Menschenrechtler in Foltergefahr

Kaveh Ghasemi Kermanshahi ist am 3. Februar im Westen des Iran von Sicherheitskräften in Zivil festgenommen worden, bei denen es sich um Angehörige der Revolutionsgarden gehandelt haben soll. Der Familie des Menschenrechtsverteidigers und Journalisten liegen keine Informationen über seinen derzeitigen Aufenthaltsort vor. Kaveh Ghasemi Kermanshahi ist ein gewaltloser politischer Gefangener, der nur aufgrund seines friedlichen Einsatzes für die Menschenrechte in Haft gehalten wird. Ihm drohen Folter und andere Misshandlungen.

Appell an

RELIGIONSFÜHRER
Ayatollah Sayed 'Ali Khamenei
The Office of the Supreme Leader
Islamic Republic Street - End of Shahid Keshvar Doust Street
Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: info_leader@leader.ir
oder über die Internetseite (Englisch):
http://www.leader.ir/langs/en/index.php?p=letter

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadeqh Larijani
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh
Pasteur St., Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737
IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: über die Internetseite http://www.dadiran.ir/tabid/75/Default.aspx
(Erste Textzeile mit rotem Sternchen: Ihr Vorname. Zweite Textzeile mit Sternchen: Ihr Nachname. Dritte Textzeile mit Sternchen: Ihre E-Mail-Adresse. Appelltext in die große Textbox darunter.)

Sende eine Kopie an

LEITER DER STAATLICHEN MENSCHENRECHTSBEHÖRDE
Mohammad Javad Larijani
Howzeh Riassat-e Ghoveh Ghazaiyeh
Pasteur St. Vali Asr. Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737
IRAN
(korrekte Anrede: Dear Mr Larijani)
Fax: (00 98) 213 390 49 86
E-Mail: bia.judi@yahoo.com
(Betreff: FAO Mohammad Javad Larijani)

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67, 14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 19. März 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE UND E-MAILS

  • Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung von Kaveh Ghasemi Kermanshahi, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der lediglich aufgrund seines friedlichen Einsatzes für die Menschenrechte und der friedlichen Ausübung der Rechte auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit festgehalten wird.

  • Dringen Sie bei den Behörden darauf, umgehend seinen Aufenthaltsort bekannt zu geben und sicherzustellen, dass er weder gefoltert noch in anderer Weise misshandelt wird und Zugang zu seiner Familie, einem Rechtsbeistand seiner Wahl und eventuell notwendiger medizinischer Versorgung erhält.

  • Erinnern Sie die Behörden daran, dass Iran als Vertragsstaat des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte die Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit zu achten hat.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the Iranian authorities to release Kaveh Ghasemi Kermanshahi immediately and unconditionally, as he is a prisoner of conscience, arrested solely for his human rights activities and the peaceful exercise of his right to freedom of expression and association;

  • Urging them to disclose his whereabouts immediately, and to ensure that he is protected from torture and other ill-treatment, and has access to a lawyer of his own choosing, his family and any medical treatment he may require;

  • Reminding the authorities that, as a state party to the International Covenant on Civil and Political Rights, Iran is obliged to uphold the right to freedom of expression and association.

Sachlage

Der 25-jährige Kaveh Ghasemi Kermanshahi wurde von sieben Sicherheitskräften in Zivil in seiner Wohnung in der Stadt Kermanshah im Westen des Iran festgenommen. Die Sicherheitskräfte durchsuchten sein Zuhause und konfiszierten persönliche Gegenstände wie Computer und Arbeitsunterlagen. Zwar lag ein Haftbefehl gegen Kaveh Ghasemi Kermanshahi vor, demzufolge man ihn der "Propaganda gegen den Staat" beschuldigte. Es ging daraus jedoch nicht hervor, welche Behörde den Haftbefehl ausgestellt hatte. Die Familie von Kaveh Ghasemi Kermanshahi ist bislang nicht über seinen Aufenthaltsort informiert worden.

Kaveh Ghasemi Kermanshahi ist ein führendes Mitglied der kurdischen Menschenrechtsorganisation Human Rights Organization of Kurdistan (HROK), die auch unter dem Kürzel RMMK bekannt ist, das sich aus dem kurdischen Name der Organisation herleitet. Er ist unterstützt außerdem die Kampagne für Gleichberechtigung, die sich für Frauenrechte und ein Ende der Diskriminierung von Frauen durch die iranische Rechtssprechung einsetzt. Darüber hinaus arbeitet Kaveh Ghasemi Kermanshahi als Journalist für die iranische Nachrichtenwebsite Rooz Online und verfasst Berichte für die Internetseiten der HROK und der Gleichberechtigungskampagne. Der Menschenrechtsverteidiger setzt sich zudem aktiv gegen die Todesstrafe ein. In diesem Zusammenhang berichtete er auch über die Proteste gegen die Hinrichtung von Ehsan Fattahian, einem Angehörigen der kurdischen Minderheit im Iran, der am 11. November 2009 exekutiert wurde (siehe UA-271/2009). Kaveh Ghasemi Kermanshahi war der einzige Journalist, der über den von den Behörden durchgeführten Transport von Ehsan Fattahians Leichnam zu einem Friedhof in Kermansha berichtet hatte. Ehsan Fattahian war dort ohne Wissen seiner Familie beigesetzt worden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die HROK wurde im April 2005 gegründet und hat zwischen 100 und 200 Mitglieder. Es wird angenommen, dass nur wenige Mitglieder derzeit aktiv sind. Trotz langwieriger Bemühungen, offiziell von den Behörden als Nichtregierungsorganisation anerkannt zu werden, ist dies bislang nicht geschehen. Der Gründer und Vorsitzende der Organisation, Mohammad Sadiq Kaboudvand, war am 1. Juli 2007 festgenommen und zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Ein Gericht hatte ihn wegen "Handelns gegen die nationale Sicherheit durch Gründung der Human Rights Organization of Kurdistan (HROK)" zu zehn Jahren und wegen "Propaganda gegen das System" zu einem Jahr Haft verurteilt. Amnesty International betrachtet Mohammad Sadiq Kaboudvand als gewaltlosen politischen Gefangenen.

Zu den Zielen der HROK zählen der Schutz der in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in internationalen Abkommen festgeschriebenen Grundrechte; die Unterrichtung, Verbreitung und Förderung der Einhaltung der Menschenrechte in Kurdistan; sowie die Förderung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den einzelnen Volksgruppen im Iran basierend auf dem Grundsatz rechtlicher Gleichbehandlung. Die Kampagne für Gleichberechtigung, auch als Kampagne "Eine Million Unterschriften" bekannt, ist eine basisdemokratische Initiative, die sich für Frauenrechte und ein Ende der Diskriminierung von Frauen durch die iranische Rechtssprechung einsetzt. Die Kampagne wurde im August 2006 ins Leben gerufen und hat zum Ziel, eine Million Unterschriften von iranischen Staatsangehörigen unter einer Petition zu sammeln, in der ein Ende der rechtlichen Diskriminierung von Frauen im Iran gefordert wird. Über 50 UnterstützerInnen der Kampagne sind seither aufgrund ihres Engagements festgenommen worden. Alieh Eghdam-Doust verbüßt zurzeit eine dreijährige Haftstrafe, weil sie im Jahr 2006 an einer friedlichen Demonstration für die rechtliche Gleichstellung der Frau teilgenommen hatte. Die iranischen Behörden haben die Internetseite der Kampagne, Change for Equality, mindestens 21 Mal zensiert.

Seit den umstrittenen Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009 sind zahlreiche Menschen von Sicherheitskräften, die mit exzessiver Gewalt vorgingen, getötet worden. Außerdem wurden Tausende festgenommen, die meisten von ihnen willkürlich. Zahlreiche Menschen sind gefoltert oder in anderer Weise misshandelt worden. Nach Angaben der oppositionellen persischen Nachrichtenwebsite Jaras sind bereits weit mehr als 180 JournalistInnen, MenschenrechtsaktivistInnen und Mitglieder politischer Parteien, die dem Präsidentschaftskandidaten der Opposition, Mir Hossein Mousavi, und dem ehemaligen Präsidenten Khatami nahe stehen, inhaftiert worden. Darunter befindet sich auch Emaddedin Baghi, Träger des Martin-Ennals-Menschenrechtspreises des Jahres 2009 (siehe UA-005/2010).

Hunderte Menschen sind in unfairen Gerichtsverfahren verurteilt worden. In solchen Schauprozessen hat man mindestens 80 Menschen zu Gefängnisstrafen und mindestens zwölf zum Tode verurteilt. In mindestens einem Fall wurde die Todes- in eine Gefängnisstrafe umgewandelt. Zwei Todesurteile sind am 28. Januar 2010 vollstreckt worden. Iranischen Medienberichten zufolge hat der stellvertretende Leiter der obersten Justizbehörde des Landes, Ebrahim Raisi, die "baldige" Hinrichtung weiterer neun Personen angekündigt, obwohl der Teheraner Staatsanwalt Abbas Ja’fari Dowlatabadi am 3. Februar klarstellte, dass die Urteile der Betroffenen noch anfechtbar seien. Die Verurteilten haben kein faires Gerichtsverfahren erhalten, ihnen wurde zu Beginn ihrer Inhaftierung der Zugang zu einem Rechtsbeistand verweigert, und in nahezu allen Fällen wurden die "Geständnisse" offenbar erzwungen.