Madagaskar: Verfolgung von jungen Aktivist*innen beenden!
Vor allem junge Menschen protestieren am 27. September 2025 in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo gegen die Regierung.
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+++ Gute Nachrichten am 8. Mai 2026: Herizo Andriamanantena kam am 24. April unter Auflagen frei. Rija Andriamalala und Carine Rakotomanantoanina wurden am 29. Apri ebenfalls unter Auflagen freigelassen. Nomena Elia Ratsihorimanana kam ohne Auflagen frei. Seit Beginn der UA haben Harnelle Rakotobe und Arimamy Todisoa keine weiteren Inhaftierungsdrohungen erhalten. +++
We are in the process of obtaining further information from the activists and lawyers. We will be in touch with next steps -whether that’s continued action, or an Outcome UA - as soon as possible.In Madagaskar gehen die Behörden hart gegen junge Aktivist*innen vor. Jugendliche, die protestieren oder ihre Meinung sagen, werden eingeschüchtert und festgenommen. Mehrere Aktivist*innen sitzen wegen unklarer und unbegründeter Vorwürfe im Gefängnis, anderen droht die Festnahme. Die Behörden müssen alle freilassen, die nur wegen ihres Einsatzes für Menschenrechte verfolgt werden, und die Einschüchterungen beenden.
Setzt euch für junge Aktivist*innen in Madagaskar ein!
Appell an
President of the Refoundation of the Republic
Michael Randrianirina
Palais d'État d'Iavoloha
Antananarivo 101
MADAGASKAR
Sende eine Kopie an
Botschaft der Republik Madagaskar
Frau Ramahazosoa Hantavololona
Botschaftsrätin (Geschäftsträgerin a.i.)
Seepromenade 92
14612 Falkensee
Fax: 033-22 231 29
E-Mail: info@botschaft-madagaskar.de
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie auf, Herizo Andriamanantena, Carine Rakotomanantoanina, Rija Andriamalala und Nomena Elia Ratsihorimanana, sowie alle anderen Aktivist*innen, die nur wegen der Ausübung ihrer Menschenrechte inhaftiert sind, unverzüglich und bedingungslos freizulassen.
- Bitte beenden Sie auch die Haftandrohungen und Strafverfolgung von Harnelle Rakotobe und Arimamy Todisoa.
- Ich fordere Sie und Ihre Regierung außerdem auf, die systematischen willkürlichen Festnahmen, Inhaftierungen und politisch motivierten Anklagen zu beenden und die Menschenrechte aller Menschen im Land zu wahren.
Sachlage
Die jungen Aktivist*innen Herizo Andriamanantena, Carine Rakotomanantoanina, Rija Andriamalala und Nomena Elia Ratsihorimanana sind grundlos im Gefängnis. Die Behörden machen ihnen schwere Vorwürfe, sie sind wegen "krimineller Verschwörung", "Bedrohung der nationalen Sicherheit" und "Destabilisierung des Staates" angeklagt. Auch Harnelle Rakotobe und Arimamy Todisoa sind willkürlich angeklagt und könnten ins Gefängnis kommen.
Der Aktivist Herizo Andriamanantena nahm am 7. April an einer friedlichen Versammlung teil. Am 10. und 11. April beteiligte er sich an Protesten von Jugendlichen in der Hauptstadt Antananarivo. Die Jugendlichen forderten bessere öffentliche Dienstleistungen und eine Regierung, die fairer und besser arbeitet. Am 12. April wurde Herizo Andriamanantena festgenommen. Nach seiner Festnahme brachte man Herizo Andriamanantena zur Kriminalpolizei. Dort warf man ihm "kriminelle Verschwörung" und "Bedrohung der nationalen Sicherheit" vor. Diese Vorwürfe sind sehr unklar. Sie werden oft benutzt, um Menschen zu bestrafen, die friedlich ihre Meinung sagen, sich organisieren oder demonstrieren. Herizo Andriamanantena hatte drei Tage lang keinen Kontakt zur Außenwelt. Auch seine Anwält*innen werden ständig überwacht. Das gefährdet sein Recht auf eine faire Verteidigung.
Die Aktivistin Harnelle Rakotobe ist Leiterin der Organisation Ivorary. Diese Organisation setzt sich für gute Staatsführung und für Menschenrechte ein. Auch Harnelle Rakotobe wird seit einiger Zeit eingeschüchtert. Angehörige der Abteilung für Cyberkriminalität bei der Polizei und auch Militärs, die mit dem Präsidenten in Verbindung stehen, setzen sie unter Druck. Ihr droht nun ebenfalls eine Festnahme oder das "Verschwindenlassen". In Madagaskar sind schon andere Aktivist*innen verschwunden, und niemand weiß, wo sie sind oder was mit ihnen passiert ist.
Harnelle Rakotobe wird beschuldigt, Geld für die Ermordung des Präsidenten erhalten zu haben. Dafür gibt es aber keine Beweise. Der Vorwurf beruht nur darauf, dass sie mit einem Verwandten eines ehemaligen Senators befreundet ist und offen über die politische Lage im Land gesprochen hat.
Auch Arimamy Todisoa wird mit ähnlichen unbegründeten Vorwürfen verfolgt.
Diese Fälle spiegeln ein breiteres Muster der Unterdrückung durch die Behörden wider, das von Einschüchterung, willkürlichen Festnahmen und Verschwindenlassen geprägt ist. Derartige autoritäre Praktiken verstoßen eindeutig gegen die Rechte auf freie Meinungsäußerung, friedliche Versammlung und Vereinigungsfreiheit. Sie Zielen darauf ab, ein Klima der Angst zu erzeugen und kritische Stimmen zu unterdrücken.
Hintergrundinformation
Die Militärregierung von Madagaskar hat im Oktober 2025 die Macht übernommen. Zuvor hatten vor allem Jugendliche für eine bessere Bereitstellung von Dienstleistungen protestiert, insbesondere für einen Zugang zu Wasser und Strom. Außerdem hatten sie eine effizientere und integrative Regierungsführung gefordert.
Die neuen Behörden versprachen Reformen, doch stattdessen verschärften sie die Repression unter dem Vorwand einer Anti-Korruptionskampagne. Sie nutzen weit gefasste Anklagen wegen krimineller Verschwörung, Bedrohung der nationalen Sicherheit oder Destabilisierung, um junge Aktivist*innen, Angehörige der Zivilgesellschaft und Personen, die mit dem früheren Regime in Verbindung stehen, zum Schweigen zu bringen. Zwei junge Aktivist*innen, die zuvor von der Kriminalpolizei festgenommen worden waren, befinden sich nach wie vor unter Bewachung in einem Krankenhaus, in dem sie medizinisch behandelt werden. Das Schicksal und der Verbleib von zwei weiteren Personen, die in der Nacht des 15. April festgenommen wurden, sind weiterhin unbekannt.