Drohende Hinrichtung trotz psychotischer Störung
"Nein" zur Todesstrafe: Mahnwache vor der US-Botschaft in Berlin am 10.10.2010
© Amnesty International / Christian Jungeblodt
Cecil Clayton soll am 17. März im US-Bundesstaat Missouri hingerichtet werden. Er war wegen des Mordes an einem Polizisten im November 1996 zum Tode verurteilt worden. Er leidet an Demenz und einer psychotischen Störung.
Appell an
GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES MISSOURI
Governor Jay Nixon
P.O. Box 720
Jefferson City
MO 65102
USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 573 751 1495
E-Mail: über die Webseite: http://governor.mo.gov/contact/
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S. E. Herrn John Bonnell Emerson
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 17. März 2015 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich möchte weder den Mord an Christopher Castetter entschuldigen noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.
-
Jedoch gebe ich zu bedenken, dass Cecil Clayton aufgrund einer schweren Hirnverletzung an Demenz und einer psychotischen Störung leidet, weshalb es mehr als fraglich ist, ob er gemäß US-Recht hingerichtet werden darf.
- Ich bitte Sie daher inständig, die Hinrichtung von Cecil Clayton zu stoppen und sich für die Umwandlung des Todesurteils in eine Haftstrafe einzusetzen.
Sachlage
Am 26. November 1996 wurde der Polizist Christopher Castetter vor einem Haus in Purdy im US-Bundesstaat Missouri in seinem Streifenwagen erschossen. Das Haus gehörte der Mutter der Freundin von Cecil Clayton, und Christopher Castetter hatte einen Anruf mit der Information erhalten, dass Cecil Clayton sich unbefugt auf dem Grundstück aufhalte. Cecil Clayton wurde festgenommen und vor Gericht gestellt, wo er wegen Mordes zum Tode verurteilt wurde.
Cecil Clayton erlitt 1972 an seinem Arbeitsplatz, einem Sägewerk, eine schwere Kopfverletzung. Ein Stück Holz drang in seinen Schädel und den rechten Frontallappen seines Gehirns ein. Dieser Unfall und der darauffolgende operative Eingriff führten zu dem Verlust von 20 % der Kapazität seines Frontallappens. Da er keine angemessene Rehabilitationsbehandlung erhielt, begann er unter Verhaltensstörungen und psychischen Problemen zu leiden. Ärztlichen Diagnosen zufolge leidet Cecil Clayton an einem hirnlokalen Psychosyndrom sowie an Demenz und einer psychotischen Störung, was mit einer starken Beeinträchtigung seines Verstands, seines Urteilsvermögens und seiner Zurechnungsfähigkeit einhergeht.
Bei einer Anhörung im Jahr 2000 sagte ein Rechtspsychologe aus, dass Cecil Clayton sich aufgrund seiner geistigen Beeinträchtigung seiner Handlungen zur Tatzeit nicht bewusst war. Auch sei er während des Prozesses nicht in der Lage gewesen, mit seinen Rechtsbeiständen zusammenzuarbeiten. Anfang 2014 stellte ein Psychiater bei Cecil Clayton eine Demenzerkrankung, starke Depressionen und eine psychotische Störung fest. Der Psychiater war von der Gefängnisbehörde beauftragt worden, zu prüfen, ob Cecil Clayton seine Bestrafung und die Gründe für das Strafmaß begreift, was eine Voraussetzung für die Hinrichtung wäre. Er erklärte, dass Cecil Clayton seit langer Zeit an visuellen und auditiven Halluzinationen leide und Symptome einer "wahnhaften Störung" aufweise. Er verwies außerdem auf die Stellungnahme eines weiteren Experten, nach dessen Ansicht Cecil Clayton eine "wahnhafte Religiosität" an den Tag lege, was bedeute, dass er nicht die Voraussetzungen für eine Hinrichtung erfülle. Der Psychiater selbst folgerte jedoch, dass der Glaube von Cecil Clayton an seine Rettung durch göttliche Einwirkung keine Beeinträchtigung seiner Fähigkeit bedeute, seine Bestrafung und die Gründe für das Strafmaß zu begreifen. Zwei Ärzt_innen, die Cecil Clayton im Januar 2015 untersuchten, kamen zu dem Schluss, dass er nicht hingerichtet werden dürfe.
Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen in den USA im Jahr 1977 sind 1.402 Personen hingerichtet worden, 81 davon im Bundesstaat Missouri. Bisher sind im Jahr 2015 landesweit acht Todesurteile vollstreckt worden, davon eines in Missouri. Weltweit haben bis heute 140 Länder die Todesstrafe gesetzlich oder in der Praxis abgeschafft. Amnesty International wendet sich in allen Fällen ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode, da sie das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschriebene Recht auf Leben verletzt und die grausamste, unmenschlichste und erniedrigendste aller Strafen darstellt.