Gefangener in Lebensgefahr
Tamaz Kardava im Gerichtssaal in Kiew, Ukraine
© Oleg Veremenko
Der Georgier Tamaz Kardava ist seit August 2008 in der ukrainischen Hauptstadt Kiew unter dem Vorwurf des Einbruchdiebstahls inhaftiert. Er leidet an Hepatitis C und schwerer Leberzirrhose. Seit zwei Monaten wird ihm die lebensnotwendige medizinische Versorgung verweigert. Inzwischen befindet er sich in Lebensgefahr.
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER UKRAINE
I.E. Frau Nataliia Zarudna
Albrechtstraße 26
10117 Berlin
Fax: 030-2888 7163
E-Mail: ukremb@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Ukrainisch, Russisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 13. Mai 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
Dringen Sie bei den ukrainischen Behörden darauf, dass Tamaz Kardava umgehend in ein Krankenhaus verlegt wird und eine angemessene medizinische Behandlung erhält.
Fordern Sie die Behörden auf, die Vorwürfe zu prüfen, denen zufolge Tamaz Kardava gefoltert und in anderer Weise misshandelt wurde, als man ihn 2008 festnahm.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
urging the authorities to ensure that Tamaz Kardava is immediately hospitalized and receives adequate medical treatment;
- calling on the authorities to investigate the allegations that Tamaz Kardava was subjected to torture and other ill-treatment when he was arrested in 2008.
Sachlage
Der georgische Staatsangehörige Tamaz Kardava, der vor dem Konflikt in Abchasien geflüchtet war, litt bereits bei seiner Festnahme in der Ukraine im August 2008 an Hepatitis. Auf der Polizeiwache des Kiewer Bezirks Shevchenkovskiy soll man ihn gefoltert haben, um ihn dazu zu bringen, einen Einbruchdiebstahl zu gestehen. Medizinische Gutachten bestätigen, dass er sowohl heftig geschlagen als auch mit einem Schlagstock der Polizei vergewaltigt wurde.
Tamaz Kardava wird seit August 2008 in Haft gehalten. In den vergangenen zwei Monaten wurde ihm die medizinische Behandlung seiner Erkrankung verweigert, und sein Gesundheitszustand hat sich dramatisch verschlechtert. Nach eigenen Aussagen hat er ständig Leberschmerzen, seine Beine sind geschwollen und er kann weder sitzen noch gehen.
Sein Anwalt hat berichtet, dass er am 30. März sechs Stunden auf einer Trage im Gerichtssaal des Shevchenkovskiyer Gerichts lag (siehe Foto oben). Nach Angaben des Anwalts war Tamaz Kardavas schlechter Zustand für alle Anwesenden deutlich sichtbar. Im Gerichtssaal untersuchten ihn Notfallärzte. Sie stellten fest, dass der Gefangene Wasser in den Lungen hat und daher in Lebensgefahr schwebt. Sein Anwalt beantragte die sofortige Verlegung in ein Krankenhaus, doch der Richter lehnte dies ab. Das Verfahren wird am 1. April fortgesetzt.
Hintergrundinformation
Amnesty International hat bereits früher Sorge hinsichtlich des mangelnden Zugangs zu medizinischer Versorgung der Gefangenen in der Ukraine geäußert. Ukrainische NGOs und AnwältInnen berichten, dass unzureichende medizinische Versorgung ein verbreitetes Problem ist und keine wirksamen legalen Mittel zur Verfügung stehen, um dagegen vorzugehen.
Im Juli 2009 startete Amnesty International eine Urgent Action für Andriy Snigoviy (UA-177/2009), der im Begriff war, an AIDS zu sterben und dem dennoch die Behandlung durch FachärztInnen ebenso verweigert wurde wie die Verabreichung von Schmerzmitteln. Der Anwalt von Andriy Snigoviy stellte beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einen Eilantrag, mit dem Ziel, seinen Mandanten in ein Krankenhaus verlegen zu lassen. Doch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte lehnte diesen Antrag ab.
Bei einem Zusammentreffen mit der ukrainischen Strafvollzugsbehörde im Januar 2010 wurde den VertreterInnen von Amnesty International mitgeteilt, dass die Gefängnisse und Gefängniskrankenhäuser in der Ukraine mit den notwendigen Basismedikamenten für die meisten Krankheiten ausgestattet sind, dass aber das Budget begrenzt ist und nur einfache Schmerzmittel zur Verfügung stehen.