Kolumbien: Aktivist*innen brauchen Schutz

Protestaktion mit mehreren Personen, die Schilder halten, auf denen Porträtfotos abgebildet sind.

Am 18. Oktober 2026 erhielten die Anwältin Yessika Hoyos und die Aktivist*innen Candelaria Barrios, Malena Martínez und Juan David Díaz gleichzeitig Morddrohungen. Sie gehören den Organisationen CAJAR und MOVICE an, deren Mitglieder bereits seit 2019 bedroht werden.

Setzt euch für die bedrohten Mitglieder der Organisationen CAJAR und MOVICE ein!

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Dein Appell

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Sehr geehrte Frau Generalstaatsanwältin,

Mitglieder des Anwaltskollektivs José Alvear Restrepo (CAJAR) und der Menschenrechtsorganisation MOVICE werden bedroht. MOVICE setzt sich für Opfer von staatlichen Verbrechen ein. Am 18. Oktober 2026 erhielten die Anwältin Yessika Hoyos und die MOVICE-Aktivist*innen Candelaria Barrios, Malena Martínez und Juan David Díaz Morddrohungen. Alle Nachrichten gingen um 13:05 Uhr per SMS ein. Zuvor hatte ein Gericht vier Männer verurteilt, weil sie 2018 bei einem Massaker in La Guaripa im Departamento Sucre drei Personen getötet haben sollen.

Das Massaker ereignete sich 2018 im Rahmen von Streitigkeiten über ein Grundstück mit einem örtlichen Viehzüchter und Politiker. MOVICE unterstützt die Familie der Opfer und Yessika Hoyos vertritt die Familie rechtlich. Seit Beginn des Gerichtsverfahrens werden Angehörige der Opfer sowie MOVICE-Aktivist*innen und von CAJAR bereitgestellte Rechtsbeistände bedroht. 

Bitte lassen Sie die Morddrohungen gegen Yessika Hoyos, Candelaria Barrios, Malena Martínez und Juan David Díaz von der Nationalen Menschenrechtsstelle (Unidad Nacional de Derechos Humanos) untersuchen.

Die Drohungen müssen umgehend und wirksam untersucht werden, indem die festgelegten Methoden für Angriffe gegen Menschenrechtler*innen angewendet und CAJAR und MOVICE einbezogen werden. Alle mutmaßlich Verantwortlichen müssen in fairen Verfahren zur Rechenschaft gezogen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Attorney General,

I am writing to express my deep concern about the situation of the José Alvear Restrepo Lawyers’ Collective (CAJAR) and the Sucre chapter of the National Movement of Victims of State Crimes (MOVICE). At 13:05 on 18 October 2026, lawyer Yessika Hoyos and MOVICE activists Candelaria Barrios, Malena Martínez and Juan David Díaz received simultaneous text messages containing death threats saying that if a person recently convicted goes to jail, Candelaria, Malena and Juan David should remain silent or "buy a casket."

These threats follow a September 2026 conviction by the Superior Tribunal of Sincelejo against four individuals in connection with the January 2018 La Guaripa Massacre, in Sucre department, in which brothers Humberto Escobar, Preliciano Mercado and Eusebio Osorio were killed. Yessika Hoyos serves as legal counsel for the victims’ family and MOVICE’s Sucre chapter has permanently supported them.

Since 2019, Candelaria Barrios and Malena Martínez have received threats linked to the judicial proceedings, including text messages warning them not to attend hearings or bring their lawyers, threatening that "you will be murdered and dismembered, even your bodyguards". In September 2026, Candelaria and six other members of MOVICE’s Sucre chapter also received threatening text messages demanding them to leave their territory in the name of the commander of a non-state armed group.

CAJAR and MOVICE filed a complaint with the Attorney General’s Office regarding the recent death threats, requesting an investigation. The complaint was assigned to a Prosecutor’s Office in the city of Cartagena, Bolívar department. Given the seriousness of these threats and the central role of human rights defence in the work of both CAJAR and MOVICE, I urge you to reassign the investigation to the National Human Rights Unit so that it promptly and diligently investigates the threats, applies the methodologies for investigating attacks and threats against human rights defenders, guarantees CAJAR and MOVICE’s participation in the proceedings, and brings those suspected of responsibility to justice with due process guarantees.

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 30.01.2027

Appell an

Luz Adriana Camargo
Attorney General’s Office
Avenida Calle 24 No. 52-01
Bogotá, D.C.
KOLUMBIEN

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Kolumbien
I.E. Frau Yadir Salazar Mejia
Taubenstraße 23
10117 Berlin

Fax: 030-263 961 25
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co

Amnesty fordert:

  • Bitte lassen Sie die Morddrohungen gegen Yessika Hoyos, Candelaria Barrios, Malena Martínez und Juan David Díaz von der Nationalen Menschenrechtsstelle (Unidad Nacional de Derechos Humanos) untersuchen.
  • Die Drohungen müssen umgehend und wirksam untersucht werden, indem die festgelegten Methoden für Angriffe gegen Menschenrechtler*innen angewendet und CAJAR und MOVICE einbezogen werden. Alle mutmaßlich Verantwortlichen müssen in fairen Verfahren zur Rechenschaft gezogen werden.

Sachlage

Mitglieder des Anwaltskollektivs José Alvear Restrepo (CAJAR) und der Menschenrechtsorganisation MOVICE werden bedroht. MOVICE setzt sich für Opfer von staatlichen Verbrechen ein. Am 18. Oktober 2026 erhielten die Anwältin Yessika Hoyos und die MOVICE-Aktivist*innen Candelaria Barrios, Malena Martínez und Juan David Díaz Morddrohungen. Alle Nachrichten gingen um 13:05 Uhr per SMS ein. Zuvor hatte ein Gericht vier Männer verurteilt, weil sie 2018 bei einem Massaker in La Guaripa im Departamento Sucre drei Personen getötet haben sollen.

Das Massaker ereignete sich 2018 im Rahmen von Streitigkeiten über ein Grundstück mit einem örtlichen Viehzüchter und Politiker. MOVICE unterstützt die Familie der Opfer und Yessika Hoyos vertritt die Familie rechtlich. Seit Beginn des Gerichtsverfahrens werden Angehörige der Opfer sowie MOVICE-Aktivist*innen und von CAJAR bereitgestellte Rechtsbeistände bedroht. CAJAR und MOVICE haben bei der Generalstaatsanwaltschaft eine Untersuchung der jüngsten Morddrohungen beantragt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Das Anwaltskollektiv CAJAR ist eine kolumbianische Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Bogotá. Sie wurde 1980 gegründet und unterstützt Opfer staatlicher und paramilitärischer Gewalt mit rechtlichem Beistand. Sie setzt sich für einen umfassenden Schutz der Menschenrechte ein – dies beinhaltet bürgerliche und politische Rechte sowie wirtschaftliche, soziale, kulturelle und ökologische Rechte. Die Menschenrechtsorganisation MOVICE wurde 2005 gegründet, um der Straflosigkeit entgegenzuwirken und Gerechtigkeit für die Opfer von staatlicher Gewalt zu erwirken. Mittlerweile ist MOVICE eine landesweite Bewegung für Opfer von Völkerrechtsverbrechen, die in mehreren Departamentos und auch in Sucre vertreten ist.

Die Morddrohungen gegen Yessika Hoyos, Candelaria Barrios, Malena Martínez und Juan David Díaz folgten auf ein Gerichtsurteil vom September 2026 gegen vier Personen, die an dem Massaker in La Guaripa im Januar 2018 beteiligt gewesen sein sollen, bei dem die Brüder Humberto Escobar, Preliciano Mercado und Eusebio Osorio getötet wurden. Yessika Hoyos vertritt die Familie der Opfer, und MOVICE leistet Unterstützung vor Ort. Das Oberste Gericht von Sincelejo hob einen Freispruch aus dem Jahr 2023 auf und sprach die vier Männer wegen Mordes schuldig. Vor diesem Hintergrund erfolgten die jüngsten Drohungen gegen die Mitglieder von CAJAR und MOVICE.

Seit 2019 werden Candelaria Barrios und Malena Martínez in Verbindung mit dem Gerichtsverfahren bedroht. So haben sie beispielsweise SMS erhalten, in denen sie aufgefordert wurden, an Anhörungen vor Gericht nicht teilzunehmen und ihre Rechtsbeistände nicht mitzubringen. Ansonsten würden sie "ermordet und verstümmelt, auch eure Bodyguards". Im September 2026 erhielten Candelaria Barrios und sechs weitere Mitglieder von MOVICE in Sucre bedrohliche Textnachrichten, in denen sie im Namen des Anführers einer bewaffneten Gruppe aufgefordert wurden, die Gegend zu verlassen.

Mitglieder von CAJAR und MOVICE haben in der Vergangenheit politische Gewalt erfahren. Im Jahr 2023 sprach der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte Kolumbien die Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen zu, die zwischen 1990 und mindestens 2005 gegen Mitglieder von CAJAR begangen wurden. Dabei ging es um rechtswidrige Geheimdienstaktivitäten, Verleumdungskampagnen und direkte Angriffe. Amnesty International erhielt im Jahr 2024 Informationen über Drohungen gegen Yessika Hoyos. 

Die Interamerikanische Menschenrechtskommission erließ im Jahr 2005 Schutzmaßnahmen für die Mitglieder von MOVICE in Sucre, darunter Malena Martínez und Juan David Díaz, nachdem diese bedroht und angegriffen worden waren. Amnesty International verurteilte die Tötung von Rogelio Martínez, einem Mitglied von MOVICE, im Jahr 2010. Die Organisation startete 2011 und 2013 Urgent Actions für den Schutz der MOVICE-Mitglieder in Sucre. 2018 wurden wegen anhaltender Drohungen Solidaritätsaktionen durchgeführt.

Verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen und auch die staatliche Ombudsstelle haben diese Drohungen scharf kritisiert.