde sogar beschuldigt, Shaimaa al-Sabbagh getötet zu haben, als er sich als Zeuge meldete. Da keine Beweise gegen ihn vorlagen, wurde er später wegen unerlaubten Demonstrierens und Störung der öffentlichen Ordnung angeklagt.

[BITTE SCHREIBEN SIE]

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie die gegen Azza Soliman, Nagwa Abbas, Maher Shaker, Mostafa Abdelaal, Sayed Abu El Ela, Elhami El Merghany, Adel El Meleegy, Mohamed Ahmed Mahmoud, Zohdy El Shamy, Ahmed Fathy Nasr, Talaat Fahmy, Taha Tantawi, Abdel Hameed Mostafa Nada, Mohamed Saleh Fathy, Hossam Nasr, Mohamed Saleh und Khaled Mostafa erhobenen Anklagen fallen, da diese lediglich von ihrem Recht auf Versammlungsfreiheit Gebrauch gemacht haben. Des Weiteren scheint ihre Festnahme eine Vergeltungsaktion zu sein, da sie Aussagen über den willkürlichen und exzessiven Einsatz von Gewalt seitens der Sicherheitskräfte machten.

[APPELLE AN]

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Hesham Mohamed Zaki Barakat
Office of the Public Prosecutor
Supreme Court House, 1 "26 July" Road
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(Anrede: Dear Counsellor / Sehr geehrter Herr Staatsanwalt)
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PRÄSIDENT
Abdel Fattah al-Sisi
Office of the President, Al Ittihadia Palace
Cairo
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S. E. Herrn Mohamed Abdelhamid Ibrahim Higazy
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Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de

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Hintergrundinformation

Hintergrund

Die 32-jährige Shaimaa Al-Sabbagh wurde am 24. Januar während einer friedlichen Demonstration in Kairo, die von äqyptischen Sicherheitskräften gewaltsam aufgelöst wurde, erschossen. Videoaufzeichnungen und Fotografien, die von Journalist_innen und Aktivist_innen aufgenommen wurden, lösten nicht nur in Ägypten, sondern auch international Empörung aus. Unter dem repressiven ägyptischen Demonstrationsgesetz ist das Demonstrieren ohne Genehmigung eine Straftat.

Shaimaa Al-Sabbagh hatte an dem Gedenkmarsch der in Richtung Tahrir-Platz verlief, teilgenommen. Der Marsch wurde von der Sozialistischen Volksallianz (Socialist Popular Alliance Party – SPAP) organisiert. Die kleine Gruppe aus ungefähr 30 Demonstrierenden trug Banner, auf denen der Parteiname zu lesen war sowie Blumen, um den Hunderten Menschen, die während der Revolution im Jahr 2011 umgekommen waren, zu gedenken. Sie nutzten bei ihrem Marsch den Bürgersteig, um den Verkehr nicht zu blockieren.

Laut einem Augenzeugenbericht gegenüber Amnesty International bewachten die Sicherheitskräfte den Eingang zum Tahrir-Platz und stoppten den Marsch in der Nähe der Talaat-Harb-Straße, bevor sie die Demonstrierenden mit Tränengas und Gewehren angriffen.

Der Sprecher der forensischen Behörde in Ägypten gab an, dass Shaimaa Al-Sabbagh durch Schussverletzungen im Rücken- und Hinterkopfbereich getötet wurde. Die Schüsse wurden aus acht Metern Entfernung abgefeuert. Obwohl die Behörden ursprünglich abstritten, dass die Sicherheitskräfte für ihren Tod verantwortlich seien, hat die Staatanwaltschaft einen Angehöriger der Sicherheitskräfte wegen "Schlägen, Verletzungen und dem Verabreichen von Substanzen, die zum Tode führen" im Fall Shaimaa al-Sabbagh angeklagt

Azza Suleiman ging zur Staatsanwaltschaft, um dort zusammen mit weiteren Augenzeug_innen eine Aussage bezüglich des Todes von Shaimaa Al-Sabbagh zu machen. Sie sagte gegenüber Amnesty International, dass der Staatsanwalt, der sie befragte, seine Untersuchung damit beendete, dass er sie des unerlaubten Demonstrierens und des Angreifens von Sicherheitskräften bezichtigte.