Familie eines Gefangenen bedroht
Emin Fatullayev, Vater des inhaftierten Journalisten Eynulla Fatullayev, ist mit dem Tode bedroht worden. Er soll offenbar gezwungen werden, nicht mehr öffentlich für seinen inhaftierten Sohn einzutreten. Emin Fatullayev und seine Familie sind in Lebensgefahr.
Appell an
PRÄSIDENT
Ilham Aliyev, President of the Republic of Azerbaijan
Office of the President
19 Istiqlaiyyat St., AZ1066 Baku
ASERBAIDSCHAN
(korrekte Anrede: Dear President)
Fax: (00 994) 12 492 35 43 oder 492 06 25
E-Mail: president@president.gov.az oder über die Website: http://www.president.az/browse.php?sec_id=68
INNENMINISTER
Col.- Gen. Ramil Usubov
Minister of Internal Affairs
Ministry of Internal Affairs, Husu Hajiyev Street 7, Baku 370005 ASERBAIDSCHAN
(korrekte Anrede: Dear Minister)
Fax: (00 994) 12 492 7990
OMBUDSFRAU
Prof. Elmira Suleymanova
Ombudsperson, Office of the Ombudsman
40 Uz. Hajibeyov Street
Baku AZ1000
ASERBAIDSCHAN
(korrekte Anrede: Dear Ombudperson)
Fax: (00 994) 12 498 8574
E-Mail: ombudsman@ombudsman.gov.az
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER REPUBLIK ASERBAIDSCHAN
S.E. Herrn Parviz Shahbazov
Hubertusallee 43, 14193 Berlin
Fax: 030-2191 6152
E-Mail: office@azembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Aserbaidschanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. April 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Fordern Sie die Behörden auf, Emin Fatullayev und seiner Familie ihren Wünschen entsprechend umgehend wirksamen Schutz zu gewähren.
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Appellieren Sie an die Behörden, umgehend unparteiische Untersuchungen bezüglich der Morddrohungen einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
- Weisen Sie darauf hin, dass Amnesty International Eynulla Fatullayev als gewaltlosen politischen Gefangenen betrachtet und seine umgehende und bedingungslose Freilassung fordert.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the authorities to take immediate action to protect Emin Fatullayev and his family, with protection measures to be determined in accordance with the family's wishes;
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Calling for an immediate and impartial investigation into the death threats, with the results made public and those responsible brought to justice;
- Noting that Amnesty International considers Eynulla Fatullayev to be a prisoner of conscience, who should be released immediately and unconditionally.
Sachlage
Am 17. März 2010 erhielt Emin Fatullayev gegen 13 Uhr bei sich zu Hause in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku einen anonymen Anruf. Der Anrufer forderte Emin Fatullayev auf, im Fall seines Sohnes "die Klappe zu halten", da sonst "seine gesamte Familie zerstört werde". Emin Fatullayev informierte umgehend die Behörden über den Vorfall.
Es ist bereits das dritte Mal, dass Emin Fatullayev telefonische Morddrohungen erhalten hat, die in Zusammenhang mit seinem Bestreben stehen, die Aufmerksamkeit internationaler Organisationen, einschließlich Amnesty International, auf den Fall seines Sohnes zu lenken. Amnesty International geht davon aus, dass die Anklagen gegen den seit 2007 inhaftierten Eynulla Fatullayev konstruiert sind, und betrachtet ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen. In jedem der drei Drohanrufe wurde Emin Fatullayev aufgefordert, den Fall seines Sohnes nicht mehr öffentlich anzufechten.
Die erste Morddrohung erhielt Emin Fatullayev im Jahr 2007 kurz nach der Inhaftierung seines Sohnes. Am 1. Januar 2010 wurde er ein zweites Mal bedroht, einige Tage nachdem Eynulla Fatullayev wegen Drogenbesitzes im Gefängnis angeklagt worden war. Der Anrufer sagte zu ihm, dass die Anklage gegen seinen Sohn gut gewesen sei und dass noch schlimmeres passieren werde. Amnesty International befürchtet, dass die Anklage wegen Drogenbesitzes konstruiert wurde, um Eynulla Fatullayev in ein schlechtes Licht zu rücken, da sein Fall zu dieser Zeit gerade vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte überprüft wurde. Der Gerichtshof hat noch keine Entscheidung in dem Fall getroffen.
Die Behörden haben die Anzeige von Emin Fatullayev wegen der jüngsten Morddrohungen zwar aufgenommen, jedoch weder Schutzmaßnahmen für ihn und seine Familie ergriffen, noch Ermittlungen eingeleitet, um herauszufinden, wer hinter den Morddrohungen steht. Im Jahr 2005 wurde der Journalist Elmar Huseynov in Baku erschossen. Er war wie Eynulla Fatullayev ein Kritiker der aserbaidschanischen Regierung. Bislang wurde niemand für seinen Tod vor Gericht gestellt. Amnesty International hat zahlreiche Angriffe auf JournalistInnen, die Kritik an der aserbaidschanischen Regierung geübt hatten, dokumentiert.
Hintergrundinformation
Am 30. Dezember 2009 erhob man erneut Anklage gegen Eynulla Fatullayev, der im April 2007 zunächst wegen Diffamierung inhaftiert worden war. Zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr 2007 befand man ihn zudem wegen Verbrechen in Zusammenhang mit Terrorismus, Anstachelung zu ethnisch motiviertem Hass und Steuerhinterziehung für schuldig. Amnesty International ist der Auffassung, dass alle Anklagen gegen ihn auf fingierten Vorwürfen beruhen und betrachtet ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen.
Nach Aussagen eines Sprechers der aserbaidschanischen Strafvollzugsbehörde, soll das Wachpersonal bei einer Durchsuchung der Zelle von Eynulla Fatullayev 0,22 Gramm Heroin in seinem Jackenärmel und seinen Schuhen gefunden haben. Eynulla Fatullayev berichtete seinem Vater, dass die Wächter unmittelbar nach Betreten seiner Zelle in seiner Jacke und seinen Schuhen nachgesehen und als sie dort Heroin gefunden hätten, die Suche beendet hätten. Die Wachleute behaupteten, aufgrund eines anonymen Hinweises gehandelt zu haben. Es ist nicht bekannt, dass Eynulla Fatullayev jemals Drogen konsumiert hat. Er beteuert seine Unschuld und sagt, dass man ihm die Drogen untergeschoben habe.
Am 30. Dezember 2009 wurde ihm eine Blutprobe zur Untersuchung auf Drogenkonsum entnommen. Am 30. Dezember 2009 erfolgte die Anklage wegen illegalen Drogenbesitzes. Am selben Tag veröffentlichte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eine Pressemitteilung, in der sie die fortgestzte Inhaftierung von Eynulla Fatullayev verurteilte. Der OSZE-Beauftragte für Medienfreiheit, Miklos Haraszti, erklärt darin, dass er Eynulla Fatullayev zwei Mal im Hochsicherheitsgefängnis besucht habe, und dass er die Vorwürde des Schmuggels und Besitzes von Heroin für sehr unwahrscheinlich halte. Nach einer Anhörung am 31. Dezember 2009 ordnete ein Richter des Bezirksgerichts von Garadag an, Eynulla Fatullayev für zwei Monate bis zum Beginn seines Gerichtsverfahrens in eine Isolationszelle zu verlegen. Seinem Vater zufolge wurde Eynulla Fatullayev in eine geschlossene Abteilung im Dorf Kyurdakhany gebracht, etwa 16 Kilometer entfernt von Baku.
Am 2. Februar 2010 gaben die Behörden die Ergebnisse des Bluttests von Eynulla Fatullayev bekannt, jedoch nicht die detaillierte Analyse. Laut Behördenberichten wurden Spuren von Metaboliten in seinem Blut gefunden, die auf einen Heroinkonsum hinweisen. Dieser Befund reicht jedoch nicht aus, um zu beweisen, dass weitere Maßnahmen in dieser Hinsicht ergriffen werden müssen. Eynulla Fatullayev bestreitet die Richtigkeit der Blutergebnisse und ist überzeugt, dass sie manipuliert worden sind, da die Proben von einem staatlich kontrollierten Labor untersucht wurden. Forderungen der Verteidigung, einen unabhängigen Test durchführen zu lassen, wurden vom Gericht abgelehnt. Von Amnesty International kontaktierte unabhängige medizinische Testzentren erklärten sich nicht bereit, einen Bluttest für Eynulla Fatullayev durchzuführen, da der Fall in zu hohem Maße politisch brisant sei. Die neuen Anklagen gegen Eynulla Fatullayev könnten eine Haftverlängerung von drei Jahren seiner gegenwärtig noch bis 2016 andauernden Haftzeit zur Folge haben.
Amnesty International betrachtet Eynulla Fatullayev als gewaltlosen politischen Gefangenen, da hinter seiner Inhaftierung die Absicht steht, seine regierungskritische Berichterstattung zu unterbinden. Amnesty International befürchtet daher, dass die Behörden mit den jüngsten Vorwürfe gegen Eynulla Fatullayev beabsichtigen, ihn zu diskreditieren, während sein Fall beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zur Untersuchung vorliegt.