Südsudan: Wo sind Nyo Myint und Enrique Arias Hierro?

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Der Gesundheitszustand von Nyo Myint und Enrique Arias Hierro gibt Anlass zu großer Sorge. Die beiden Männer aus Myanmar und Kuba wurden im Mai 2025 im Rahmen von Massenabschiebungen der US-Regierung in den Südsudan abgeschoben. Seit Juli 2025 sind sie willkürlich in der südsudanesischen Hauptstadt Juba inhaftiert. Ihr genauer Aufenthaltsort ist unbekannt, der Kontakt zu ihren Rechtsbeiständen ist massiv eingeschränkt. Besonders bei Nyo Myint gibt es große Angst um seine psychische Gesundheit. 

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Minister,

der Gesundheitszustand von Nyo Myint und Enrique Arias Hierro gibt Anlass zu großer Sorge. Die beiden Männer aus Myanmar und Kuba wurden im Mai 2025 im Rahmen von Massenabschiebungen der US-Regierung in den Südsudan abgeschoben. Seit Juli 2025 sind sie willkürlich in der südsudanesischen Hauptstadt Juba inhaftiert. Ihr genauer Aufenthaltsort ist unbekannt, der Kontakt zu ihren Rechtsbeiständen ist massiv eingeschränkt. Besonders bei Nyo Myint gibt es große Angst um seine psychische Gesundheit. 

Ich fordere Sie auf, unverzüglich den Aufenthaltsort von Nyo Myint und Enrique Arias Hierro bekanntzugeben, ihnen uneingeschränkten und unbeaufsichtigten Zugang zu ihren Rechtsbeiständen, einschließlich lokaler Rechtsbeistände, zu gewähren und unverzüglich die rechtlichen Gründe für ihre Inhaftierung anzugeben.

Ich fordere Sie außerdem auf, dafür zu sorgen, dass die Wünsche der Betroffenen nach einer dauerhaften Lösung berücksichtigt werden; unter anderem durch den Zugang zum UNHCR, zur IOM, zur nationalen Menschenrechtskommission und zu anderen zuständigen Stellen. Sofern eine faire und effiziente Prüfung des Schutzbedarfs stattgefunden hat und der Grundsatz der Nicht-Zurückweisung (non-refoulement) nicht verletzt wird, sollten die Herkunftsländer die beiden Männer so schnell wie möglich zurückholen.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Ambassador James Pitia Morgan,

I am writing to express deep concern for Nyo Myint and Enrique Arias Hierro who were deported as part of the United States government’s mass deportation campaign in May 2025, transiting through a US military base in Djibouti, and have been arbitrarily detained in South Sudan since their arrival on 4 July 2025. Nyo Myint originates from Myanmar and entered the United States in 2016 as a refugee as part of a resettlement program. Enrique Arias Hierro originates from Cuba and resided in the US since 1980.

The two men were deported together with six other deportees and are still being arbitrarily detained by the South Sudanese authorities without legal justification or clarity regarding their legal status, in violation of international human rights law. Both individuals' US-based legal representatives have only accessed their clients through monitored and limited phone calls. Meanwhile, their lawyer in Juba, South Sudan’s capital, has not been able to access and communicate with them at all. Nyo Myint’s lawyer expressed serious concerns about his mental health, saying that Nyo Myint had reported suicidal feelings.

I urgently call on you to immediately disclose the whereabouts of Nyo Myint and Enrique Arias Hierro, grant them consistent and unmonitored access to their legal representatives, including local counsel, and immediately clarify the legal grounds of their detention. I further urge you to ensure that individuals' wishes for a durable solution are facilitated including through access to UNHCR, IOM and the national human rights commission and other relevant bodies, and if, following a full and fair assessment, there is no breach of the principle of non-refoulement, we urge the states of the men’s countries of origin to expedite their repatriation.

Yours sincerely,

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Appell an

Ambassador James Pitia Morgan
Minister of Foreign Affairs and International Cooperation 
c/o Botschaft der Republik Südsudan
Leipziger Platz 8
10117 Berlin

Sende eine Kopie an

X: @MoFA_SouthSudan / @mofaicss 

Oder per E-Mail an die Botschaft der Republik Südsudan:
S.E. Herrn Gum Dominic Matiok
E-Mail: dominic.gum7@gmail.com

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie auf, unverzüglich den Aufenthaltsort von Nyo Myint und Enrique Arias Hierro bekanntzugeben, ihnen uneingeschränkten und unbeaufsichtigten Zugang zu ihren Rechtsbeiständen, einschließlich lokaler Rechtsbeistände, zu gewähren und unverzüglich die rechtlichen Gründe für ihre Inhaftierung anzugeben.
  • Ich fordere Sie außerdem auf, dafür zu sorgen, dass die Wünsche der Betroffenen nach einer dauerhaften Lösung berücksichtigt werden; unter anderem durch den Zugang zum UNHCR, zur IOM, zur nationalen Menschenrechtskommission und zu anderen zuständigen Stellen. Sofern eine faire und effiziente Prüfung des Schutzbedarfs stattgefunden hat und der Grundsatz der Nicht-Zurückweisung (non-refoulement) nicht verletzt wird, sollten die Herkunftsländer die beiden Männer so schnell wie möglich zurückholen.

Sachlage

Nyo Myint und Enrique Arias Hierro wurden im Mai 2025 im Rahmen einer groß angelegten Abschiebekampagne der USA abgeschoben. Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in einem US-Militärstützpunkt in Dschibuti sind sie seit Juli 2025 willkürlich an einem unbekannten Ort in Juba im Südsudan inhaftiert. Glaubwürdigen Berichten zufolge befinden sie sich im Gewahrsam des Nationalen Sicherheitsdienstes (NSS), doch haben die Rechtsbeistände der beiden Männer bisher noch keine offiziellen Informationen über ihren derzeitigen Aufenthaltsort erhalten. 

Während Nyo Myint aus Myanmar stammt und 2016 im Rahmen eines Resettlement-Programms der Internationalen Organisation für Migration als Flüchtling in die USA kam, kommt Enrique Arias Hierro ursprünglich aus Kuba und lebte seit 1980 in den USA. Zusammen mit sechs weiteren abgeschobenen Männern sind die beiden Männer ohne rechtliche Grundlage oder Klarheit hinsichtlich ihres Rechtsstatus von den südsudanesischen Behörden inhaftiert. Dies verletzt internationale Menschenrechtsnormen. Die in den USA ansässigen Rechtsbeistände der beiden Männer konnten mit ihren Mandanten lediglich über überwachte und zeitlich begrenzte Telefonate Kontakt aufnehmen. Ihr Anwalt in Juba hatte hingegen überhaupt keinen Zugang zu ihnen und konnte auch nicht mit ihnen kommunizieren. Auch zehn Monate nach ihrer Ankunft in Südsudan haben die dortigen Behörden, trotz der Bemühungen der Rechtsbeistände, keine offiziellen Informationen zum genauen Aufenthaltsort der beiden Männer bekanntgegeben. 

Die Inhaftierung der beiden Männer ohne freien Zugang zu ihren Rechtsbeiständen ist ein Verstoß gegen das Völkerrecht und könnte Folter und anderen Misshandlungen Vorschub leisten, was die Sorge um ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen noch verstärkt. Im Oktober und November 2025 äußerte Nyo Myints Anwalt ernsthafte Bedenken hinsichtlich seines psychischen Gesundheitszustands und erklärte, Nyo Myint habe Suizidgedanken geäußert.

Hintergrundinformation

Hintergrund

2025 startete US-Präsident Donald Trump eine groß angelegte Abschiebekampagne, die sich gegen Millionen von Migrant*innen und Menschen auf der Suche nach Sicherheit richtet. Im Rahmen dieser Kampagne wurden acht Männer – von denen nur einer aus dem Südsudan stammte – nach einem wochenlangen Rechtsstreit in den Südsudan abgeschoben. Zwei der acht Männer wurden seither aus der Haft entlassen, darunter Jesús Muñoz Gutiérrez, der nach Mexiko zurückgeführt wurde. Die US-Regierung ist auf der Grundlage des Völkerrechts dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass durch ihre Einwanderungspolitik keine Menschenrechtsverletzungen begangen werden oder das Risiko solcher Verletzungen erhöht wird. Die USA haben zwar die Befugnis, die Einwanderung zu regulieren, müssen dies jedoch im Rahmen ihrer internationalen Menschenrechtsverpflichtungen tun.

In einer am 10. Mai 2025 unterzeichneten diplomatischen Note zwischen den USA und dem Südsudan erklärte sich der Südsudan bereit, "die betroffenen Personen in einer Weise zu behandeln, die mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte im Einklang steht". In einer Verbalnote vom 12. Mai 2025 ersuchte die südsudanesische Regierung die Vereinigten Staaten unter anderem um die Aufhebung der gegen den damaligen ersten Vizepräsidenten Benjamin Bol Mel verhängten Sanktionen. Außerdem bat sie um die Aufhebung von Visabeschränkungen für südsudanesische Staatsangehörige, um die Reaktivierung eines Bankkontos bei der New Yorker Zentralbank sowie um Unterstützung bei der Strafverfolgung des vorherigen ersten Vizepräsidenten und Oppositionsführers Riek Machar, der seit März 2025 unter Hausarrest steht. Im September 2025 berichtete ein Nachrichtenportal, dass die südsudanesischen Behörden die Existenz eines Abkommens mit den USA über die Aufnahme von Drittstaatsangehörigen dementierten.

Im Südsudan steht zivilgesellschaftliches Engagement nach wie vor unter Druck, und die Beteiligung an legitimen zivilgesellschaftlichen Aktivitäten wird mit willkürlichen Festnahmen, langen Inhaftierungen, Folter und außergerichtlichen Tötungen bestraft. Sicherheitsinstitutionen und Behörden des Südsudans, insbesondere der Nationale Sicherheitsdienst (NSS), schikanieren und verfolgen systematisch Angehörige der Zivilgesellschaft und Personen, die Kritik an der Regierung üben. Obwohl der NSS weiterhin in Menschenrechtsverletzungen verwickelt ist, ließ Präsident Kiir im August 2024 einen Gesetzentwurf in Kraft treten, der die missbräuchlichen und verfassungswidrigen Befugnisse des NSS zur Festnahme und Inhaftierung aufrechterhält. Nach Artikel 159 der südsudanesischen Übergangsverfassung von 2011 hat der NSS eigentlich den Auftrag, klassische nachrichtendienstliche Tätigkeiten durchzuführen und "sich auf die Sammlung von Informationen, die Analyse und die Beratung der zuständigen Behörden zu konzentrieren".

Im Laufe des am 15. Dezember 2013 im Südsudan ausgebrochenen Konflikts hat der NSS zunehmend an Macht gewonnen und fungiert de facto mittlerweile als Polizeitruppe mächtiger Eliten. NSS und Militärgeheimdienst halten Hunderte von Menschen, überwiegend Männer, in verschiedenen Haftanstalten im ganzen Land fest. Amnesty International hat Fälle von Folter und anderen Misshandlungen in mindestens drei der größten Haftanstalten in der Hauptstadt Juba dokumentiert. Außerdem hat die Organisation Fälle dokumentiert, in denen Personen vom NSS inhaftiert und bedroht wurden, weil sie ihre Meinung frei geäußert und Kritik an der Regierung geübt hatten oder den Eindruck vermittelten, gegen die Interessen mächtiger Eliten zu handeln. Auch Angehörige von Inhaftierten können ins Visier geraten. Sie laufen ebenfalls Gefahr, überwacht und möglicherweise inhaftiert zu werden, wenn der NSS ihre Äußerungen oder ihr Verhalten missbilligt.