Kolumbien: Aktivist*innen brauchen Schutz
© MOVICE
Am 18. Oktober 2026 erhielten die Anwältin Yessika Hoyos und die Aktivist*innen Candelaria Barrios, Malena Martínez und Juan David Díaz gleichzeitig Morddrohungen. Sie gehören den Organisationen CAJAR und MOVICE an, deren Mitglieder bereits seit 2019 bedroht werden.
Setzt euch für die bedrohten Mitglieder der Organisationen CAJAR und MOVICE ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Appell an
Luz Adriana Camargo
Attorney General’s Office
Avenida Calle 24 No. 52-01
Bogotá, D.C.
KOLUMBIEN
Sende eine Kopie an
Botschaft der Republik Kolumbien
I.E. Frau Yadir Salazar Mejia
Taubenstraße 23
10117 Berlin
Fax: 030-263 961 25
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co
Amnesty fordert:
- Bitte lassen Sie die Morddrohungen gegen Yessika Hoyos, Candelaria Barrios, Malena Martínez und Juan David Díaz von der Nationalen Menschenrechtsstelle (Unidad Nacional de Derechos Humanos) untersuchen.
- Die Drohungen müssen umgehend und wirksam untersucht werden, indem die festgelegten Methoden für Angriffe gegen Menschenrechtler*innen angewendet und CAJAR und MOVICE einbezogen werden. Alle mutmaßlich Verantwortlichen müssen in fairen Verfahren zur Rechenschaft gezogen werden.
Sachlage
Mitglieder des Anwaltskollektivs José Alvear Restrepo (CAJAR) und der Menschenrechtsorganisation MOVICE werden bedroht. MOVICE setzt sich für Opfer von staatlichen Verbrechen ein. Am 18. Oktober 2026 erhielten die Anwältin Yessika Hoyos und die MOVICE-Aktivist*innen Candelaria Barrios, Malena Martínez und Juan David Díaz Morddrohungen. Alle Nachrichten gingen um 13:05 Uhr per SMS ein. Zuvor hatte ein Gericht vier Männer verurteilt, weil sie 2018 bei einem Massaker in La Guaripa im Departamento Sucre drei Personen getötet haben sollen.
Das Massaker ereignete sich 2018 im Rahmen von Streitigkeiten über ein Grundstück mit einem örtlichen Viehzüchter und Politiker. MOVICE unterstützt die Familie der Opfer und Yessika Hoyos vertritt die Familie rechtlich. Seit Beginn des Gerichtsverfahrens werden Angehörige der Opfer sowie MOVICE-Aktivist*innen und von CAJAR bereitgestellte Rechtsbeistände bedroht. CAJAR und MOVICE haben bei der Generalstaatsanwaltschaft eine Untersuchung der jüngsten Morddrohungen beantragt.
Hintergrundinformation
Das Anwaltskollektiv CAJAR ist eine kolumbianische Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Bogotá. Sie wurde 1980 gegründet und unterstützt Opfer staatlicher und paramilitärischer Gewalt mit rechtlichem Beistand. Sie setzt sich für einen umfassenden Schutz der Menschenrechte ein – dies beinhaltet bürgerliche und politische Rechte sowie wirtschaftliche, soziale, kulturelle und ökologische Rechte. Die Menschenrechtsorganisation MOVICE wurde 2005 gegründet, um der Straflosigkeit entgegenzuwirken und Gerechtigkeit für die Opfer von staatlicher Gewalt zu erwirken. Mittlerweile ist MOVICE eine landesweite Bewegung für Opfer von Völkerrechtsverbrechen, die in mehreren Departamentos und auch in Sucre vertreten ist.
Die Morddrohungen gegen Yessika Hoyos, Candelaria Barrios, Malena Martínez und Juan David Díaz folgten auf ein Gerichtsurteil vom September 2026 gegen vier Personen, die an dem Massaker in La Guaripa im Januar 2018 beteiligt gewesen sein sollen, bei dem die Brüder Humberto Escobar, Preliciano Mercado und Eusebio Osorio getötet wurden. Yessika Hoyos vertritt die Familie der Opfer, und MOVICE leistet Unterstützung vor Ort. Das Oberste Gericht von Sincelejo hob einen Freispruch aus dem Jahr 2023 auf und sprach die vier Männer wegen Mordes schuldig. Vor diesem Hintergrund erfolgten die jüngsten Drohungen gegen die Mitglieder von CAJAR und MOVICE.
Seit 2019 werden Candelaria Barrios und Malena Martínez in Verbindung mit dem Gerichtsverfahren bedroht. So haben sie beispielsweise SMS erhalten, in denen sie aufgefordert wurden, an Anhörungen vor Gericht nicht teilzunehmen und ihre Rechtsbeistände nicht mitzubringen. Ansonsten würden sie "ermordet und verstümmelt, auch eure Bodyguards". Im September 2026 erhielten Candelaria Barrios und sechs weitere Mitglieder von MOVICE in Sucre bedrohliche Textnachrichten, in denen sie im Namen des Anführers einer bewaffneten Gruppe aufgefordert wurden, die Gegend zu verlassen.
Mitglieder von CAJAR und MOVICE haben in der Vergangenheit politische Gewalt erfahren. Im Jahr 2023 sprach der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte Kolumbien die Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen zu, die zwischen 1990 und mindestens 2005 gegen Mitglieder von CAJAR begangen wurden. Dabei ging es um rechtswidrige Geheimdienstaktivitäten, Verleumdungskampagnen und direkte Angriffe. Amnesty International erhielt im Jahr 2024 Informationen über Drohungen gegen Yessika Hoyos.
Die Interamerikanische Menschenrechtskommission erließ im Jahr 2005 Schutzmaßnahmen für die Mitglieder von MOVICE in Sucre, darunter Malena Martínez und Juan David Díaz, nachdem diese bedroht und angegriffen worden waren. Amnesty International verurteilte die Tötung von Rogelio Martínez, einem Mitglied von MOVICE, im Jahr 2010. Die Organisation startete 2011 und 2013 Urgent Actions für den Schutz der MOVICE-Mitglieder in Sucre. 2018 wurden wegen anhaltender Drohungen Solidaritätsaktionen durchgeführt.
Verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen und auch die staatliche Ombudsstelle haben diese Drohungen scharf kritisiert.