Kolumbien: Morddrohungen gegen Menschenrechtler
Eine Gemeinde im Departamento Chocó in Kolumbien (undatiertes Foto)
© Amnesty International
Ende März erhielt der Menschenrechtsverteidiger Juan Carlos Gaona, Mitglied der NGO Comisión Intereclesial de Justicia y Paz im Norden Kolumbiens, eine SMS, in der er darüber informiert wurde, dass ein Mordanschlag auf ihn vereitelt wurde, weil sich zufällig ein Armeelastwagen am selben Ort aufhielt. Er wurde allerdings gewarnt, dass er beim nächsten Mal nicht so viel Glück haben würde. Diese Morddrohung unterstreicht die dringende Notwendigkeit, die Mitglieder dieser Organisation im ganzen Land besser zu schützen. Amnesty International fordert die kolumbianischen Behörden auf, die international geforderten Maßnahmen zum Schutz der Organisation umzusetzen.
Setzt euch für Juan Carlos Gaona ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Appell an
Aussenministerin
Minister of Foreign Affairs
Rosa Yolanda Villavicencio
Palacio de San Carlos, Calle 10 # 5-51
Bogotá
KOLUMBIEN
Sende eine Kopie an
Botschaft der Republik Kolumbien
I. E. Frau Yadir Salazar Mejia
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co
Amnesty fordert:
- Ich bitte Sie eindringlich, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen und dafür zu sorgen, dass Kolumbien seinen internationalen Verpflichtungen nachkommt, wie sie in der Schutzmaßnahme 629-03 der Interamerikanischen Menschenrechtskommission festgelegt sind.
- Darin werden die Behörden Kolumbiens aufgefordert, in Abstimmung mit der NGO Comisión Intereclesial de Justicia y Paz alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben und die Sicherheit der Mitglieder der Organisation zu schützen und ihnen die Fortsetzung ihrer Menschenrechtsarbeit in allen Gebieten Kolumbiens zu ermöglichen, in denen Gefahren bestehen.
Sachlage
Die Mitglieder der Menschenrechtsorganisation Comisión Intereclesial de Justicia y Paz sind in großer Gefahr. Teams der Organisation, die in verschiedenen Regionen Kolumbiens im Einsatz sind, haben in den vergangenen Monaten mehrere schwerwiegenden Sicherheitsvorfälle erlebt, die zeigen, dass der zur Zeit von den kolumbianischen Behörden gewährte Schutz nicht ausreicht.
Ende 2025 meldete die Organisation mehrere schwere Sicherheitsvorfälle, die sowohl die Sicherheit ihrer Mitglieder als auch die Kontinuität ihrer Menschenrechtsarbeit gefährdeten. So kam es am 27. November 2025 zu einem Vorfall, bei dem ein Unbekannter eine Schusswaffe auf den einzigen anwesenden Angehörigen des Personenschutzes der Organisation richtete, der von der Nationalen Schutzeinheit (UNP) im Südwesten Kolumbiens gestellt wird. Am 30. November wurde eines der Sicherheitsfahrzeuge der Organisation, in dem sich drei Menschenrechtsverteidi-ger*innen befanden, von Männern verfolgt, die mit Gewehren auf sie zielten, um sie zum Anhalten zu zwingen.
Der jüngste Vorfall ereignete sich am 27. März 2026, als der Menschenrechtsverteidiger Juan Carlos Gaona, Mitglied von Justicia y Paz, eine SMS erhielt, in der er darüber informiert wurde, dass eine Operation zu seiner Ermordung in Sincelejo im Departamento Sucre zufällig vereitelt worden sei, weil sich ein Lastwagen der Armee in der Nähe des Ortes befand, an dem er eine Sitzung abhielt. In der Nachricht wurden jüngste Aktivitäten von Carlos Gaona beschrieben, die zeigen, dass er unter Beobachtung stand, und er wurde gewarnt, dass er beim nächsten Mal nicht so viel Glück haben würde. Somit handelt es bei der SMS um eine Morddrohung.
Zwar konnten einige dieser Angriffe durch Angehörige der UNP, die mit dem Schutz der Organisation betraut sind, verhindert werden, doch kommt es weiterhin zu Sicherheitsvorfällen, auch in Gebieten, die von den derzeitigen Schutzmaßnahmen ausgenommen sind. Dies zeigt, dass es dringend notwendig ist, die Schutzmaßnahmen der Organisation zu verstärken und an die Art und den größeren geografischen Radius ihrer Arbeit anzupassen.
Hintergrundinformation
Die NGO Comisión Intereclesial de Justicia y Paz setzt sich bereits seit fast drei Jahrzehnten für die Menschenrechte in Kolumbien ein. Sie ist in mehreren Regionen des Landes tätig, darunter in den Departamentos Chocó, Cauca, Valle del Cauca, Meta, Putumayo und Antioquia – einige der Regionen, die am stärksten von bewaffneten Konflikten, Ungleichheit, Diskriminierung und anderen systemischen Problemen betroffen sind. Justicia y Paz unterstützt Einzelpersonen, Familien und Gemeinschaften bei ihrer Forderung nach Achtung und Umsetzung ihrer bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und ökologischen Rechte.
Der Einsatz für die Menschenrechte in Kolumbien ist ein riskantes Unterfangen. Die Geschichte der Comisión Intereclesial de Justicia y Paz gibt Zeugnis davon. Wegen ihrer Arbeit waren die Organisation und ihre Mitglieder immer wieder Drohungen und Angriffen staatlicher und nichtstaatlicher Akteur*innen ausgesetzt. Die Organisation hat all diese Vorfälle dokumentiert, Schutz durch die kolumbianischen Behörden gefordert und über die Interamerikanische Menschenrechtskommission Schutzmaßnahmen erwirkt. Trotzdem und trotz einer kürzlich gestellten Forderung nach einer Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen durch die staatliche Einheit zum Personenschutz hat die Comisión Intereclesial de Justicia y Paz mehrere Probleme bei den ihnen zugewiesenen Fahrzeugen, Verzögerungen bei deren Wartung und eine allgemeine Schwächung der Schutzmaßnahmen gemeldet.
Die Comisión Intereclesial de Justicia y Paz ist in einigen der am stärksten marginalisierten Regionen Kolumbiens aktiv. Dass die Sicherheit ihrer Mitglieder nicht gewährleistet ist, wirkt sich nicht nur nachteilig auf die Wahrnehmung ihres Rechts auf die Verteidigung der Menschenrechte aus, sondern auch auf die Menschen und Gemeinschaften, die von ihrer Arbeit profitieren. Dies zeigt auch, dass der Raum für die Verteidigung der Menschenrechte in Kolumbien allgemein immer kleiner wird. Diese Entwicklung muss von einer Regierung, die sich zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger*innen verpflichtet hat, dringend angegangen werden.
Obwohl die Comisión Intereclesial de Justicia y Paz die Morddrohung gegen Juan Carlos Gaona öffentlich angeprangert hat und sich direkt an die kolumbianischen Behörden wandte, wartet die Organisation noch immer auf wirksame Maßnahmen, die dem Ausmaß der Bedrohung Rechnung tragen.