Journalist gefoltert

Demonstrierende in Bahrain

Demonstrierende in Bahrain

Der bahrainische Fotojournalist Ahmad Fardan wurde am 26. Dezember bei sich Zuhause festgenommen. Am 1. Januar ordnete die Staatsanwaltschaft eine 45-tägige Untersuchungshaft wegen "beabsichtigter Teilnahme an Versammlungen" an. Während des Verhörs wurde er gefoltert.

Appell an

KÖNIG
Shaikh Hamad bin 'Issa Al Khalifa
Office of His Majesty the King
P.O. Box 555
Rifa’a Palace
al-Manama
BAHRAIN
(Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 973) 1766 4587

INNENMINISTER
Shaikh Rashid bin 'Abdullah Al Khalifa
Ministry of Interior
P.O. Box 13
al-Manama
BAHRAIN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 973) 1723 2661
Twitter: @moi_Bahrain

Sende eine Kopie an

MINISTER FÜR JUSTIZ UND ISLAMISCHE ANGELEGENHEITEN
Shaikh Khalid bin Ali bin Abdullah Al Khalifa
Ministry of Justice and Islamic Affairs
P.O. Box 450
al-Manama
BAHRAIN
Fax: (00 973) 1753 1284
E-Mail: minister@justice.gov.bh
Twitter: @Khaled_Bin_Ali

BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS BAHRAIN
S. E. Herrn Ebrahim Mohmood Ahmed Abdulla
Klingelhöfer Str. 7
10785 Berlin
Fax: 030-8687 7788
E-Mail: info@bahrain-embassy.de oder über die Website
http://www.bahrain-embassy.de/kontakt/

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. Februar 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, TWITTERNACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie Ahmad Fardan unverzüglich und bedingungslos frei, falls er sich nur wegen der friedlichen Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung in Haft befindet.

  • Leiten Sie bitte dringend eine unparteiische und unabhängige Untersuchung der Berichte ein, nach denen Ahmad Fardan gefoltert wurde, und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

  • Ich fordere Sie höflich auf, gemäß der internationalen menschenrechtlichen Verpflichtungen Bahrains die Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit zu wahren. Hierzu zählt auch die Freiheit, Informationen zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to release Ahmad Fardan immediately and unconditionally, if he is being held solely for peacefully exercising his right to freedom of expression.

  • Calling on them to order an impartial and independent investigation into his reported torture and bring those responsible to justice.

  • Urging them to uphold the rights to freedom of expression, association and assembly, including the freedom to seek, receive and impart information, in line with Bahrain’s international human rights obligations.

Sachlage

Ahmad Fardan arbeitet als Fotograf für die Agenturen Nur Photo, Demotix und Sipa. Er wurde am 26. Dezember um 2:30 Uhr morgens bei einer Razzia seines Hauses in der Ortschaft Abu Saibah westlich der Hauptstadt Manama festgenommen. Die BeamtInnen wiesen keinen Haftbefehl vor und beschlagnahmten seinen Computer und seine Fotoapparate. Ahmad Fardan wurde ohne Kontakt zur Außenwelt bei der Kriminalpolizei (Criminal Investigations Directorate – CID) in Manama festgehalten. Während des Verhörs wurde er so lange geschlagen, bis er in Ohnmacht fiel. Eine Röntgenuntersuchung im Salmaniya-Krankenhaus ergab, dass zwei seiner Rippen gebrochen waren. Tags darauf wurde Ahmad Fardan in das Gefängniskrankenhaus al-Qal’a verlegt, wo er bis zum 31. Dezember verblieb. In dieser Zeit durfte er zwei Mal zehn Sekunden lang mit seiner Familie telefonieren.

Ahmad Fardan erschien am 1. Januar ohne seinen Rechtsbeistand vor der Staatsanwaltschaft. Dort wurde eine 45-tägige Untersuchungshaft wegen "beabsichtigter Teilnahme an Versammlungen" angeordnet. Daraufhin wurde er in das Dry-Dock-Gefängnis in Manama überstellt, wo ihn seine Familie zum ersten Mal am 5. Januar besuchen durfte.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Ahmad Fardan dokumentiert mit seiner Kamera die Demonstrationen in Bahrain. Im Jahr 2013 gewann er den alljährlichen Fotowettbewerb von Freedom House, welcher Bilder der Unterdrückung und der Freiheit zum Thema hatte. Freedom House ist eine NGO mit Sitz in den USA, die sich für Demokratie, politische Freiheit und Menschenrechte einsetzt.

Die Unabhängige Untersuchungskommission Bahrains (Bahrain Independent Commission of Inquiry – BICI), die am 29. Juni 2011 vom König benannt wurde, ist damit beauftragt worden, während der Proteste 2011 begangene Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen und einen Bericht zu erstellen. Nach der Veröffentlichung dieses Berichts im November 2011 verpflichtete sich die bahrainische Regierung öffentlich zur Umsetzung der darin enthaltenen Empfehlungen. Der Bericht beleuchtete die Reaktion der Regierung auf die Massenproteste und dokumentierte weitreichende Menschenrechtsverletzungen. In einer der Schlüsselempfehlungen forderte der Bericht die Regierung auf, die Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen wie Folter und exzessive Gewaltanwendung vor Gericht zu stellen und unabhängige Untersuchungen zu Foltervorwürfen durchzuführen.

Auch zwei Jahre nach Veröffentlichung des Berichts durch die BICI hat die Regierung die Schlüsselempfehlungen nicht umgesetzt. Es befinden sich immer noch gewaltlose politische Gefangene in Haft – darunter auch Demonstrierende, die während der Proteste festgenommen wurden. Die Rechte auf freie Meinungsäußerung sowie Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit werden weiterhin unterdrückt. Es ist vermehrt zu Inhaftierungen von Personen gekommen, die auf Twitter oder bei Demonstrationen friedlich ihre Meinung geäußert haben. Bahrainische Gerichte scheinen stärker darauf bedacht zu sein, sich der Regierung unterzuordnen, als wirksame Rechtsmittel für BahrainerInnen anzubieten und die Rechtsstaatlichkeit aufrechtzuerhalten.

Die Einberufung der BICI und ihr Bericht wurden als bahnbrechende Initiative angesehen, doch nach fast zwei Jahren ist das Versprechen bedeutender Reformen von der Regierung immer noch nicht in die Tat umgesetzt worden. Die bahrainische Regierung kommt den wesentlichen Empfehlungen der BICI zur Rechenschaftslegung nicht nach. Dazu zählt ihr Versagen, unabhängige, zielgerichtete und transparente Untersuchungen der Vorwürfe über Folter und andere Misshandlungen sowie exzessive Gewaltanwendung durchzuführen und die Strafverfolgung all derjenigen Personen zu veranlassen, die Befehle gegeben haben, aufgrund derer Menschenrechtsverletzungen begangen wurden. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem englischsprachigen Bericht Bahrain: Reform shelved, repression unleashed (Index: MDE 11/062/2012), vom November 2012 unter http://amnesty.org/en/library/info/MDE11/062/2012/en.

Das Parlament von Bahrain trat am 28. Juli 2013 zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen und legte dem König von Bahrain, Scheich Hamad bin 'Issa Al Khalifah, anschließend 22 Empfehlungen vor. Diese sehen eine Verschärfung der im Antiterrorgesetz von 2006 festgelegten Strafen vor. Wenige Tage darauf erließ der König mehrere Dekrete, mit denen das Recht auf freie Meinungsäußerung weiter eingeschränkt wurde. Unter anderem sahen die Dekrete ein zeitlich unbefristetes Verbot aller Proteste, Sitzstreiks und öffentlicher Versammlungen in Manama vor und erteilten den Sicherheitskräften zusätzliche weitreichende Befugnisse.
In einer gemeinsamen Erklärung an die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte vom 9. September 2013 zur Menschenrechtslage in Bahrain, die 47 Staaten unterzeichnet haben, äußerten diese ihre Besorgnis über die fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen in Bahrain.