Nach Folter vor Gericht
Vereinigte Arabische Emirate
© Courtesy of the University of Texas Libraries
Die Gerichtsverfahren gegen die beiden libyschen Staatsbürger Mo’ad Mohammad al-Hashmi und 'Adel Rajeb Nasif werden derzeit fortgesetzt. Sie waren im September 2014 von Sicherheitsbeamt_innen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) festgenommen worden. Ein dritter Libyer, 'Issa al-Manna’, wurde am 12. März 2015 festgenommen. Dessen Verfahren begann am 18. Januar. Alle drei waren Opfer des Verschwindenlassens, und Mo’ad Mohammad al-Hashmi und 'Adel Rajeb Nasif sind gefoltert worden.
Appell an
VIZE-PRÄSIDENT UND MINISTERPRÄSIDENT
Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum
Prime Minister’s Office, PO Box: 212000, Dubai
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
(Anrede: Your Highness / Eure Hoheit)
Fax: (00 971) 4 330 4044
E-Mail: info@primeminister.ae oder über http://www.uaecabinet.ae/en/contacts
Twitter: @HHShkMoh
INNENMINISTER
Lt General Sheikh Saif bin Zayed Al Nahyan
Zayed Sport City, Arab Gulf Street
Near to Sheikh Zayed Mosque, PO Box 398, Abu Dhabi,
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
(Anrede: Your Highness / Eure Hoheit)
Fax: (00 971) 2 4414938 / (00 971) 2 4022762 /
(00 971) 2 4415780
E-Mail: moi@moi.gov.ae
Twitter: @SaifBZayed
Sende eine Kopie an
KRONPRINZ VON ABU DHABI
Sheikh Mohammed Bin Zayed Al Nahyan
Crown Prince Court
King Abdullah Bin Abdulaziz Al Saud Street
PO Box 124
Abu Dhabi
VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
Fax: (00 971) 2 668 6622
Twitter: @MBZNews
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN ARABISCHEN EMIRATE
S. E. Herrn
Jumaa Mubarak Jumaa Salem Aljunaibi
Hiroshimastraße 18-20
10785 Berlin
E-Mail: AmbOffice.Berlin@mofa.gov.ae
Fax: 030-5165 1900
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 10. März 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
E-MAILS, FAXE, TWITTER-NACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Bitte stellen Sie sicher, dass Mo’ad Mohammad al-Hashimi al-Harari, 'Adel Rajeb Nasif und 'Issa al-Manna’ vor ein Strafgericht gestellt werden, das die internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren wahrt, darunter das Recht auf Einlegung von Rechtsmitteln, und das die Verhängung der Todesstrafe ausschließt.
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Bitte sorgen Sie außerdem dafür, dass "Geständnisse" oder Aussagen, die unter Folter, anderen Misshandlungen oder Nötigung entstanden sind, bei Gericht nicht zugelassen werden. Schützen Sie die Männer bitte vor weiterer Folter und anderen Misshandlungen.
- Leiten Sie bitte eine unabhängige Untersuchung der Folter- und Misshandlungsvorwürfe ein und stellen Sie sicher, dass die Männer vor Folter und anderer Misshandlung geschützt werden. Gewähren Sie ihnen sofortigen Zugang zu ihren Familienangehörigen, Rechtsbeiständen ihrer Wahl sowie jeglicher benötigter medizinischer Versorgung.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the UAE authorities to try the three men (naming them) before an ordinary criminal court in accordance with international fair trial standards, including the right to appeal, and without recourse to the death penalty.
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Calling on them to ensure that any "confessions" or other statements obtained by torture and other ill-treatment or coercion are not used as evidence in court and that the men are protected from any further ill treatment.
- Urging them to carry out an independent and impartial investigation into allegations of torture, and implement safeguards against torture or ill treatment, including by providing the men with regular access to families and lawyers and by providing medical treatment when requested.
Sachlage
Die separaten Gerichtsvefahren gegen Mo’ad Mohammad al-Hashmi al-Harari und 'Adel Rajeb Nasif laufen seit September 2015 vor der Staatssicherheitskammer des Obersten Gerichtshofs von Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Den beiden Männern wird vorgeworfen, bewaffnete Gruppen in Libyen finanziell und auf andere Weise zu unterstützen. Beide Angeklagte bestreiten die Vorwürfe. Der nächste Gerichtstermin ist für den 1. Februar angesetzt.
Das Verfahren gegen 'Issa al-Manna’, der zusammen mit drei weiteren Angeklagten vor Gericht steht, hat am 18. Januar ebenfalls vor der Staatsicherheitskammer des Obersten Gerichtshofs von Abu Dhabi begonnen. An diesem Tag wurde ihm zum ersten Mal seit seiner Festnahme, die um den 12. März 2015 herum erfolgte, mitgeteilt, dass er wegen der finanziellen und materiellen Unterstützung zweier bewaffneter Gruppen in Libyen auf der Grundlage des Antiterrorgesetzes der VAE von 2014 unter Anklage stehe. Auch er bestreitet die Vorwürfe. In diesem Verfahren ist die nächste Anhörung für den 15. Februar angesetzt.
Mo’ad Mohammad al-Hashmi al-Harari und 'Adel Rajeb Nasif wurden gefoltert. Nach ihrer Festnahme waren sie zunächst "verschwunden". Von ihrer Festnahme im September 2014 bis zwei Wochen nach ihrer Verlegung in das al-Wathba-Gefängnis in Abu Dhabi im Juni 2015 wurde ihnen der Kontakt zu ihren Familien untersagt. Nach Amnesty International vorliegenden Informationen wurden Mo’ad Mohammad al-Hashmi al-Harari Zähne ausgeschlagen und er wurde nackt in einer Einzelzelle festgehalten, wo er auf dem Fußboden schlafen musste. 'Adel Rajeb Nasef hat geschwollene Fußgelenke und kann nur mit großen Schwierigkeiten gehen. Er leidet zudem an Schmerzen in der Schulter, nachdem ihm diese zu Beginn seiner Inhaftierung ausgekugelt wurde.
Hintergrundinformation
Mo’ad Mohammad al-Hashmi al-Harari hielt sich zum Zeitpunkt seiner Festnahme gerade in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf, um dort seinen Aufenthaltstitel zu verlängern, der auszulaufen drohte. Er beabsichtigte, am nächsten Tag nach Libyen zurückzukehren. Am 28. September 2014 wurde er von drei oder vier Sicherheitsbeamt_innen aus einem Café abgeführt. Man legte ihm Handschellen an und fuhr ihn zu seiner Wohnung, welche die Angehörigen der Sicherheitskräfte durchsuchten, bevor sie ihn in Gewahrsam nahmen.
'Adel Rajeb Nasif, der mit seiner Familie in Dubai lebte, wurde etwa am 20. September 2014 in Abwesenheit seiner Angehörigen, die zu einem Besuch nach Tripolis gereist waren, festgenommen. 'Issa al-Manna’ wurde etwa am 12. März 2015 festgenommen. Er steht zusammen mit drei weiteren Libyern, die eine doppelte Staatsangehörigkeit besitzen, seit dem 18. Januar vor Gericht (s. UA-236/2014, http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-236-2014-2/vier-libyer-vor-gericht). Die drei Männer wurden bei ihrer Festnahme Opfer des Verschwindenlassens.
Das Antiterrorgesetz der VAE trat im August 2014 in Kraft. Es sieht harte Strafen – auch Todesurteile – für Personen vor, die wegen "Terrorismus" verurteilt werden, wobei "Terrorismus" nur sehr vage definiert ist: Die Definition umfasst alle Handlungen, mit denen ein "terroristisches Ziel" erreicht wird, wie z. B. die öffentliche Verbreitung von Äußerungen, die als "feindlich gegenüber dem Staat oder Regime" oder als "Treuebruch gegenüber der Staatsführung" gewertet werden.
Am 15. November 2015 erklärte die Regierung der VAE mehr als 80 Gruppen zu "terroristischen" Organisationen. Unter ihnen befinden sich bewaffnete Gruppen in anderen Ländern, islamistische Gruppierungen, muslimische Organisationen sowie Hilfsorganisationen.
Trotz einiger in der Verfassung und den Gesetzen der Vereinigten Arabischen Emirate verankerten Schutzregelungen sind Verletzungen der Rechte von Häftlingen an der Tagesordnung, vor allem in Fällen, in denen die Staatssicherheitsbehörde (State Security Agency - SSA) involviert ist. Angehörige der SSA führen Festnahmen in der Regel ohne Haftbefehle durch. Viele Festgenommene werden dann wochen- oder monatelang ohne Anklage oder Zugang zu rechtlicher Vertretung an geheimen Haftorten festgehalten. Personen, die unter derartigen Umständen inhaftiert sind, werden häufig zum Opfer von Folter und anderweitigen Misshandlungen. In von Amnesty International untersuchten Fällen weigerten sich die Behörden oftmals monatelang, die Inhaftierungen zu bestätigen oder den Familien der Betroffenen Informationen zukommen zu lassen.
Obwohl die VAE der UN-Antifolterkonvention beigetreten sind und Folter auch unter dem Völkergewohnheitsrecht verboten ist, werden von Personen in Gewahrsam immer mehr Foltervorwürfe erhoben, welche von den Behörden routinemäßig ignoriert bzw. abgetan werden. Im Jahr 2013 wurden in den VAE in einem Fall, der die nationale Sicherheit betraf, 94 Personen vor Gericht gestellt, von denen 71 angaben, gefoltert worden zu sein. Das Gericht weigerte sich jedoch, die Vorwürfe zu untersuchen. Seither hat Amnesty International mindestens zehn weitere glaubhafte Fälle von Folter in Untersuchungshaft dokumentiert. Die Praxis, Häftlinge zu foltern, scheint von den Behörden als legitim angesehen zu werden.
Vom Obersten Gerichtshof verhängte Schuldsprüche und Strafen können nicht vor einer höheren Instanz angefochten werden. Internationale Menschenrechtsnormen legen jedoch fest, dass jede Person, die einer Straftat für schuldig befunden wird, das Recht hat, vor einem höheren Gericht Rechtsmittel gegen die Verurteilung und das Strafmaß einzulegen. Artikel 101 der Verfassung der VAE sowie Paragraf 67 des Gesetzes über den Obersten Gerichtshof besagen, dass die Urteile des Gerichtshofs endgültig, bindend und nicht anfechtbar sind.