Elf Todesurteile verhängt
Am 14. Januar ist im Irak gegen elf Personen die Todesstrafe verhängt worden. Die Verurteilten sollen für eine Bombenexplosion in der irakischen Hauptstadt Bagdad im August 2009 verantwortlich sein, bei der zahlreiche Menschen verletzt und getötet wurden. Unter den Opfern befanden sich auch Zivilpersonen. Ziel der Anschläge waren zwei Regierungsgebäude. Da der Fall große Beachtung in der Öffentlichkeit findet, sind die Betroffenen in Gefahr, innerhalb weniger Wochen hingerichtet zu werden.
Appell an
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle an die irakische
Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung an:
PRÄSIDENT
President
Jalal Talabani
(korrekte Anrede: Your Excellency)
VIZEPRÄSIDENT
Tariq al-Hashimi
(korrekte Anrede: Your Excellency)
VIZEPRÄSIDENT
'Adil 'Abdul Mahdi
(korrekte Anrede: Your Excellency)
MINISTERPRÄSIDENT
Prime Minister
Nuri Kamil al-Maliki
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER REPUBLIK IRAK
S. E. Herrn Alaa A. Hussain Al-Hashimy
Riemeisterstraße 20
14169 Berlin
Fax: 030-8148 8222
E-Mail: info@iraqiembassy-berlin.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Fordern Sie die Behörden auf, die Todesurteile, die vom zentralen Strafgericht des Irak am 14. Januar 2010 gegen elf Menschen verhängt wurden, umzuwandeln. Dringen Sie außerdem darauf, dass alle anstehenden Hinrichtungen umgehend gestoppt und sämtliche Todesurteile umgewandelt werden.
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Fordern Sie von den Behörden die vollständigen Namen der elf Verurteilten und genaue Angaben über die gegen sie erhobenen Anklagen.
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Äußern Sie sich besorgt darüber, dass die elf Verurteilten möglicherweise ein unfaires Gerichtsverfahren erhalten haben, da Urteile des zentralen Strafgerichts des Irak schon mehrfach auf durch Folter erpressten "Geständnissen" beruhten.
- Fordern Sie von den Behörden ein sofortiges Hinrichtungsmoratorium.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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urging the authorities to commute the death sentences imposed on 11 people by the ICCC on 14 January, and all other death sentences;
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requesting the full names of the 11 defendants in this case, and details of the charges against them;
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expressing concern that they may have had an unfair trial, as other convictions by the ICCC have been based on confessions extracted through torture;
- calling for a moratorium on executions.
Sachlage
Am 14. Januar 2010 verurteilte das zentrale Strafgericht des Irak in Bagdad Salem 'Abd Jassim, Wissam 'Ali Kadhem Ibrahim, Ishaq Mohammad 'Abbas und seinen Bruder Mostafa Mohammad 'Abbas, Firas 'Abdallah Fathi und 'Assem Mazen Hussain sowie fünf weitere Personen, deren Identität unbekannt ist, zum Tode. Sie wurden schuldig befunden, Bombenanschläge geplant, finanziert und durchgeführt zu haben. Am 19. August 2009 waren zwei mit Sprengstoff beladene Lastwagen in der Nähe des Finanz- und des Außenministeriums explodiert. Dabei wurden mindestens 95 Menschen getötet und mehr als 1000 verletzt. Die Fälle sind bereits an das Kassationsgericht weitergeleitet worden. Es kann die Todesurteile entweder aufrecht erhalten oder die Fälle zur Überprüfung an das zentrale Strafgericht zurückverweisen. Sollten das Kassationsgericht und der irakische Präsidialrat die Todesurteile bestätigen, könnten die elf Verurteilten umgehend hingerichtet werden. Dieser Prozess könnte innerhalb weniger Wochen abgeschlossen sein.
Amnesty International liegen nur sehr wenige Informationen über die Gerichtsverfahren gegen die elf Personen vor. Medienberichten zufolge fanden die Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Presse statt und waren innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen. Amnesty International liegen Informationen vor, denen zufolge Prozesse vor dem zentralen Strafgericht des Irak immer wieder gegen internationale Standards für faire Gerichtsverfahren verstoßen. Nach Aussagen von Angeklagten werden "Geständnisse", die von ihnen durch Folter erpresst wurden, während man sie ohne Kontakt zur Außenwelt in Untersuchungshaft hielt, üblicherweise vor Gericht als Beweismittel gegen sie verwendet. Bislang ist nicht bekannt, ob die in diesem Fall Betroffenen auch derartige Foltervorwürfe erhoben haben und ob diese gegebenenfalls vom Gericht untersucht wurden. In einigen Fällen wurden die vermeintlichen "Geständnisse" von Angeklagten im irakischen Staatsfernsehen ausgestrahlt. Am 23. August 2009 wurde in einem irakischen Fernsehsender ein Video gezeigt, in dem einer der zum Tode Verurteilten, Wissam 'Ali Kadhem Ibrahim, "gestand", an der Planung einer der beiden detonierten Autobomben beteiligt gewesen zu sein.
Hintergrundinformation
Die Todesstrafe wurde im Jahr 2003 ausgesetzt, als der Irak von Koalitionsstreitkräften unter Führung der USA besetzt war. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe im August 2004 sind zahlreiche Todesurteile verhängt worden. Hunderte Menschen sind seitdem hingerichtet worden. Berichten zufolge befinden sich derzeit mehr als 900 Menschen im Todestrakt, darunter 17 Frauen. Die Betroffenen sollen bereits alle verfügbaren Rechtsmittel ausgeschöpft haben. Im vergangenen Jahr sind im Irak mindestens 120 Menschen hingerichtet worden. Die Dunkelziffer könnte jedoch weit höher liegen, da es über die Zahl der Häftlinge im Todestrakt keine offiziellen Angaben gibt.