Paraguay: Umweltschützer angegriffen

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Porträtfoto von Ruben Irala Galeano. Er trägt ein kariertes Hemd und Brille und lächelt in die Kamera.

Der Menschenrechtsverteidiger und Umweltschützer Ruben Irala Galeano aus Paraguay (Aufnahme vom 10. Februar 2025)

Rubén Irala, Menschenrechtsverteidiger und Koordinator des Sozialdienstes der Diözese Guairá, wurde am 20. März in der Siedlung 23 de Diciembre im Departamento Caazapá Opfer eines bewaffneten Überfalls. Angesichts früherer Drohungen steht der Angriff höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit seinem Einsatz für den Umweltschutz und für von Umweltzerstörung betroffene Gemeinschaften. Die paraguayischen Behörden müssen das Motiv für den Angriff gründlich untersuchen und angemessene Schutzmaßnahmen für Rubén Irala und seine Familie treffen.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,

mit großer Sorge habe ich erfahren, dass der Menschenrechtsverteidiger und Umweltschützer Rubén Irala am 20. März angegriffen wurde. Auch wenn es den Behörden gelungen ist, einen Verdächtigen festzunehmen, ist es besorgniserregend, dass der Angriff als Fall von "gewöhnlichem Raub" behandelt wird, ohne einen möglichen Zusammenhang mit Rubén Iralas Menschenrechtsarbeit in Betracht zu ziehen. Rubén Irala wurde wegen seines Engagements gegen Umweltverschmutzung durch den Bergbau bereits zuvor eingeschüchtert und bedroht.

Sorgen Sie bitte dafür, dass Paraguay seinen Verpflichtungen unter den internationalen Menschenrechtsnormen und -standards wie der UN-Erklärung über Menschenrechtsverteidiger*innen nachkommt und eine sichere Umgebung für Menschenrechtler*innen gewährleistet. 

Ich bitte Sie eindringlich, den Angriff auf Rubén Irala wirksam, unabhängig und unparteiisch zu untersuchen und dabei auch Rubén Iralas Tätigkeit als Menschenrechtsverteidiger*innen als mögliches Motiv für die Straftat zu berücksichtigen. 

Außerdem bitte ich Sie sicherzustellen, dass Rubén Irala und seine Familie wirksam geschützt werden, damit er seiner Arbeit ohne Angst vor Repressalien nachgehen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Dr. Rolón, 

I am writing to express grave concern about the recent attack suffered by the environmental human rights defender Rubén Irala (Ref.: File N° 355/2026). Rubén Irala is the coordinator of the Diocesan Social Pastoral Ministry of Guairá; an organization linked to the Catholic Church that takes an active role in tackling socioenvironmental conflicts in the territory.

It is distressing to learn that Ruben was intercepted by an armed man on 20 March 2026, after a day working with his team on efforts to resolve a territorial conflict in the December 23 Settlement. On his way back to the Social Pastoral in Villarica, the armed man attempted to block his vehicle, ordered him to get out of the car, and fired shots into the air and at the tires. Attempting to flee, Ruben was intercepted again a few meters later by a group of three-armed men carrying long firearms and wearing face coverings. This group opened fire on his vehicle, striking the front and the side. Despite the attack, he managed to escape the area.

While I acknowledge that the authorities have managed to detain one suspect, I find it worrying that the attack is simply being treated as a case of "common robbery" without considering its possible link to Ruben’s human rights work. Ruben has received previous intimidation and threats because of his activism against mining pollution. Effectively investigating this potential motive is necessary to provide adequate protection to Ruben. In view of the threats that Ruben faced before the attack, the authorities should ensure that protection, including local police, is effective and sustained over time. 

Paraguay has binding obligations under human rights law and standards, including the UN Declaration on Human Rights Defenders, to ensure a safe environment for human rights defenders. I urge you investigate effectively, independently, and impartially the attack against Ruben, including to consider Ruben’s work as an environmental human rights defender as a possible motive for the crime. Further, I urge Paraguayan authorities to protect Ruben Irala and his family effectively so that he can carry out his work without retaliations.

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 14.10.2026

Appell an

Generalstaatsanwalt
Dr. Emiliano Rolón Fernández
Fiscal General del Estado
Calle Chile y Avda. Ygatimi
Asunción
PARAGUAY

 

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Paraguay
S.E. Herrn Fernando Acosta Diaz
Hardenbergstraße 12
10623 Berlin

Fax: 030–31 99 86 17
E-Mail: embapar@embarpar.de


 

Amnesty fordert:

  • Sorgen Sie dafür, dass Paraguay seinen Verpflichtungen unter den internationalen Menschenrechtsnormen und -standards wie der UN-Erklärung über Menschenrechtsverteidiger*innen nachkommt und eine sichere Umgebung für Menschenrechtler*innen gewährleistet.
  • Ich bitte Sie eindringlich, den Angriff auf Rubén Irala wirksam, unabhängig und unparteiisch zu untersuchen und dabei auch Rubén Iralas Tätigkeit als Menschenrechtsverteidiger*innen als mögliches Motiv für die Straftat zu berücksichtigen.
  • Außerdem bitte ich Sie sicherzustellen, dass Rubén Irala und seine Familie wirksam geschützt werden, damit er seiner Arbeit ohne Angst vor Repressalien nachgehen kann.

Sachlage

Der kürzliche Angriff auf den Menschenrechtsverteidiger Rubén Irala (Ref.: Az. 355/2026) gibt Anlass zu großer Sorge. Rubén Irala ist der Koordinator des Sozialdienstes der Diözese Guairá, einer zur katholischen Kirche gehörenden Organisation, die sich aktiv für die Lösung sozio-ökologischer Konflikte in der Region einsetzt.

Rubén Irala wurde am 20. März 2026 von einem bewaffneten Mann angehalten, nachdem er den Tag zuvor mit seinem Team an der Beilegung eines Territorialkonflikts in der Siedlung 23 de Diciembre gearbeitet hatte. Als er wieder zurück zur Sozialdienststelle in Villarica fahren wollte, versuchte der Bewaffnete, seinem Fahrzeug den Weg zu verstellen, wies ihn an, das Auto zu verlassen, und gab Schüsse in die Luft und auf die Reifen ab. Rubén Irala versuchte zu fliehen, wurde aber ein paar Meter weiter von drei Männern gestoppt. Sie waren vermummt und trugen Gewehre. Die Männer eröffneten das Feuer auf sein Fahrzeug und trafen die Front und die Seite. Trotz des Angriffs gelang es Rubén Irala zu entkommen.

Auch wenn es den Behörden gelungen ist, einen Verdächtigen festzunehmen, ist es besorgniserregend, dass der Angriff als Fall von "gewöhnlichem Raub" behandelt wird, ohne einen möglichen Zusammenhang mit Rubén Iralas Menschenrechtsarbeit in Betracht zu ziehen. Rubén Irala wurde wegen seines Engagements gegen Umweltverschmutzung durch den Bergbau bereits zuvor eingeschüchtert und bedroht. Eine gründliche Untersuchung dieses möglichen Motivs ist notwendig, um ihm einen angemessenen Schutz zur Verfügung zu stellen. Angesichts der Drohungen, denen Rubén Irala bereits vor dem Angriff ausgesetzt war, sollten die Behörden sicherstellen, dass der Schutz – auch durch die örtliche Polizei – wirksam ist und langfristig gewährt wird. 

Hintergrundinformation

Hintergrund

Guairá und Caazapá sind Departamentos im zentralen Osten Paraguays. Rubén Irala Galeano ist Umweltingenieur und als Koordinator des Sozialdienstes sowie als Sekretär des Wirtschaftsrats der Diözese Guairá der katholischen Kirche tätig. Der Sozialdienst der Diözese Guairá spielt eine aktive Rolle bei der Lösung sozio-ökologischer Konflikte in der Region und hat sich bereits wiederholt erfolgreich für die Rechte betroffener Gemeinschaften stark gemacht. 

Rubén Iralas Organisation arbeitet derzeit an der Lösung eines Territorialkonflikts auf einem 1.500 Hektar großen Grundstück der Kirche, das von einer Gemeinschaft des indigenen Volkes der Mbya Guaraní, von Bauernfamilien und Agrarunternehmen besetzt wurde. Unter der Leitung von Rubén Irala arbeitet der Sozialdienst der Diözese Guairá daran, der indigenen Gemeinschaft 80 Hektar Land und den Bauernfamilien 230 Hektar Land als Schenkung zu überlassen und so ihre Rechte an dem Land offiziell zu sichern. Es wurde jedoch keine Vereinbarung mit der Agrarindustrie erzielt. Genau an dem Ort, der von Agrarunternehmen bewirtschaftet wird, wurde Rubén Irala angegriffen. 

Der Sozialdienst der Diözese Guairá hat zudem die ökologischen und gesundheitlichen Folgen des illegalen Goldabbaus im Bezirk Paso Yobái angeprangert – im gleichen Bezirk, in dem der Umweltaktivist Vidal Brítez 2025 wegen seines Engagements gegen die Umweltverschmutzung durch Bergbauaktivitäten strafrechtlich verfolgt wurde. Im April 2025 führte der Sozialdienst der Diözese Guairá unter der Leitung von Rubén Irala in Zusammenarbeit mit der Katholischen und der Nationalen Universität von Asunción eine Untersuchung zur Verschmutzung durch Quecksilber und Cyanid durch. Das Bergbauunternehmen LAMPA S.A. prangerte dies umgehend als "Desinformations- und Verleumdungskampagne" an und schickte Rubén Irala die notarielle Androhung einer Strafanzeige wegen Verleumdung. 

Am 24. April 2026 sollte der Sozialdienst der Diözese Guairá planmäßig mit dem zweiten Teil der Studie beginnen, dessen Schwerpunkt die gesundheitlichen Auswirkungen der Umweltverschmutzung war. Rubén Irala berichtete Amnesty International, dass er im Februar 2026 eine Drohung erhalten habe, diese zweite Studie nicht durchzuführen, vermutlich von einer Person mit Verbindungen zur Bergbauindustrie. Nach dem Angriff auf Rubén Irala wurde die Studie ausgesetzt.

Die paraguayischen Behörden haben einen Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Angriff festgenommen, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet, und fahnden nach einem weiteren Verdächtigen. Amnesty International äußert sich jedoch besorgt angesichts von Anzeichen, dass die Ermittlungen auf einen gewöhnlichen Raubüberfall reduziert werden könnten, ohne den möglichen Zusammenhang mit Rubén Iralas Aktivitäten zur Verteidigung der Menschenrechte oder die früheren Drohungen, die er erhalten hat, zu berücksichtigen. Rubén Irala steht derzeit unter dem Schutz der örtlichen Polizei, doch kann dieser Schutz jederzeit einseitig aufgehoben werden, da es in Paraguay kein Schutzsystem für Menschenrechtler*innen gibt. 

Paraguay muss ein sicheres und förderliches Umfeld für Menschenrechtsverteidiger*innen gewährleisten, um Angriffe auf sie zu verhindern, sie zu schützen, wenn sie in Gefahr sind, und sicherzustellen, dass alle Angriffe unverzüglich, gründlich, unabhängig und unparteiisch untersucht werden. Dazu gehört auch eine Prüfung, ob die Angriffe mit ihrer Menschenrechtsarbeit in Zusammenhang stehen. Amnesty International hat dokumentiert, dass Menschenrechtler*innen, die sich in Paraguay für Fragen des Zugangs zu Land sowie für die Rechte auf Land und Umwelt einsetzen, ihre Aktivitäten weiterhin unter feindseligen Bedingungen ausüben müssen und wegen ihrer Arbeit einem hohen Risiko ausgesetzt sind.