USA: ICE muss Krankenakten herausgeben!

Demonstrationszug in einer Stadt mit hohen Gebäuden in der Dämmerung.

Anabell war von Februar bis Oktober im Gewahrsam der Einwanderungsbehörde ICE. Dort hatte sie eine Fehlgeburt und bekam nicht die medizinische Hilfe, die sie brauchte. Obwohl sie inzwischen frei ist, hat sie weiterhin gesundheitliche Probleme. Sie braucht ihre Krankenakten, um zu erfahren, wie sie behandelt wurde. Doch ICE gibt ihr die Unterlagen nicht.

Setzt euch ein für Anabell!

Bereits bei "Mein Amnesty" registriert? Dann bitte hier anmelden.
Meine Profildaten (Vorname, erster Buchstabe des Nachnamens) dürfen bei Aktionsteilnahme angezeigt werden.

Ja, ich will mich für die Menschenrechte einsetzen und stimme zu, dass die Initialen meines Vornamens und Nachnamens bei Aktionsteilnahme an den Adressaten übermittelt und diesem angezeigt werden. Ich bin mir bewusst, dass in Drittstaaten oft kein mit dem europäischen Datenschutz vergleichbarer Schutz meiner personenbezogenen Daten gegeben ist und dass mit der Offenlegung ggf. Rückschlüsse auf meine politische Meinung möglich sind. Meine Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen, jedoch nur mit Wirkung für die Zukunft. Weitere Hinweise in unseren Datenschutzhinweisen.

Hinweis: Vielen Dank für deine Unterstützung. Deine Kontaktdaten (E-Mail-Adresse, Anschrift und optional Telefonnummer) verwenden wir auch, um dir aktuelle Informationen über Menschenrechte und unsere Arbeit sowie die unserer Netzwerkpartner zuzuschicken, Veranstaltungen anzukündigen und zur Teilnahme an Aktionen, Petitionen oder zu Spenden aufzurufen. Du kannst dich jederzeit kostenlos und einfach von unseren Newslettern abmelden. Klicke dazu einfach auf den Abmeldelink in den Nachrichten (E-Mail oder WhatsApp), oder schreibe uns an info@amnesty.de. Mehr Informationen findest du in unseren Datenschutzhinweisen.

Dein Appell

In welcher Sprache möchtet du den Brief verschicken? Bitte auswählen

Sehr geehrter Herr Sam Olson, 

die nicaraguanische Asylsuchende Anabell wurde am 25. Februar von ICE festgenommen. Später entschied ein Gericht, dass die Festnahme rechtswidrig war. Am 30. Oktober wurde sie freigelassen. 

Während ihrer Haft im Campbell County Detention Center (CCDC) erfuhr Anabell, dass sie schwanger war. Die medizinische Versorgung war jedoch unzureichend. Sie bekam keine Vitamine für Schwangere und wurde nicht regelmäßig untersucht. Obwohl sie starke Schmerzen und Blutungen hatte, musste sie weiter schwere Dinge tragen. Mehrmals bat sie um Hilfe, erhielt aber keine. Erst Ende März wurde sie in ein Krankenhaus gebracht. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits starke Blutungen und große Schmerzen. Dort erlitt sie eine Fehlgeburt. 

Auch nach der Fehlgeburt hatte Anabell weiterhin gesundheitliche Probleme, darunter Schmerzen, Taubheitsgefühle, Erbrechen und Haarausfall. Bis heute wurde sie nicht umfassend darüber informiert, welche Behandlung sie erhalten hat. Ihre Anwält*innen beantragten bereits im April und Juni die Herausgabe der Krankenakten. Auch Kongressabgeordnete setzten sich später dafür ein. Trotzdem hat Anabell die Unterlagen bis heute nicht erhalten.

Ich bitte Sie, dafür zu sorgen, dass sie sofort ihre vollständigen Krankenakten erhält. Der Zugang zu den eigenen medizinischen Daten ist wichtig, um vergangene Behandlungen nachvollziehen, eine angemessene Nachsorge erhalten und gegebenenfalls Rechenschaft einfordern zu können. 

Mit freundlichen Grüßen

Dear Field Office Director Sam Olson, 

I am writing to urge you to immediately provide Anabell, a Nicaraguan asylum seeker, with her complete medical records. I am deeply concerned that, after suffering a miscarriage and other serious health issues while in detention at the Campbell County Detention Center (CCDC), Anabell and her lawyers continue to be denied access to records concerning her medical care. Without these records, Anabell is unable to fully understand what treatment she received or what occurred during her hospitalization.  

Anabell learned that she was pregnant after being unlawfully detained, taking two pregnancy tests with positive results, yet she was not given any prenatal care or prenatal vitamins despite federal policies requiring them. As I am sure you are aware, pregnancy requires consistent medical care, medication management, and monitoring. It is alarming to learn that, while in ICE custody, Anabell received little to no prenatal healthcare. She was made to carry heavy items despite experiencing severe pain and vaginal bleeding, and repeatedly informed CCDC staff of her health concerns to no avail. In late March, she submitted an urgent medical request describing severe vaginal bleeding and significant pain. After detailing these life-threatening symptoms and pleading for help, Anabell was finally taken to an outside hospital for a miscarriage.  

Distressingly, despite the seriousness of her condition, Anabell received no information about the care she was provided. Following her return from the hospital, she experienced ongoing pain, numbness, vomiting, and hair loss. Her attorneys requested her medical records in April and again in June, and Members of Congress also requested them in July. To date, ICE continues to refuse to provide Anabell and her lawyers with her medical records.  

As Anabell has since been released from ICE detention, after a judge found her arrest to be unlawful, I implore you to ensure that Anabell is immediately provided with her complete medical records without further delay. Access to one’s own medical information is essential to understanding past treatment, obtaining appropriate follow-up care, and seeking accountability where necessary.  

Yours sincerely,

Du möchtest dein Schreiben lieber per Brief, Fax oder mit deinem eigenen E-Mail-Programm versenden?

Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.

Du hast Probleme beim Ausdrucken des Briefes? Dann klicke bitte hier.

Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.

Bitte abschicken bis: 01.04.2027

Appell an

Sam Olson
ICE Field Office Director, Enforcement and Removal Operations (ERO)
Chicago Field Office
101 W Ida B Wells Drive, Suite 4000
Chicago, IL 60605
USA

Sende eine Kopie an

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Alan D. Meltzer
Geschäftsträger a.i.
Clayallee 170
14195 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: BerlinPCO@state.gov 

Amnesty fordert:

  • Ich bitte Sie, dafür zu sorgen, dass sie sofort ihre vollständigen Krankenakten erhält. Der Zugang zu den eigenen medizinischen Daten ist wichtig, um vergangene Behandlungen nachvollziehen, eine angemessene Nachsorge erhalten und gegebenenfalls Rechenschaft einfordern zu können. 

Sachlage

Anabell ist Asylsuchende aus Nicaragua. Am 25. Februar wurde sie bei einer Routinekontrolle von ICE festgenommen. Später entschied ein Gericht, dass die Festnahme rechtswidrig war. Am 30. Oktober wurde sie freigelassen.

Während ihrer Haft erfuhr Anabell, dass sie schwanger war. Die medizinische Versorgung war jedoch unzureichend. Sie bekam keine Vitamine für Schwangere und wurde nicht regelmäßig untersucht. Obwohl sie starke Schmerzen und Blutungen hatte, musste sie weiter schwere Dinge tragen. Mehrmals bat sie um Hilfe, erhielt aber keine. Erst Ende März wurde sie in ein Krankenhaus gebracht. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits starke Blutungen und große Schmerzen. Im Krankenhaus erlitt sie eine Fehlgeburt.

Auch danach hatte Anabell weiterhin gesundheitliche Probleme, darunter Schmerzen, Taubheitsgefühle, Erbrechen und Haarausfall. Bis heute wurde sie nicht umfassend darüber informiert, welche Behandlung sie erhalten hat. Ihre Anwält*innen beantragten bereits im April und Juni die Herausgabe der Krankenakten. Auch Kongressabgeordnete setzten sich später dafür ein. Trotzdem hat Anabell die Unterlagen bis heute nicht erhalten.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Angehörige der US-Einwanderungsbehörde nehmen immer wieder Schwangere und/oder Stillende fest und schieben sie ab. Die verfügbaren Daten und Berichte deuten darauf hin, dass bestehende Schutzvorschriften in der Praxis nicht konsequent umgesetzt werden. Schwangere werden oft nicht angemessen betreut. Zwischen dem 1. Januar 2025 und dem 16. Februar 2026 hat die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) mindestens 363 Schwangere und/oder Stillende abgeschoben. Dies geht aus Daten hervor, die das Ministerium für Innere Sicherheit (Department of Homeland Security – DHS) nach einer Anfrage des Senats veröffentlicht hat. Mitte Februar 2026 befanden sich noch 2.686 Schwangere in ICE-Gewahrsam, darunter neun im letzten Schwangerschaftsdrittel. Bis Ende September 2025 sollen sich in der Abschiebehaft mindestens 16 Fehlgeburten ereignet haben. Das DHS räumte zudem ein, dass es nicht lückenlos erfasst habe, wieviel Stillende sich in Gewahrsam befinden. In weiteren 498 Fällen, in denen Schwangere und/oder Stillende betroffen waren, kannte die ICE den Ausgang der jeweiligen Verfahren nicht. Damit blieb unklar, ob die Betroffenen abgeschoben, aus der Haft entlassen und/oder medizinisch versorgt worden waren. Dass die ICE keine lückenlosen Aufzeichnungen über die Unterbringung, die medizinische Versorgung und den weiteren Verbleib von Hunderten Schwangeren und/oder Stillenden vorlegen kann, untergräbt die Transparenz und Rechenschaftspflicht der Behörde massiv.

Die vorliegenden Erkenntnisse werfen die Frage auf, ob Schwangere und/oder Stillende in Abschiebehaft angemessen medizinisch versorgt werden. Untersuchungen und Berichte verschiedener Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International, haben Mängel beim Zugang zu rechtzeitiger und angemessener Schwangerschaftsvorsorge, Geburtshilfe und Nachsorge aufgezeigt. Die Inhaftierung schwangerer Personen in Einrichtungen, die keine angemessene und kontinuierliche medizinische Versorgung gewährleisten können, setzt sie erhöhten und potenziell vermeidbaren Risiken für ihre Gesundheit sowie gegebenenfalls für die Gesundheit ihrer Föten und Neugeborenen aus. Das Festhalten an Inhaftierungsmaßnahmen trotz Alternativen, die es den Betroffenen ermöglichen würden, während des laufenden Einwanderungsverfahrens in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben, ist besorgniserregend. Schwangere und/oder Stillende könnten oft unter weniger restriktiven Auflagen freigelassen werden. Dennoch greifen die Einwanderungsbehörden weiterhin auf Inhaftierungen und in einigen Fällen auf Abschiebungen zurück. 

Amnesty International und andere Menschenrechtsorganisationen sind zu dem Schluss gekommen, dass die Inhaftierung und Abschiebung von Schwangeren, Wöchner*innen und stillenden Personen nicht nur als einzelne Verwaltungsfehler zu betrachten sind. Sie stehen vielmehr im Kontext einer umfassenderen Politik, bei der Inhaftierung und Abschiebung zunehmend Vorrang vor einer individuellen Beurteilung der Gesundheit, der Schutzbedürftigkeit und des Familienzusammenhalts haben. Vorhersehbare Gesundheitsschäden scheinen durch die unzureichende medizinische Versorgung und Überwachung sowie durch die inkonsequente Umsetzung bestehender Schutzmaßnahmen (wie die Einschränkung der Inhaftierung besonders schutzbedürftiger Personen) noch verschärft zu werden. Die Inhaftierung von Schwangeren, Wöchner*innen und stillenden Personen unter Umständen, die den Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung beeinträchtigen könnten, die Trennung von Säuglingen von ihren Eltern sowie die Abschiebung von Schwangeren im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft geben Anlass zu ernsthaften Bedenken im Hinblick auf die verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Schutzbestimmungen der USA sowie auf die internationalen Menschenrechtsnormen. Solche Praktiken können unter anderem das Recht auf Gesundheit, das Recht auf Freiheit und den Schutz vor willkürlicher Inhaftierung, das Recht auf Familienzusammenführung sowie die Verpflichtung betreffen, sicherzustellen, dass alle Personen, denen die Freiheit entzogen ist, menschlich und unter Achtung ihrer Würde behandelt werden. Die US-Behörden müssen sicherstellen, dass der Freiheitsentzug im Zusammenhang mit Migration gesetzlich eindeutig geregelt ist und streng durch einen legitimen Zweck gerechtfertigt wird, der notwendig, verhältnismäßig und nicht diskriminierend ist. Ansonsten gilt eine Inhaftierung als willkürlich.

Nach dem Völkerrecht und internationalen Standards wird eine begrenzte Anzahl spezifischer Zwecke als legitime Gründe für eine in Migrationszusammenhang stehende Inhaftierung anerkannt. Dazu gehören die Überprüfung der Identität nach der Einreise einer Person sowie die Verhinderung der Flucht einer Person nach einer objektiven Beurteilung des Fluchtrisikos im Zusammenhang mit einem Überstellungs-, Abschiebungs- oder Ausweisungsverfahren, das eingeleitet wurde, noch läuft und bei dem eine begründete Aussicht besteht, dass es innerhalb eines angemessenen Zeitraums abgeschlossen wird. 

Außerdem sollten die US-Behörden einen umfassenden Zugang zu angemessener Schwangerschaftsvorsorge, Geburtshilfe, Nachsorge und pädiatrischer Versorgung gewährleisten; Praktiken verbieten, die zu einer unnötigen Trennung von Säuglingen und Kleinkindern von ihren Eltern führen; und transparente Systeme einrichten, um die Inhaftierung, Verlegung, Freilassung, medizinische Versorgung und Abschiebung aller Schwangeren, Wöchner*innen und stillenden Personen in Einwanderungshaft zu dokumentieren und öffentlich Rechenschaft darüber abzulegen. Werden solche Schutzmaßnahmen nicht umgesetzt, besteht die Gefahr, dass Verstöße fortbestehen, die schwerwiegende und in manchen Fällen irreversible Folgen haben.