Pakistan: „Verschwundener" Aktivist wieder zu Hause

Diese Urgent Action ist beendet.

Jiand Baloch, Aktivist und Vorsitzender einer Studierendenorganisation in der Provinz Belutschistan, ist seit dem 3. August wieder frei und konnte zu seiner Familie zurückkehren. Er war am 24. Juli elf Tage lang dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen. Dies ist bereits das dritte Mal, dass Polizeikräfte Jiand Baloch verschwinden ließen – nur, weil er sich friedlich für belutschische Studierende einsetzt.

Porträtfoto von Jiand Baloch

Vielen Dank allen, die sich an dieser Urgent Action beteiligt haben!

Sachlage

Jiand Baloch ist seit dem 3. August 2026 wieder auf freiem Fuß. Der Vorsitzende der Vereinigung Studierender in der Provinz Belutschistan (Baloch Students Organization – BSO) war in den frühen Morgenstunden des 24. Juli aus seinem Haus in Quetta verschleppt worden. Zehn Männer, die sich als Polizisten zu erkennen gaben, sowie vier Männer in Zivil verschafften sich Zutritt zu dem Haus, durchsuchen es und führten Jiand Baloch ab. Es wurden keine Gründe für seine Festnahme genannt. Seine Familie erhielt keine Informationen über seinen Aufenthaltsort und als sie versuchte, seine Entführung anzuzeigen, weigerte sich die Polizei, die Anzeige aufzunehmen. Jiand Baloch wurde elf Tage lang in Gewahrsam gehalten. Seinen Angaben zufolge wurde er in den ersten beiden Tagen gefoltert, u. a. mit Elektroschocks. 

Jiand Baloch wurde bereits in der Vergangenheit wegen seines Engagements ins Visier genommen. Vor diesem Vorfall war er schon zwei Mal Opfer des Verschwindenlassens geworden. Im November 2018 wurde der Student zusammen mit seinem Vater und seinem jüngeren Bruder verschleppt, ohne dass ihr Aufenthaltsort bekanntgegeben wurde. Er kehrte nach neun Monaten zurück, doch sein Bruder, der zum Zeitpunkt des Verschwindenlassens 15 Jahre alt war, wurde wegen Verstößen gegen das Antiterrorgesetz von 1997 angeklagt und befindet sich weiterhin in Haft. Jiand Baloch wurde 2024 zum zweiten Mal Opfer des Verschwindenlassens, als er sich für die Protestbewegung "Baloch Raaji Muchi" (Baloch National Gathering) engagierte, gegen die die Behörden hart vorgingen. Einen Monat später wurde er freigelassen.

Dem Verschwindenlassen zum Opfer zu fallen, bedeutet, dass eine Person von Sicherheitskräften oder mit deren Billigung verschleppt wird, und die Behörden bestreiten oder verschweigen danach, was mit ihr geschehen ist.

Jiand Baloch ist dankbar, dass eine Kampagne für seine Freilassung gestartet wurde, und dankt all jenen, die sich für ihn eingesetzt haben. Er ist der Ansicht, dass das, was ihm passiert ist, in der Provinz Belutschistan sehr verbreitet ist, und bittet um Unterstützung für die vielen weiteren Menschen, die dort dem Verschwindenlassen zum Opfer fallen.

Weitere Appelle des Eilaktionsnetzes sind derzeit nicht erforderlich. Vielen Dank allen, die sich für Jiand Baloch eingesetzt haben.