Paraguay: Umweltschützer angegriffen
Der Menschenrechtsverteidiger und Umweltschützer Ruben Irala Galeano aus Paraguay (Aufnahme vom 10. Februar 2025)
© AFP or licensors
Rubén Irala, Menschenrechtsverteidiger und Koordinator des Sozialdienstes der Diözese Guairá, wurde am 20. März in der Siedlung 23 de Diciembre im Departamento Caazapá Opfer eines bewaffneten Überfalls. Angesichts früherer Drohungen steht der Angriff höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit seinem Einsatz für den Umweltschutz und für von Umweltzerstörung betroffene Gemeinschaften. Die paraguayischen Behörden müssen das Motiv für den Angriff gründlich untersuchen und angemessene Schutzmaßnahmen für Rubén Irala und seine Familie treffen.
Bitte setzt euch für Rubén Irala ein.
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
Du hast Probleme beim Ausdrucken des Briefes? Dann klicke bitte hier.
Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Generalstaatsanwalt
Dr. Emiliano Rolón Fernández
Fiscal General del Estado
Calle Chile y Avda. Ygatimi
Asunción
PARAGUAY
Sende eine Kopie an
Botschaft der Republik Paraguay
S.E. Herrn Fernando Acosta Diaz
Hardenbergstraße 12
10623 Berlin
Fax: 030–31 99 86 17
E-Mail: embapar@embarpar.de
Amnesty fordert:
- Sorgen Sie dafür, dass Paraguay seinen Verpflichtungen unter den internationalen Menschenrechtsnormen und -standards wie der UN-Erklärung über Menschenrechtsverteidiger*innen nachkommt und eine sichere Umgebung für Menschenrechtler*innen gewährleistet.
- Ich bitte Sie eindringlich, den Angriff auf Rubén Irala wirksam, unabhängig und unparteiisch zu untersuchen und dabei auch Rubén Iralas Tätigkeit als Menschenrechtsverteidiger*innen als mögliches Motiv für die Straftat zu berücksichtigen.
- Außerdem bitte ich Sie sicherzustellen, dass Rubén Irala und seine Familie wirksam geschützt werden, damit er seiner Arbeit ohne Angst vor Repressalien nachgehen kann.
Sachlage
Der kürzliche Angriff auf den Menschenrechtsverteidiger Rubén Irala (Ref.: Az. 355/2026) gibt Anlass zu großer Sorge. Rubén Irala ist der Koordinator des Sozialdienstes der Diözese Guairá, einer zur katholischen Kirche gehörenden Organisation, die sich aktiv für die Lösung sozio-ökologischer Konflikte in der Region einsetzt.
Rubén Irala wurde am 20. März 2026 von einem bewaffneten Mann angehalten, nachdem er den Tag zuvor mit seinem Team an der Beilegung eines Territorialkonflikts in der Siedlung 23 de Diciembre gearbeitet hatte. Als er wieder zurück zur Sozialdienststelle in Villarica fahren wollte, versuchte der Bewaffnete, seinem Fahrzeug den Weg zu verstellen, wies ihn an, das Auto zu verlassen, und gab Schüsse in die Luft und auf die Reifen ab. Rubén Irala versuchte zu fliehen, wurde aber ein paar Meter weiter von drei Männern gestoppt. Sie waren vermummt und trugen Gewehre. Die Männer eröffneten das Feuer auf sein Fahrzeug und trafen die Front und die Seite. Trotz des Angriffs gelang es Rubén Irala zu entkommen.
Auch wenn es den Behörden gelungen ist, einen Verdächtigen festzunehmen, ist es besorgniserregend, dass der Angriff als Fall von "gewöhnlichem Raub" behandelt wird, ohne einen möglichen Zusammenhang mit Rubén Iralas Menschenrechtsarbeit in Betracht zu ziehen. Rubén Irala wurde wegen seines Engagements gegen Umweltverschmutzung durch den Bergbau bereits zuvor eingeschüchtert und bedroht. Eine gründliche Untersuchung dieses möglichen Motivs ist notwendig, um ihm einen angemessenen Schutz zur Verfügung zu stellen. Angesichts der Drohungen, denen Rubén Irala bereits vor dem Angriff ausgesetzt war, sollten die Behörden sicherstellen, dass der Schutz – auch durch die örtliche Polizei – wirksam ist und langfristig gewährt wird.
Hintergrundinformation
Guairá und Caazapá sind Departamentos im zentralen Osten Paraguays. Rubén Irala Galeano ist Umweltingenieur und als Koordinator des Sozialdienstes sowie als Sekretär des Wirtschaftsrats der Diözese Guairá der katholischen Kirche tätig. Der Sozialdienst der Diözese Guairá spielt eine aktive Rolle bei der Lösung sozio-ökologischer Konflikte in der Region und hat sich bereits wiederholt erfolgreich für die Rechte betroffener Gemeinschaften stark gemacht.
Rubén Iralas Organisation arbeitet derzeit an der Lösung eines Territorialkonflikts auf einem 1.500 Hektar großen Grundstück der Kirche, das von einer Gemeinschaft des indigenen Volkes der Mbya Guaraní, von Bauernfamilien und Agrarunternehmen besetzt wurde. Unter der Leitung von Rubén Irala arbeitet der Sozialdienst der Diözese Guairá daran, der indigenen Gemeinschaft 80 Hektar Land und den Bauernfamilien 230 Hektar Land als Schenkung zu überlassen und so ihre Rechte an dem Land offiziell zu sichern. Es wurde jedoch keine Vereinbarung mit der Agrarindustrie erzielt. Genau an dem Ort, der von Agrarunternehmen bewirtschaftet wird, wurde Rubén Irala angegriffen.
Der Sozialdienst der Diözese Guairá hat zudem die ökologischen und gesundheitlichen Folgen des illegalen Goldabbaus im Bezirk Paso Yobái angeprangert – im gleichen Bezirk, in dem der Umweltaktivist Vidal Brítez 2025 wegen seines Engagements gegen die Umweltverschmutzung durch Bergbauaktivitäten strafrechtlich verfolgt wurde. Im April 2025 führte der Sozialdienst der Diözese Guairá unter der Leitung von Rubén Irala in Zusammenarbeit mit der Katholischen und der Nationalen Universität von Asunción eine Untersuchung zur Verschmutzung durch Quecksilber und Cyanid durch. Das Bergbauunternehmen LAMPA S.A. prangerte dies umgehend als "Desinformations- und Verleumdungskampagne" an und schickte Rubén Irala die notarielle Androhung einer Strafanzeige wegen Verleumdung.
Am 24. April 2026 sollte der Sozialdienst der Diözese Guairá planmäßig mit dem zweiten Teil der Studie beginnen, dessen Schwerpunkt die gesundheitlichen Auswirkungen der Umweltverschmutzung war. Rubén Irala berichtete Amnesty International, dass er im Februar 2026 eine Drohung erhalten habe, diese zweite Studie nicht durchzuführen, vermutlich von einer Person mit Verbindungen zur Bergbauindustrie. Nach dem Angriff auf Rubén Irala wurde die Studie ausgesetzt.
Die paraguayischen Behörden haben einen Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Angriff festgenommen, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet, und fahnden nach einem weiteren Verdächtigen. Amnesty International äußert sich jedoch besorgt angesichts von Anzeichen, dass die Ermittlungen auf einen gewöhnlichen Raubüberfall reduziert werden könnten, ohne den möglichen Zusammenhang mit Rubén Iralas Aktivitäten zur Verteidigung der Menschenrechte oder die früheren Drohungen, die er erhalten hat, zu berücksichtigen. Rubén Irala steht derzeit unter dem Schutz der örtlichen Polizei, doch kann dieser Schutz jederzeit einseitig aufgehoben werden, da es in Paraguay kein Schutzsystem für Menschenrechtler*innen gibt.
Paraguay muss ein sicheres und förderliches Umfeld für Menschenrechtsverteidiger*innen gewährleisten, um Angriffe auf sie zu verhindern, sie zu schützen, wenn sie in Gefahr sind, und sicherzustellen, dass alle Angriffe unverzüglich, gründlich, unabhängig und unparteiisch untersucht werden. Dazu gehört auch eine Prüfung, ob die Angriffe mit ihrer Menschenrechtsarbeit in Zusammenhang stehen. Amnesty International hat dokumentiert, dass Menschenrechtler*innen, die sich in Paraguay für Fragen des Zugangs zu Land sowie für die Rechte auf Land und Umwelt einsetzen, ihre Aktivitäten weiterhin unter feindseligen Bedingungen ausüben müssen und wegen ihrer Arbeit einem hohen Risiko ausgesetzt sind.