Menschenrechtler zu Haftstrafe verurteilt
Der Arzt Wenceslao Mansogo Alo, der sich politisch engagiert und für die Menschenrechte aktiv ist, wurde am 7. Mai von einem Gericht in der Stadt Bata wegen Verletzung seiner beruflichen Sorgfaltspflichten zu drei Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Ursprünglich war der Arzt zudem der "Verstümmelung einer Leiche" angeklagt worden, diesen Anklagepunkt hatte die Staatsanwaltschaft jedoch noch vor Prozessbeginn zurück genommen.
Sachlage
Die Anklage gegen Wenceslao Mansogo Alo stützte sich auf haltlose und nicht beweiskräftig untermauerte Anschuldigungen seitens der Familie einer verstorbenen Patientin des Mediziners und dem Bericht eines Ärzteteams unter Leitung des Gesundheitsministers. In dem Bericht hieß es als Fazit, die Patientin sei infolge nicht sachgerecht herbeigeführter Narkose einem Herzinfarkt erlegen. Die Verabreichung des Narkosemittels hatte nicht in der Verantwortung von Wenceslao Mansogo Alo gelegen. Die Staatsanwaltschaft legte keine weiteren Beweise vor, um die Anklage zu stützen.
Der Prozess gegen den Arzt fand am 4. und 5. April vor dem Gericht der Provinz Litoral statt. Das Urteil wurde erst mit großer zeitlicher Verzögerung, für die das Gericht keinerlei Gründe nannte, verkündet. Es lautete auf drei Jahre Freiheitsentzug. Zusätzlich wurde Wenceslao Mansogo Alo auferlegt, an die Familie der verstorbenen Patientin eine Entschädigungssumme in Höhe von umgerechnet rund 10 000 US-Dollar und an die Staatskasse von Äquatorialguinea weitere rund 3 000 US-Dollar zu zahlen. Für die Dauer seiner Zeit in Haft wurde Wenceslao Mansogo Alo die Arztzulassung entzogen und seine Klinik geschlossen. Die Anästhesistin, die Wenceslao Mansogo Alo bei der Operation assistiert hatte, wurde derselben Tatbestände wie er schuldig gesprochen und zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt. Sie muss darüber hinaus die Familie der Verstorbenen mit umgerechnet 1500 US-Dollar entschädigen und darf ihren Beruf erst nach Ablauf ihrer Strafe wieder ausüben.
Wenceslao Mansogo Alo ist ein bekanntes und für den Bereich der Menschenrechte zuständiges Mitglied der sozialdemokratischen Partei Convergencia para la Democracia Social (CPDS), der einzigen im Land verbliebenen Oppositionspartei. Er beobachtet die Menschenrechtslage in Äquatorialguinea und prangert Verstöße gegen die Menschenrechte an. Im Stadtrat von Bata ist Wenceslao Mansogo Alo für den Gesundheitsbereich zuständig. Er genießt in seinem Arztberuf wie auch als Politiker und Mitglied des Stadtrats hohes Ansehen.
Nach Einschätzung von Amnesty International liegen der Festnahme, Verurteilung und Inhaftierung von Wenceslao Mansogo Alo politische Motive zugrunde, die sich aus seinem Engagement für die Menschenrechte und politische Themen ableiten. Amnesty International betrachtet Wenceslao Mansogo Alo daher als gewaltlosen politischen Gefangenen und wird sich weiterhin für seine unverzügliche und bedingungslose Freilassung einsetzen.
Weitere Appelle der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Eilaktionsnetz sind nicht erforderlich. Amnesty International wird sich mit anderen Aktionsformen für die Freilassung von Wenceslao Mansogo Alo einsetzen.
Im Namen von Wenceslao Mansogo Alo und seiner Familie möchten wir uns bei allen bedanken, die sich mit Appellen für ihn eingesetzt haben.