Morddrohungen
Die Mitglieder eines Netzwerkes von AktivistInnen in Guatemala, die sich für Nachhaltigkeit und die Rechte von VerbraucherInnen engagieren, sind in großer Gefahr. Seit Oktober 2009 sind drei Mitglieder der Organisation FRENA getötet worden. Der jüngste Fall war der Mord an Octavio Roblero am 17. Februar 2010. Das Motiv für die Tötungen ist nicht bekannt, und bisher ist niemand dafür zur Verantwortung gezogen worden. Weitere führende Mitglieder von FRENA haben Morddrohungen erhalten.
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER REPUBLIK GUATEMALA
S.E. Herrn Gabriel Edgardo Aguilera Peralta
Joachim-Karnatz-Allee 45-47, 2. OG.
10557 Berlin
Fax: 030-2064 3659
E-Mail: embaguate.alemania@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 5. April 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Dringen Sie bei den Behörden darauf, in Absprache mit den Betroffenen umgehend wirksame Maßnahmen zum Schutz der führenden FRENA-Mitglieder zu ergreifen.
- Fordern Sie die Behörden auf, sofort eine gründliche und unparteiische Untersuchung der Tötung von Octavio Roblero, Evelinda Ramirez Reyes und Victor Galvez einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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urging the authorities take immediate steps to provide all necessary protection to the leading members of FRENA in accordance with their wishes;
- calling for an independent, thorough and impartial investigation into the assassinations of Octavio Roblero, Evelinda Ramirez Reyes and Victor Galvez with the results made public and those responsible brought to justice.
Sachlage
Drei Mitglieder von FRENA (Frente de Resistencia en Defensa de los Recursos Naturales y Derechos de los Pueblos) sind erschossen worden. Octavio Roblero wurde am 17. Februar vor seiner Dienststelle in der Stadt Malacatán nahe der Grenze zu Mexiko erschossen. Am Tatort fand man 17 Patronen. Im Vorfeld dieses Anschlags hatte Octavio Roblero telefonische Morddrohungen erhalten. Er war der Überzeugung, dass diese im Zusammenhang mit seinem Einsatz in der Organisation FRENA standen. Er hatte Fortschritte bei den Ermittlungen bezüglich der Tötung von Victor Galvez, seinem Schwager, ebenfalls FRENA-Mitglied, eingefordert, der im Oktober 2009 ermordet worden war. Auf Victor Galvez waren zehn Schüsse abgefeuert worden, als er das Büro von FRENA verließ. Auf einer öffentlichen Veranstaltung hatte er kurz zuvor über das Vorhaben von FRENA informiert, die Bürger über die schlechte Qualität und die überhöhten Tarife des örtlichen Stromkonzerns aufzuklären. Victor Galvez war ebenfalls wegen seines Einsatzes bei FRENA mit dem Tode bedroht, schikaniert und tätlich angegriffen worden.
Bei dem dritten FRENA-Mitglied handelte es sich um Evelinda Ramirez Reyes. Sie lebte in der Stadt Ocos, nicht weit entfernt von Malacatán. Sie wurde am 13. Januar 2010 ermordet, als sie nach einem Treffen mit RegierungsvertreterInnen im Zusammenhang mit ihrer Arbeit bei FRENA in der Hauptstadt Guatemala-Stadt auf dem Weg nach Hause war. Sie war mit drei weiteren FRENA-AktivistInnen in einem Auto unterwegs, als aus einem weißen Kleintransporter, der ihnen gefolgt war, Schüsse auf sie abgefeuert wurden. Mehrere Schüsse trafen Evelinda Ramirez in die Brust.
Weitere führende Mitglieder der Organisation FRENA haben Morddrohungen erhalten. FRENA nannte 289 Mitglieder, um deren Sicherheit Sorge bestünde, weil sie für die Koordinierung der Aktivitäten der Organisation verantwortlich seien. Die Behörden haben bislang keinerlei Schutzmaßnahmen für die Betroffenen ergriffen.
Hintergrundinformation
FRENA ist eine zivilgesellschaftliche Organisation, die in 17 Verwaltungsbezirken des Departments San Marcos in der Nähe der Grenze zu Mexiko tätig ist. In jedem Departement übernimmt ein gewählter Ausschuss die Aufgabenkoordinierung.
Seit 2008 treten FRENA-MitarbeiterInnen für die Rechte von VerbraucherInnen ein, wenn es um den mutmaßlichen Betrug durch Energieunternehmen geht. Darunter fallen das Berechnen von Dienstleistungen, die nicht erbracht wurden, überzogene Zahlungsforderungen sowie regelmäßige Stromausfälle in der Region. FRENA ist der Ansicht, dass das Stromversorgungsunternehmen in betrügerischer Absicht handelt. FRENA war an hochrangigen Gesprächen mit VertreterInnen des Unternehmens und der Regulierungsbehörde der Regierung beteiligt und fordert eine öffentliche Untersuchung der von ihr erhobenen Vorwürfe und die Verhängung von Sanktionen gegen den Stromkonzern. FRENA tritt außerdem dafür ein, dass der bestehende Vertrag mit dem Stromanbieter beendet wird und ein neues örtliches Unternehmen gegründet wird, das für die Gemeinden leichter zugänglich ist und ihnen mehr Mitsprachemöglichkeiten bietet.