Kolumbien: Morddrohungen gegen Menschenrechtler

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Das Foto zeigt mehrere Holzhütten, errichtet auf niedrigen Stelzen. Auf den Veranden stehen Menschen.

Eine Gemeinde im Departamento Chocó in Kolumbien (undatiertes Foto)

Ende März erhielt der Menschenrechtsverteidiger Juan Carlos Gaona, Mitglied der NGO Comisión Intereclesial de Justicia y Paz im Norden Kolumbiens, eine SMS, in der er darüber informiert wurde, dass ein Mordanschlag auf ihn vereitelt wurde, weil sich zufällig ein Armeelastwagen am selben Ort aufhielt. Er wurde allerdings gewarnt, dass er beim nächsten Mal nicht so viel Glück haben würde. Diese Morddrohung unterstreicht die dringende Notwendigkeit, die Mitglieder dieser Organisation im ganzen Land besser zu schützen. Amnesty International fordert die kolumbianischen Behörden auf, die international geforderten Maßnahmen zum Schutz der Organisation umzusetzen.

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Sehr geehrte Frau Ministerin,

die Mitglieder der Menschenrechtsorganisation Comisión Intereclesial de Justicia y Paz sind in großer Gefahr. Teams der Organisation, die in verschiedenen Regionen Kolumbiens im Einsatz sind, haben in den vergangenen Monaten mehrere schwerwiegenden Sicherheitsvorfälle erlebt, die zeigen, dass der zur Zeit von den kolumbianischen Behörden gewährte Schutz nicht ausreicht.

Ende 2025 meldete die Organisation mehrere schwere Sicherheitsvorfälle, die sowohl die Sicherheit ihrer Mitglieder als auch die Kontinuität ihrer Menschenrechtsarbeit gefährdeten. So kam es am 27. November 2025 zu einem Vorfall, bei dem ein Unbekannter eine Schusswaffe auf den einzigen anwesenden Angehörigen des Personenschutzes der Organisation richtete, der von der Nationalen Schutzeinheit (UNP) im Südwesten Kolumbiens gestellt wird. Am 30. November wurde eines der Sicherheitsfahrzeuge der Organisation, in dem sich drei Menschenrechtsverteidi-ger*innen befanden, von Männern verfolgt, die mit Gewehren auf sie zielten, um sie zum Anhalten zu zwingen.

Der jüngste Vorfall ereignete sich am 27. März 2026, als der Menschenrechtsverteidiger Juan Carlos Gaona, Mitglied von Justicia y Paz, eine SMS erhielt, in der er darüber informiert wurde, dass eine Operation zu seiner Ermordung in Sincelejo im Departamento Sucre zufällig vereitelt worden sei, weil sich ein Lastwagen der Armee in der Nähe des Ortes befand, an dem er eine Sitzung abhielt. In der Nachricht wurden jüngste Aktivitäten von Carlos Gaona beschrieben, die zeigen, dass er unter Beobachtung stand, und er wurde gewarnt, dass er beim nächsten Mal nicht so viel Glück haben würde. Somit handelt es bei der SMS um eine Morddrohung.

Zwar konnten einige dieser Angriffe durch Angehörige der UNP, die mit dem Schutz der Organisation betraut sind, verhindert werden, doch kommt es weiterhin zu Sicherheitsvorfällen, auch in Gebieten, die von den derzeitigen Schutzmaßnahmen ausgenommen sind. Dies zeigt, dass es dringend notwendig ist, die Schutzmaßnahmen der Organisation zu verstärken und an die Art und den größeren geografischen Radius ihrer Arbeit anzupassen.

Ich bitte Sie eindringlich, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen und dafür zu sorgen, dass Kolumbien seinen internationalen Verpflichtungen nachkommt, wie sie in der Schutzmaßnahme 629-03 der Interamerikanischen Menschenrechtskommission festgelegt sind.

Darin werden die Behörden Kolumbiens aufgefordert, in Abstimmung mit der NGO Comisión Intereclesial de Justicia y Paz alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben und die Sicherheit der Mitglieder der Organisation zu schützen und ihnen die Fortsetzung ihrer Menschenrechtsarbeit in allen Gebieten Kolumbiens zu ermöglichen, in denen Gefahren bestehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Mrs. Minister,

I am writing to express my deep concern about the serious risks to life, safety, and security of the members of the Inter-Church Commission for Justice and Peace. This human rights organization, with teams deployed across different regions of Colombia, has faced serious security incidents in recent months whose gravity is overwhelming the protection currently provided by the Colombian authorities.

At the end of 2025, the organization denounced several serious security incidents threatening both the safety of its members and the continuity of their human rights work. These included, on 27 November, an incident in which an armed unknown man pointed a firearm at the only member of the organization’s protection detail deployed by the National Protection Unit (UNP) in southwest Colombia. Then, on 30 November, one of the organization’s security vehicles, carrying three human rights defenders, was chased by heavily armed men who pointed guns at them trying to stop the vehicle on the road.

More recently, on 27 March 2026, human rights defender Juan Carlos Gaona, a member of the Inter-Church Commission, received a text message stating that an operation to murder him in Sincelejo, Sucre department, had been frustrated by chance due to the presence of an Army truck near the place where he was holding a meeting. The message described Gaona’s recent activities, revealing that he was under surveillance, and warned that he would not be as lucky next time, constituting a death threat.

While some of these attacks were prevented by members of the UNP assigned to protect the organization, further security incidents continue to occur, even on territories left out of the current protection measures. This demonstrates the urgent need to strengthen and adapt the organization’s protection measures to the nature and geographical scope of its work.

I urge you to take immediate action and ensure that Colombia complies with its international obligations, as established in the Precautionary Measure 629-03 of the Inter-American Commission on Human Rights, requesting Colombia adopts all necessary measures, in coordination with the Inter-Church Commission for Justice and Peace, to protect the life and safety of the organization’s members, enable them to continue their human rights work throughout different high-risk areas of Colombia.

Yours sincerely,

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Appell an

Aussenministerin
Minister of Foreign Affairs
Rosa Yolanda Villavicencio
Palacio de San Carlos, Calle 10 # 5-51
Bogotá
KOLUMBIEN

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Kolumbien
I. E. Frau Yadir Salazar Mejia
Taubenstr. 23
10117 Berlin

Fax: 030-2639 6125
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co

Amnesty fordert:

  • Ich bitte Sie eindringlich, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen und dafür zu sorgen, dass Kolumbien seinen internationalen Verpflichtungen nachkommt, wie sie in der Schutzmaßnahme 629-03 der Interamerikanischen Menschenrechtskommission festgelegt sind.
  • Darin werden die Behörden Kolumbiens aufgefordert, in Abstimmung mit der NGO Comisión Intereclesial de Justicia y Paz alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben und die Sicherheit der Mitglieder der Organisation zu schützen und ihnen die Fortsetzung ihrer Menschenrechtsarbeit in allen Gebieten Kolumbiens zu ermöglichen, in denen Gefahren bestehen.

Sachlage

Die Mitglieder der Menschenrechtsorganisation Comisión Intereclesial de Justicia y Paz sind in großer Gefahr. Teams der Organisation, die in verschiedenen Regionen Kolumbiens im Einsatz sind, haben in den vergangenen Monaten mehrere schwerwiegenden Sicherheitsvorfälle erlebt, die zeigen, dass der zur Zeit von den kolumbianischen Behörden gewährte Schutz nicht ausreicht.

Ende 2025 meldete die Organisation mehrere schwere Sicherheitsvorfälle, die sowohl die Sicherheit ihrer Mitglieder als auch die Kontinuität ihrer Menschenrechtsarbeit gefährdeten. So kam es am 27. November 2025 zu einem Vorfall, bei dem ein Unbekannter eine Schusswaffe auf den einzigen anwesenden Angehörigen des Personenschutzes der Organisation richtete, der von der Nationalen Schutzeinheit (UNP) im Südwesten Kolumbiens gestellt wird. Am 30. November wurde eines der Sicherheitsfahrzeuge der Organisation, in dem sich drei Menschenrechtsverteidi-ger*innen befanden, von Männern verfolgt, die mit Gewehren auf sie zielten, um sie zum Anhalten zu zwingen.

Der jüngste Vorfall ereignete sich am 27. März 2026, als der Menschenrechtsverteidiger Juan Carlos Gaona, Mitglied von Justicia y Paz, eine SMS erhielt, in der er darüber informiert wurde, dass eine Operation zu seiner Ermordung in Sincelejo im Departamento Sucre zufällig vereitelt worden sei, weil sich ein Lastwagen der Armee in der Nähe des Ortes befand, an dem er eine Sitzung abhielt. In der Nachricht wurden jüngste Aktivitäten von Carlos Gaona beschrieben, die zeigen, dass er unter Beobachtung stand, und er wurde gewarnt, dass er beim nächsten Mal nicht so viel Glück haben würde. Somit handelt es bei der SMS um eine Morddrohung.

Zwar konnten einige dieser Angriffe durch Angehörige der UNP, die mit dem Schutz der Organisation betraut sind, verhindert werden, doch kommt es weiterhin zu Sicherheitsvorfällen, auch in Gebieten, die von den derzeitigen Schutzmaßnahmen ausgenommen sind. Dies zeigt, dass es dringend notwendig ist, die Schutzmaßnahmen der Organisation zu verstärken und an die Art und den größeren geografischen Radius ihrer Arbeit anzupassen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die NGO Comisión Intereclesial de Justicia y Paz setzt sich bereits seit fast drei Jahrzehnten für die Menschenrechte in Kolumbien ein. Sie ist in mehreren Regionen des Landes tätig, darunter in den Departamentos Chocó, Cauca, Valle del Cauca, Meta, Putumayo und Antioquia – einige der Regionen, die am stärksten von bewaffneten Konflikten, Ungleichheit, Diskriminierung und anderen systemischen Problemen betroffen sind. Justicia y Paz unterstützt Einzelpersonen, Familien und Gemeinschaften bei ihrer Forderung nach Achtung und Umsetzung ihrer bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und ökologischen Rechte. 

Der Einsatz für die Menschenrechte in Kolumbien ist ein riskantes Unterfangen. Die Geschichte der Comisión Intereclesial de Justicia y Paz gibt Zeugnis davon. Wegen ihrer Arbeit waren die Organisation und ihre Mitglieder immer wieder Drohungen und Angriffen staatlicher und nichtstaatlicher Akteur*innen ausgesetzt. Die Organisation hat all diese Vorfälle dokumentiert, Schutz durch die kolumbianischen Behörden gefordert und über die Interamerikanische Menschenrechtskommission Schutzmaßnahmen erwirkt. Trotzdem und trotz einer kürzlich gestellten Forderung nach einer Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen durch die staatliche Einheit zum Personenschutz hat die Comisión Intereclesial de Justicia y Paz mehrere Probleme bei den ihnen zugewiesenen Fahrzeugen, Verzögerungen bei deren Wartung und eine allgemeine Schwächung der Schutzmaßnahmen gemeldet.

Die Comisión Intereclesial de Justicia y Paz ist in einigen der am stärksten marginalisierten Regionen Kolumbiens aktiv. Dass die Sicherheit ihrer Mitglieder nicht gewährleistet ist, wirkt sich nicht nur nachteilig auf die Wahrnehmung ihres Rechts auf die Verteidigung der Menschenrechte aus, sondern auch auf die Menschen und Gemeinschaften, die von ihrer Arbeit profitieren. Dies zeigt auch, dass der Raum für die Verteidigung der Menschenrechte in Kolumbien allgemein immer kleiner wird. Diese Entwicklung muss von einer Regierung, die sich zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger*innen verpflichtet hat, dringend angegangen werden. 

Obwohl die Comisión Intereclesial de Justicia y Paz die Morddrohung gegen Juan Carlos Gaona öffentlich angeprangert hat und sich direkt an die kolumbianischen Behörden wandte, wartet die Organisation noch immer auf wirksame Maßnahmen, die dem Ausmaß der Bedrohung Rechnung tragen.