Pakistan: Wo sind die verschwundenen Afghanen?

Collage bestehend aus einem Porträtfoto von Syed Qasim Hashem und einnem Porträtfoto von Hamid Ehsas

Nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 flohen Sayed Qasim Hashemi und Hamed Ehsas aus Afghanistan nach Pakistan. Nun sind sie verschwunden. Sie könnten Opfer des Verschwindenlassens oder einer willkürlichen Inhaftierung geworden sein.

Setzt euch für Sayed Qasim Hashemi und Hamed Ehsas ein!

Bereits bei "Mein Amnesty" registriert? Dann bitte hier anmelden.
Meine Profildaten (Vorname, erster Buchstabe des Nachnamens) dürfen bei Aktionsteilnahme angezeigt werden.

Ja, ich will mich für die Menschenrechte einsetzen und stimme zu, dass die Initialen meines Vornamens und Nachnamens bei Aktionsteilnahme an den Adressaten übermittelt und diesem angezeigt werden. Ich bin mir bewusst, dass in Drittstaaten oft kein mit dem europäischen Datenschutz vergleichbarer Schutz meiner personenbezogenen Daten gegeben ist und dass mit der Offenlegung ggf. Rückschlüsse auf meine politische Meinung möglich sind. Meine Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen, jedoch nur mit Wirkung für die Zukunft. Weitere Hinweise in unseren Datenschutzhinweisen.

Hinweis: Vielen Dank für deine Unterstützung. Deine Kontaktdaten (E-Mail-Adresse, Anschrift und optional Telefonnummer) verwenden wir auch, um dir aktuelle Informationen über Menschenrechte und unsere Arbeit sowie die unserer Netzwerkpartner zuzuschicken, Veranstaltungen anzukündigen und zur Teilnahme an Aktionen, Petitionen oder zu Spenden aufzurufen. Du kannst dich jederzeit kostenlos und einfach von unseren Newslettern abmelden. Klicke dazu einfach auf den Abmeldelink in den Nachrichten (E-Mail oder WhatsApp), oder schreibe uns an info@amnesty.de. Mehr Informationen findest du in unseren Datenschutzhinweisen.

Dein Appell

In welcher Sprache möchtet du den Brief verschicken? Bitte auswählen

Sehr geehrter Herr Rizvi,

Sayed Qasim Hashemi ist Journalist, Hamed Ehsas Künstler. Beide sind afghanische Staatsangehörige und leben seit ihrer Flucht aus Afghanistan im Jahr 2021 aus Angst vor den Taliban in Islamabad. Seit dem Abend des 4. Juli werden die beiden vermisst. Nach Angaben ihrer Angehörigen waren sie gemeinsam im Stadtteil F-7 in Islamabad unterwegs und kurz darauf nicht mehr erreichbar. Ihre Mobiltelefone waren ausgeschaltet. Das von ihnen genutzte Fahrzeug wurde später im Stadtteil D-12 gefunden. Trotz wiederholter Versuche, bei Polizei und Gerichten Informationen zu erhalten, haben ihre Angehörigen bislang keine klaren und überprüfbaren Auskünfte über das Schicksal oder den Verbleib der beiden erhalten. Zudem soll sich die Polizei geweigert haben, überhaupt eine Vermisstenanzeige aufzunehmen.

Klären Sie unverzüglich das Schicksal und den Verbleib von Sayed Qasim Hashemi und Hamed Ehsas. Untersuchen Sie bitte sofort ihr Verschwinden unabhängig, unparteiisch und transparent. Prüfen Sie auch eine mögliche Beteiligung von Staatsbediensteten oder Personen, die mit stillschweigender Duldung der staatlichen Stellen handeln. Mutmaßlich Verantwortliche müssen vor Gericht gestellt und – sofern ausreichende zulässige Beweise vorliegen – in fairen Verfahren strafrechtlich verfolgt werden. Gewähren Sie Sayed Qasim Hashemi und Hamed Ehsas sofort Zugang zu ihren Familien, Rechtsbeiständen ihrer Wahl und notwendiger medizinischer Versorgung, falls sie sich in staatlichem Gewahrsam befinden. Lassen Sie Sayed Qasim Hashemi und Hamed Ehsas sofort frei, sofern keine nach internationalem Recht anerkannte strafrechtliche Anklage gegen sie vorliegt.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Syed Ali Nasir Rizvi,

I am writing to express grave concern regarding the disappearance of two Afghan nationals Sayed Qasim Hashemi, a journalist, and Hamed Ehsas, an artist, missing in Islamabad since 4 July. According to their families, the two men left together from Section F-7 in Islamabad on the evening of 4 July and shortly thereafter became unreachable. Their phones were switched off, and the vehicle they had been using was later located in Islamabad's D-12 area. Despite repeated efforts by relatives to seek assistance from the police and the courts, their families have received no clear and verifiable information about their fate and whereabouts. The police have also refused to file a First Information Report.

I urge you and the government of Pakistan to:

  • Immediately take steps to disclose the fate and whereabouts of Sayed Qasim Hashemi and Hamed Ehsas;
  • Conduct a prompt, thorough, impartial, independent and transparent investigation into their disappearance, including examination of any possible involvement of state agents or individuals acting with state acquiescence. If so, all those suspected of criminal responsibility should be brought to justice and, if there is sufficient admissible evidence, prosecuted in fair trials.
  • Ensure that if they are in the custody of any state authority, they are promptly granted access to their families, legal counsel and any medical care they may require; and
  • In the absence of any criminal charge against them recognized under international law, release Sayed Qasim Hashemi and Hamed Ehsas immediately.

Yours sincerely,

Du möchtest dein Schreiben lieber per Brief, Fax oder mit deinem eigenen E-Mail-Programm versenden?

Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.

Du hast Probleme beim Ausdrucken des Briefes? Dann klicke bitte hier.

Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.

Bitte abschicken bis: 10.03.2027

Appell an

Inspector General of Police 
Syed Ali Nasir Rizvi
Police Lines Headquarters, Sector H-11 
Islamabad 44000
PAKISTAN 

Sende eine Kopie an

Botschaft der Islamischen Republik Pakistan
I.E. Frau Saqlain Syedah
Schaperstr. 29
10719 Berlin
Fax: 030-2124 4210
E-Mail: mail@pakemb.de

Amnesty fordert:

  • Klären Sie unverzüglich das Schicksal und den Verbleib von Sayed Qasim Hashemi und Hamed Ehsas.
  • Untersuchen Sie bitte sofort ihr Verschwinden unabhängig, unparteiisch und transparent. Prüfen Sie auch eine mögliche Beteiligung von Staatsbediensteten oder Personen, die mit stillschweigender Duldung der staatlichen Stellen handeln. Mutmaßlich Verantwortliche müssen vor Gericht gestellt und – sofern ausreichende zulässige Beweise vorliegen – in fairen Verfahren strafrechtlich verfolgt werden.
  • Gewähren Sie Sayed Qasim Hashemi und Hamed Ehsas sofort Zugang zu ihren Familien, Rechtsbeiständen ihrer Wahl und notwendiger medizinischer Versorgung, falls sie sich in staatlichem Gewahrsam befinden.
  • Lassen Sie Sayed Qasim Hashemi und Hamed Ehsas sofort frei, sofern keine nach internationalem Recht anerkannte strafrechtliche Anklage gegen sie vorliegt.

Sachlage

Sayed Qasim Hashemi ist Journalist, Hamed Ehsas Künstler. Beide sind afghanische Staatsangehörige und leben seit ihrer Flucht aus Afghanistan im Jahr 2021 aus Angst vor den Taliban in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Seit dem Abend des 4. Juli werden die beiden vermisst. Nach Angaben ihrer Angehörigen waren sie gemeinsam im Stadtteil F-7 in Islamabad unterwegs und kurz darauf nicht mehr erreichbar. Ihre Mobiltelefone waren ausgeschaltet. Das von ihnen genutzte Fahrzeug wurde später im Stadtteil D-12 gefunden. Trotz wiederholter Versuche, bei Polizei und Gerichten Informationen zu erhalten, haben ihre Angehörigen bislang keine klaren und überprüfbaren Auskünfte über das Schicksal oder den Verbleib der beiden erhalten. Zudem soll sich die Polizei geweigert haben, überhaupt eine Vermisstenanzeige aufzunehmen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Familien von Sayed Qasim Hashemi und Hamed Ehsas befürchten, dass die beiden von Angehörigen der Behörden verschleppt oder nach Afghanistan abgeschoben worden sein könnten. Dort drohen ihnen aufgrund ihrer früheren Tätigkeit als Journalist beziehungsweise Künstler erhebliche Gefahren durch die de facto herrschenden Taliban. Vor deren Machtergreifung 2021 hatten sich beide im Rahmen ihrer Arbeit mit den afghanischen Sicherheitskräften beschäftigt und Aufklärungsarbeit geleistet. Beide Männer leiden zudem unter gesundheitlichen Problemen.

Sayed Qasim Hashemi und Hamed Ehsas flohen nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 aus Afghanistan nach Pakistan, weil sie um ihre Sicherheit und ihr Leben fürchteten. Nach ihrer Ankunft in Islamabad beantragten sie die Registrierung beim UNHCR. Doch wegen der zunehmenden Repressionen Pakistans gegen Flüchtlinge ist die Gültigkeit aller vom UNHCR ausgestellten Registrierungsnachweise zum 30. Juni 2025 abgelaufen. Die pakistanischen Behörden weigern sich, diese zu verlängern – eine Maßnahme, von der fast 1,4 Millionen afghanische Flüchtlinge und Asylsuchende betroffen sind.

Afghanische Staatsangehörige in Pakistan befinden sich in einer äußerst prekären Lage und sind seit der Einführung des "Rückführungsplans für illegale Ausländer" im Oktober 2023 besonders von Abschiebung bedroht. Zwischen September 2023 und August 2026 wurden insgesamt 2,4 Millionen afghanische Staatsangehörige nach Afghanistan zurückgeführt – trotz der Gefahren, denen sie bei ihrer Rückkehr ausgesetzt sind, und unter Verletzung des Grundsatzes der Nicht-Zurückweisung (non-refoulement) gemäß den internationalen Menschenrechtsnormen. Der UNHCR kam 2025 zu dem Schluss, dass rund 110.000 afghanische Flüchtlinge in Pakistan besonders gefährdet sind und einen erhöhten Schutzbedarf haben. Aufgrund ihrer individuellen oder mehrfachen Schutzrisiken könnten sie für eine Neuansiedlung in einem Drittstaat infrage kommen. Seit Beginn der Abschiebungen sind afghanische Staatsangehörige, Flüchtlinge und Asylsuchende in ganz Pakistan Schikanen, willkürlichen Inhaftierungen und Zwangsräumungen ausgesetzt. 

Da Pakistan kein nationales Flüchtlingsgesetz hat und nicht Vertragspartei der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 (Abkommen über die Rechtsstellung von Flüchtlingen) ist, verfügen viele Flüchtlinge und Asylsuchende nur über einen begrenzten rechtlichen Schutz. Daher sind sie den willkürlichen Schikanen durch die pakistanischen Behörden schutzlos ausgeliefert.