Geistlicher festgenommen

Ayatollah Mohammad Taghi Khalaji

Ayatollah Mohammad Taghi Khalaji

Ayatollah Mohammad Taghi Khalaji wurde am 12. Januar im Iran festgenommen und nach Teheran ins Evin-Gefängnis gebracht. Dort wird er ohne Anklage in Einzelhaft gehalten. Der Zugang zu einem Anwalt und Besuche seiner Familie sind ihm verwehrt. Er hatte Anwendung von Gewalt gegen friedliche Demonstrierende kritisiert.

Appell an

RELIGIONSFÜHRER
Ayatollah Sayed 'Ali Khamenei
The Office of the Supreme Leader
Islamic Republic Street – End of Shahid Keshvar Doust Street, Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: info_leader@leader.ir
oder über die Internetseite (Englisch): http://www.leader.ir/langs/en/index.php?p=letter

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadeqh Larijani
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh
(Office of the Head of the Judiciary)
Pasteur St. Vali Asr. Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737
IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)

Sende eine Kopie an

LEITER DER STAATLICHEN MENSCHENRECHTSBEHÖRDE
Mohammad Javad Larijani
Bureau of International Affairs
Office of the Head of Judiciary
Pasteur St. Vali Asr. Ave., south of Serah-e Jomhouri Tehran 1316814737
IRAN
Fax: (00 98) 21 5 537 8827
E-Mail: bia.judi@yahoo.com

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 9. März 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Fordern Sie von den iranischen Behörden die sofortige und bedingungslose Freilassung von Ayatollah Mohammad Taghi Khalaji, da er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der lediglich in friedlicher Weise Kritik gegenüber den Behörden geäußert hat.

  • Dringen Sie bei den Behörden darauf, sicherzustellen, dass er in Haft vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt wird, und dass ihm sofortiger Zugang zu einer anwaltlichen Vertretung seiner Wahl, seiner Familie und eventuell notwendiger medizinischer Versorgung gewährt wird.

  • Erinnern Sie die Behörden daran, dass Iran als Vertragsstaat des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte das Recht auf Meinungsfreiheit, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit zu achten hat.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the Iranian authorities to release Ayatollah Mohammad Taghi Khalaji immediately and unconditionally, as he is a prisoner of conscience solely detained for peacefully expressing views critical of the authorities;

  • Urging them to ensure that, while detained, he is protected from torture and other ill-treatment, and has access to his family, a lawyer of his own choosing, and any medical treatment he may require;

  • Reminding the authorities that, as a state party to the International Covenant on Civil and Political Rights, Iran is obliged to uphold the rights to freedom of expression, assembly and association.

Sachlage

Der 61-jährige Ayatollah Mohammad Taghi Khalaji wurde am 12. Januar 2010 in seinem Zuhause in Qom im Norden des Iran festgenommen. Er war ein Unterstützer des kürzlich verstorbenen bekannten hohen Geistlichen und Regierungskritikers Großayatollah Montazeri.

Nach dem Tod von Großayatollah Montazeri am 20. Dezember 2009 kam es an den religiösen Feiertagen Tasoa und Aschura am 26. und 27. Dezember zu erneuten Protesten gegen die Regierung, die von Sicherheitskräften unter exzessiver Gewaltanwendung unterdrückt wurden. Die Familie von Ayatollah Mohammad Taghi Khalaji berichtete, er habe im Nachgang zu der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juni 2009 mehrere Reden gehalten, in denen er die iranischen Behörden und deren gewaltsames Vorgehen gegen friedlich Demonstrierende kritisierte. Seine jüngste regierungskritische Rede hielt er kurz vor dem Aschura-Fest. Er sprach sich außerdem für eine friedliche Lösung der Spannungen zwischen der Regierung und der Opposition aus. Die iranischen Behörden hatten ihm nach früheren Reden bereits gedroht. Ihm könnte nun ein Gerichtsverfahren vor dem Sondergericht für die Geistlichkeit bevorstehen, das dem Religionsführer untersteht und außerhalb der Zuständigkeit der Justiz fungiert.

Die vier Beamten, die Ayatollah Mohammad Taghi Khalaji festgenommen haben, sind Mitarbeiter des Geheimdienstministeriums. Die Beamten beschlagnahmten auch Bücher, Briefe, einen Computer und die Reisepässe der Familie. Am 20. Januar erhielt die Familie mit Ausnahme von Ayatollah Mohammad Taghi Khalaji ihre Ausweise zurück. Der Familie sollen Strafen angedroht worden sein, wenn sie wegen der Festnahme Beschwerde einlegten. Am 15. Januar hatten Geheimdienstmitarbeiter auch die Wohnung seiner Tochter durchsucht und persönliche Gegenstände beschlagnahmt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Nach der Zerschlagung von Demonstrationen im Zuge der Präsidentschaftswahl im Juni 2009 wurden zahlreiche schiitische Geistliche festgenommen, die die iranischen Behörden zuvor scharf kritisiert und ihnen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen hatten. Der berühmteste jener Kritiker, der öffentlich die Regierung zurecht wies, war Großayatollah Hosseinali Montazeri, der einst Ayatollah Khomeini – dem ersten Religionsführer der Islamischen Republik Iran – nahe stand, jedoch nach den Massenhinrichtungen tausender Andersdenkender in den späten 1980er Jahren mit ihm gebrochen hatte. Großayatollah Montazeri ist am 20. Dezember im Alter von 87 Jahren gestorben. Eine große Menschenmenge nahm an seiner Trauerfeier teil, die zu einer Prostestkundgebung gegen die Regierung wurde. Die iranischen Behörden reagierten darauf mit Gewaltanwendung und zahlreichen Festnahmen. Sicherheitskräfte in Zivil, von denen man annahm, dass sie der paramilitärischen Basij-Miliz angehörten, stürmten die Büros der Geistlichen Ayatollah Yusuf Sane’i und Ayatollah Seyed Ali Mohammad Dastghayb, beide ebenfalls Kritiker der Regierung. Berichten zufolge kam es auch vor Großayatollah Montazeris Haus zu Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Trauernden, die mit Steinen warfen.

Mindestens fünf Menschen, darunter auch MenschenrechtsverteidigerInnen, wurden im Iran auf ihrem Weg zur Beisetzung des Großayatollah Husseinali Montazeri festgenommen. Shiva Nazar Ahari, Kouhyar Goudarzi und Saeed Haeri, alle MenschenrechtsverteidigerInnen und Mitglieder der journalistischen Organisation "Committee of Human Rights Reporters" (CHRR), wurden von Polizeibeamten und Mitarbeitern des Geheimdienstministeriums am 20. Dezember 2009 in Teheran festgenommen. Man hatte sie aus einem Bus heraus geordert, der kurz darauf in die nördlich gelegene Stadt Qom losfahren sollte, in der am 21. Dezember 2009 die Beisetzung des islamischen Geistlichen Großayatollah Hosseinali Montazeri stattfand. Zivilgesellschaftliche AktivistInnen und einige Angehörige von Personen, die nach den umstrittenen Wahlen vom 12. Juni 2009 festgenommen worden waren, befanden sich ebenfalls in dem Bus.

Am 20. Dezember wurden zwei weitere Männer unabhängig voneinander festgenommen. Presseberichten zufolge wurde Ahmad Qabel, ein islamischer Gelehrter und ehemaliger Schüler von Großayatollah Hosseinali Montazeri, gemeinsam mit Familienmitgliedern festgenommen. Er war auf der Reise von der nord-östlich gelegenen Stadt Mashhad nach Qom. Vermutlich wird er in Mashhad festgehalten. Mohammad Nourizad, Filmemacher und früher Journalist bei der Teheraner Tageszeitung Kayhan, wurde ebenfalls festgenommen. Seit der Präsidentschaftswahl im Juni 2009 verfasste er regierungskritische Blogs. Möglicherweise wurde er festgenommen, um ihn daran zu hindern, über Großayatollah Husseinali Montazeri zu schreiben (mehr dazu in UA-347/2009).

Die iranische Regierung hat alle Versammlungen außerhalb der Stadt Qom während der Beisetzung von Großayatollah Hussein Montazeri verboten. Bei einer nicht genehmigten Trauerfeier zu Ehren Großayatollah Montazeris am 23. Dezember 2009 in Isfahan nutzten die Polizeikräfte Tränengas und Pfefferspray um die Menge aufzulösen und verhafteten mehrere hundert Menschen. Am 27. Dezember, dem siebten Tag nach dem Tod von Großayatollah Montazeri und am Tag des Aschura-Festes der schiitischen Muslime haben landesweit hunderttausende Menschen auf den Straßen demonstriert, in Teheran und in anderen großen Städten, wie Mashhad, Esfahan, Shiraz, Tabriz und Qom. Hunderte wurden festgenommen, einige sogar getötet. Die iranischen Behörden bestätigten zu unterschiedlichen Zeiten zwischen acht und 15 Tote, später wurde die Zahl auf sieben Tote reduziert.

Am 20. Dezember wurden zwei weitere Männer unabhängig voneinander festgenommen. Presseberichten zufolge wurde Ahmad Qabel, ein islamischer Gelehrter und ehemaliger Schüler von Großayatollah Hosseinali Montazeri, gemeinsam mit Familienmitgliedern festgenommen. Er war auf der Reise von der nord-östlich gelegenen Stadt Mashhad nach Qom. Vermutlich wird er in Mashhad festgehalten. Mohammad Nourizad, Filmemacher und früher Journalist bei der Teheraner Tageszeitung Kayhan, wurde ebenfalls festgenommen. Seit der Präsidentschaftswahl im Juni 2009 verfasste er regierungskritische Blogs. Möglicherweise wurde er festgenommen, um ihn daran zu hindern, über Großayatollah Husseinali Montazeri zu schreiben (mehr dazu in UA-347/2009).

Die iranischen Behörden haben geäußert, dass aufständische Demonstrierende und solche die Gewalttaten wie beispielsweise Brandstiftung verüben, eine Anklage wegen "Feindschaft zu Gott" (moharebeh) zu erwarten hätten – eine Straftat für die die Todesstrafe verhängt werden kann. Am 18. Januar begann das Gerichtsverfahren gegen fünf Personen, deren Namen nicht bekannt sind und die in Verbindung mit den Protestkundgebungen am Aschura-Fest der "Feindschaft zu Gott" angeklagt wurden.

Laut der Internetseite Jaras sind seit Beginn der Demonstrationen mehr als 180 JournalistInnen, MenschenrechtsverteidigerInnen und Mitglieder oppositioneller Parteien, die dem Oppositionsführer Hossein Mussavi nahe standen, sowie Anhänger des ehemaligen Präsidenten Khatami festgenommen worden. Darunter ist auch Emaddedin Baghi, Träger des Martin Ennals-Menschenrechtspreises (s. UA-005/2010).

Nähere Informationen zu den Ereignissen nach der Wahl finden Sie auf Englisch unter Iran: Election contested, Repression compounded (Index MDE 13/123/2009), Dezember 2009, http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE13/123/2009/en.