Gefangener gestorben

Ergebnis dieser Urgent Action

Der Georgier Tamaz Kardava starb am 7. April in einem Krankenhaus in Kiew. Das Foto wurde am 30. März aufgenommen, als man ihn auf einer Trage in den Gerichtssaal bringen musste, um an einer Anhörung in seinem jüngsten Prozess teilnehmen zu können.

Tamaz Kardava im Gerichtssaal in Kiew, Ukraine

Tamaz Kardava im Gerichtssaal in Kiew, Ukraine

Der Georgier Tamaz Kardava starb am 7. April in einem Krankenhaus in Kiew. Das Foto wurde am 30. März aufgenommen, als man ihn auf einer Trage in den Gerichtssaal bringen musste, um an einer Anhörung in seinem jüngsten Prozess teilnehmen zu können.

Sachlage

Am 2. April 2010 wurde der im Untersuchungsgefängnis in der ukrainischen Hauptstadt Kiew inhaftierte Tamaz Kardava in die Notfallklinik der Stadt gebracht und auf der dortigen Häftlingsstation behandelt. Seine Schwester und sein Rechtsanwalt wandten sich am 6. April an das Regionalgericht von Shevchenkovskiy, um die Freilassung des Gefangenen zu erwirken. Während sich beide noch im Gerichtsgebäude befanden, erhielten sie einen Anruf. In dem Telefonat wurde ihnen mitgeteilt, dass Tamaz Kardava wegen akuten Leberversagens das Bewusstsein verloren habe und noch in der Nacht mit seinem Tod gerechnet werden müsse.

Seine Schwester und der Rechtsanwalt eilten umgehend ins Krankenhaus, mussten dort aber noch eine Weile warten, bis man sie zu Tamaz Kardava vorließ. Er teilte das Krankenzimmer mit zwei anderen Männern und einer jungen Frau. In dem Zimmer herrschten nach Auskunft seines Anwalts ausgesprochen unhygienische Bedingungen. Darüber hinaus, so der Anwalt, sei Tamaz Kardava in den Tagen des 3. bis 5. April ohne ärztliche Betreuung geblieben.

Am 6. April wurde Tamaz Kardava in einem chirurgischen Eingriff Lungenflüssigkeit abgesaugt, so dass er eine Weile wieder besser atmen konnte. Er starb am nächsten Morgen.

Der Konflikt in den 1990er Jahren in Abchasien hatte Tamaz Kardava zum Flüchtling werden lassen. Seit August 2008 war er trotz einer Hepatitis-C-Erkrankung in der Ukraine inhaftiert. Tamaz Kardava soll auf der Polizeiwache des Bezirks Shevchenkovskiy gefoltert worden sein, um ihn zu dem Geständnis zu zwingen, einen Einbruchdiebstahl begangen zu haben. Aus medizinische Gutachten geht hervor, dass er brutal geschlagen und mit einem Polizeiknüppel vergewaltigt worden ist.
In den letzten beiden Monaten seines Lebens ist Tamaz Kardava offenbar nicht angemessen medizinisch versorgt worden, denn sein Gesundheitszustand verschlechterte sich dramatisch. Den Tag seines Prozesses am 30. März verbrachte er auf einer Trage liegend im Gerichtssaal.

Vielen Dank allen, die sich an dieser Eilaktion beteiligt haben.