Drohende Hinrichtung
Am 20. Januar soll im US-Bundesstaat Delaware Robert Gattis wegen eines 1990 begangenen Mordes hingerichtet werden. Zum Zeitpunkt des Verbrechens war er 27 Jahre alt, heute ist er 49. Er sitzt bereits seit über 20 Jahren in der Todeszelle. Nun hat er ein Gnadengesuch eingereicht und beantragt die Umwandlung des Todesurteils.
Appell an
BEGNADIGUNGSSAUSSCHUSS VON DELAWARE
Fax: (001) 302 739 3811
E-Mail: pardons@state.de.us
Anrede: Sehr geehrte Ausschussmitglieder
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle sofort, so dass sie noch vor dem 20. Januar 2012 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE, FAXE ODER E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich möchte meine Besorgnis darüber ausdrücken, dass weder die Richter noch die Geschworenen Kenntnis von Robert Gattis Vergangenheit hatten.
- Bitte empfehlen Sie Gouverneur Jack Markell, das gegen Robert Gattis verhängte Todesurteil umzuwandeln.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Expressing concern that the judge and jury never heard compelling evidence about Robert Gattis’s background;
- Calling on the Board of Pardons to recommend that Governor Jack Markell grant clemency to Robert Gattis.
Sachlage
Die 27-jährige Shirley Slay wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1990 gegen Mitternacht durch einen Kopfschuss in ihrer Wohnung getötet. Robert Gattis, mit dem sie eine sechsjährige Beziehung hatte, stellte sich am nächsten Tag selbst der Polizei und wurde des Mordes angeklagt. Die Gerichtsverhandlung fand im Jahr 1992 statt, dabei plädierten zehn der Geschworenen für die Todesstrafe wegen Mordes. Nur zwei stimmten gegen das Todesurteil. Am 29. Oktober 1992 verurteilte der Richter Robert Gattis zum Tode und erklärte, "nach Beurteilung sämtlicher Umstände, sowohl erschwerender als auch mildernder, wird in diesem Fall keine Gnade gewährt."
Zwei Jahrzehnte später wurde jetzt beim Begnadigungsausschuss von Delaware ein Gnadengesuch eingereicht, in dem die Umwandlung des Todesurteils in eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Bewährung beantragt wird. In dem Gnadengesuch wird geltend gemacht, dass die Geschworenen und die Richter kaum Kenntnis über Robert Gattis "entsetzliche Vergangenheit" hatten. Er war laut dem Gnadengesuch "während seiner gesamten Kindheit extremen und fortwährenden sexuellen und physischen Misshandlungen ausgesetzt, einem Missbrauch, der sich nach Angaben von Experten 'verhängnisvoll’ auf seine Entwicklung auswirkte". Ein forensischer Psychologe analysierte Robert Gattis Vergangenheit, die von Missbrauch, Vernachlässigung, Armut und Entbehrung geprägt war und auch seine Selbstverletzungen und Suizidversuche und stellte fest, dass Robert Gattis aufgrund des Missbrauchs in seiner Kindheit unter anderem an posttraumatischen Belastungsstörungen und schwerer Depression leidet.
Diese Informationen wurden jedoch erst im Jahr 2006 aufgedeckt, nachdem alle Rechtsmittel, die Robert Gattis zur Verfügung standen, ausgeschöpft waren. Im Jahr 2009 stellten seine AnwältInnen aufgrund der neuen Informationen bei einem US-Bundesgericht einen Antrag auf Überprüfung. Der Anwalt von Robert Gattis, der ihn seit über einem Jahrzehnt in den Berufungsverfahren vor bundesstaatlichen und Bundesgerichten vertreten hatte, äußerte, er sei "sehr geschockt" über den exzessiven Missbrauch seines Klienten. Er räumte ein, die Informationen nicht "gründlich ermittelt, aufgedeckt und präsentiert" zu haben. Zudem sagte er, dass seine enge berufliche und persönliche Verbindung zu einem der Strafverteidiger "aller Wahrscheinlichkeit nach seine Beurteilung der Verteidigung von Robert Gattis beeinflusst habe. Das US-Bundesberufungsgericht lehnte den Antrag ab und argumentierte, die Informationen hätten bereits vorher durch eine "erforderliche Sorgfalt" aufgedeckt werden können.
Laut dem Gnadengesuch hat Robert Gattis für die Tat "stets Reue" sowie "fortwährende Bereitschaft zur Rehabilitierung" gezeigt, was durch seinen positiven Einfluss auf jüngere Haftinsassen und den Umgang mit seinen beiden Söhnen deutlich geworden sei. Ein Experte für männliche Missbrauchsopfer sagte "sein aktuelles Verhalten zeigt einen Ansatz von der Person, die Robert hätte sein können, wenn er als Kind Möglichkeiten der angemessenen Intervention erfahren hätte". Vier frühere Gefängniswärter, die Robert Gattis kannten, unterstützen sein Gnadengesuch. Der Gouverneur von Delaware, Jack Markell, kann die Hinrichtung aussetzen, jedoch ohne die Zustimmung des Begnadigungsausschusses das Todesurteil nicht umwandeln. Der Begnadigungsausschuss hat für den 9. Januar 2012 eine Anhörung angesetzt, die Entscheidung wird kurz danach erwartet.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE, FAXE ODER E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich möchte meine Besorgnis darüber ausdrücken, dass weder die Richter noch die Geschworenen Kenntnis von Robert Gattis Vergangenheit hatten.
- Bitte empfehlen Sie Gouverneur Jack Markell, das gegen Robert Gattis verhängte Todesurteil umzuwandeln.
[APPELLE AN]
BEGNADIGUNGSSAUSSCHUSS VON DELAWARE
Fax: (001) 302 739 3811
E-Mail: pardons@state.de.us
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KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
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Bitte schreiben Sie Ihre Appelle sofort, so dass sie noch vor dem 20. Januar 2012 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.
[HINTERGRUNDINFORMATIONEN AUF ENGLISCH]
Under Delaware law, "extreme emotional distress" is a recognized defence to capital murder. In 2009, the lawyers who had uncovered the history of abuse in Robert Gattis’s childhood and adolescence presented this information to the trial lawyers and the mental health experts they had consulted before the trial. One of the experts said that if he been aware of Gattis’s life history, "I would have concluded that Mr Gattis was likely under the influence of extreme emotional distress at the time of the offense". Another of the experts similarly stated that the new information demonstrated that "Mr Gattis’s formative years were characterized by extreme sexual, physical and emotional abuse, in addition to poverty, neglect and abandonment… Mr Gattis’s background and consequent emotional and mental deficits support a mental health defense to first-degree capital murder (extreme emotional disturbance)". A third expert wrote that if he had been provided with the information about Robert Gattis’s background, he would have looked for evidence of whether the defendant was "under the influence of extreme emotional distress at the time of his offense, as both a guilt phase and penalty phase defense".
In a statement signed on 13 April 2009, the trial lawyer who had been responsible for investigating Robert Gattis’s background said that "these new materials reveal that Mr Gattis’s life was far more traumatic and chaotic than I previously realized", and that if he could try the case again, he would develop and present the "compelling defense" of "extreme emotional distress". He added that at the time the lawyers had not had "any formal training on how to defend a capital defendant", and that he now recognized that "the manner in which we handled capital cases at the time of Mr Gattis’s trial was inadequate". The lawyer who had represented Robert Gattis for more than 10 years during the appeal process admitted that he was "frankly shocked to learn of the poverty, abuse, dysfunction, sexual improprieties and trauma suffered by my client". He said it put the case in "an entirely different light", light that was "stunning in its scope and profound in regard to missed opportunities at his trial and in his post-conviction proceedings."
The death penalty in the USA is marked by arbitrariness, discrimination and error. The USA appears gradually to be turning against this punishment. There were 43 executions in the USA in 2011, compared to 46 in 2010 and 52 in 2009. A more marked decline can be seen in the annual death sentencing total which has fallen by about two-thirds since the mid-1990s. In 2011, the number of death sentences passed during the year fell below 100 for the first time since executions resumed in 1977, according to the Death Penalty Information Center.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern that the judge and jury never heard compelling evidence about Robert Gattis’s background;
- Calling on the Board of Pardons to recommend that Governor Jack Markell grant clemency to Robert Gattis.