Tunesien in Aufruhr - Auf Willkür und Gewalt müssen endlich Aufklärung und Recht folgen
BERLIN, 01.03.2011 - "Nichts wird meinen Sohn zurückbringen. Aber es muss untersucht werden, wer ihn erschossen hat und wer den Befehl gab, ihn zu erschießen", fordert Mansour al-`Iari, Vater des 21jährigen Thabet, der am 13. Januar bei einer Demonstration in Tunis erschossen wurde.
Diese und ähnliche Aussagen haben Mitarbeiter von Amnesty International auf ihrer Ermittlungsreise nach Tunesien im Januar dokumentiert. Den Bericht "Tunisia in Revolt: State Violence during Anti Government Protests" haben die Amnesty-Researcher heute in Tunis vorgestellt.
"Die Folter- und Tötungsvorwürfe müssen so schnell wie möglich unabhängig untersucht werden. Die Täter und Verantwortlichen gehören vor Gericht", fordert Ruth Jüttner, Nordafrika-Expertin von Amnesty International in Deutschland. "Mehr als 20 Jahre haben in Tunesien Willkür und Gewalt geherrscht. Die neue Regierung muss jetzt beweisen, dass sie den Wandel ernst meint."
Demonstranten, Angehörige, Anwälte, Menschenrechtsverteidiger und medizinisches Personal berichteten Amnesty, wie brutal Polizisten und Sicherheitskräfte bei den Protesten gegen die Regierung Ben Ali gegen Demonstrierende vorgingen. So sollen Einzelne teilweise von hinten erschossen oder regelrecht hingerichtet worden sein. Auf Polizeiwachen und in Gefängnissen sollen Inhaftierte systematisch geschlagen und misshandelt worden sein.
Den Bericht "Tunisia in Revolt: State Violence during Anti Government Protests" (39 Seiten, in Englisch) finden Sie hier (auch verfügbar in Spanisch, Französisch und Arabisch)