Friedensgemeinde bedroht

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Friedensgemeinde San José de Apartadó

Friedensgemeinde San José de Apartadó

Paramilitärische Gruppen setzen ihre Übergriffe auf und Drohungen gegen die kolumbianische Friedensgemeinde San José de Apartadó fort. Auch Sprecher_innen, die über diese Vorfälle auf nationaler und internationaler Ebene berichtet haben, sind in Gefahr.

Setz euch für den Schutz von Gildardo Tuberquia ein!

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Dein Appell

Sehr geehrter Herr Präsident,

mit großer Sorge habe ich von der Situation von Gildardo Tuberquia erfahren. Deswegen wende ich mich heute an Sie: Ergreifen Sie bitte umgehend Maßnahmen zur Gewährleistung des Rechts auf Leben und körperliche Unversehrtheit für Gildardo Tuberquia, die anderen Bewohner_innen der Friedensgemeinde von San José de Apartadó sowie weitere Zivilpersonen in der Region, die mit den von ihnen gemeldeten ernsthaften Bedrohungen konfrontiert sind. Ergreifen Sie bitte unverzüglich und im Einklang mit den internationalen Menschenrechtsverpflichtungen der Regierung Maßnahmen zur Auflösung paramilitärischer Gruppierungen und untersuchen Sie deren Verbindungen zu den Sicherheitskräften. Ich möchte Sie daran erinnern, dass Zivilpersonen das Recht haben, nicht in den bewaffneten Konflikt involviert zu werden. Dies gilt auch für die Bewohner_innen der Friedensgemeinde San José de Apartadó sowie andere Zivilpersonen, die in dieser Gegend leben.

Mit freundlichen Grüßen

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Bitte abschicken bis: 16.01.2018

Appell an:

Señor Juan Manuel Santos

Presidente de la República

Palacio de Nariño, Carrera 8 No. 7-26

Bogotá

KOLUMBIEN

Sende eine Kopie an:

Friedensgemeinde
Comunidad de Paz de San José de Apartadó
AA 243 de Apartadó
Antioquia
KOLUMBIEN

E-Mail: cdpsanjose@gmail.com

Botschaft der Republik Kolumbien
Frau Catalina Avila Morales
Botschaftsrätin (Geschäftsträgerin a.i.)
Taubenstr. 23

10117 Berlin

Fax: 030-2639 6125
E-Mail:
ealemania@cancilleria.gov.co

 

Amnesty fordert:

  • Ergreifen Sie bitte umgehend Maßnahmen zur Gewährleistung des Rechts auf Leben und körperliche Unversehrtheit für Gildardo Tuberquia, die anderen Bewohner_innen der Friedensgemeinde von San José de Apartadó sowie weitere Zivilpersonen in der Region, die mit den von ihnen gemeldeten ernsthaften Bedrohungen konfrontiert sind.
  • Ergreifen Sie bitte unverzüglich und im Einklang mit den internationalen Menschenrechtsverpflichtungen der Regierung Maßnahmen zur Auflösung paramilitärischer Gruppierungen und untersuchen Sie deren Verbindungen zu den Sicherheitskräften.
  • Ich möchte Sie daran erinnern, dass Zivilpersonen das Recht haben, nicht in den bewaffneten Konflikt involviert zu werden. Dies gilt auch für die Bewohner_innen der Friedensgemeinde San José de Apartadó sowie andere Zivilpersonen, die in dieser Gegend leben.

Sachlage

Die paramilitärische Gruppe Autodefensas Gaitanistas de Colombia (AGC) dringt weiter vor, um die Kontrolle über das Dorf San José de Apartadó zu erlangen, und gefährdet die 20-jährige Arbeit der Friedensgemeinde zur Wahrung ihrer Neutralität im bewaffneten Konflikt in Kolumbien. Eine der Taktiken der AGC besteht darin, Gemeindesprecher_innen mit dem Tod zu drohen.

Gildardo Tuberquia, Mitglied des Internen Rates der Friedensgemeinde von San José de Apartadó, berichtete, er habe 2017 mindestens acht Morddrohungen erhalten. Der jüngste Vorfall ereignete sich am 30. November, als eine Gruppe von Paramilitärs in den Straßen Mulatos und Resbaloza in San José de Apartadó patrouillierte. Nach Angaben der Gemeinde drohten die Paramilitärs Gildardo Tuberquia damit, ihn und alle anderen Gemeindemitglieder, die weiterhin über diese Vorfälle berichteten, zu entführen und zu töten. Die Gemeinde erklärte, die Paramilitärs hätten gedroht, „diese Hundesöhne [Schimpfwort], die ihren wirtschaftlichen Plänen für die Region im Wege stehen, umzubringen“ (van a matar a esos hp miembros de la comunidad pues son un estorbo para el proyecto económico que traen para la región).

Gildardo Tuberquia hatte 2017 sowohl national als auch international mehrfach über die Aktivitäten der AGC und die Notwendigkeit des Schutzes für seine Gemeinde berichtet. Im Mai sprach er beispielsweise vor dem kolumbianischen Kongress. Gegenwärtig kann er sich in San José de Apartadó angesichts der erhaltenen Drohungen nur mit internationaler Begleitung bewegen. In ihrer jüngsten Erklärung schreibt die Gemeinde: „Wir danken allen Menschen und Organisationen, die unseren Bitten um Hilfe Glauben geschenkt haben, von Herzen, und wir bitten Sie von unserem Territorium aus, für das wir uns so sehr Frieden wünschen, nicht aufzuhören, mit Ihren Briefen und Botschaften Druck auf diese Regierung auszuüben, die sich noch nie um das Leben von Zivilpersonen gekümmert hat und zudem nur ihre eigenen Interessen im Blick hat.“

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Friedensgemeinde San José de Apartadó setzt sich aus Bewohner_innen mehrerer Ortschaften zusammen, die in der Gemeinde Apartadó im Departamento Antioquia im Nordwesten Kolumbiens liegen. Die Bewohner_innen der Region verteidigen sowohl gegenüber den Sicherheitskräften als auch den Guerillaeinheiten ihr Recht, nicht in den bewaffneten Konflikt Kolumbiens hineingezogen zu werden und wehren sich dagegen, für eine Seite Partei zu ergreifen. Die Bewohner_innen verweigern das Tragen von Waffen und liefern keiner der beiden Seiten Informationen oder logistische Unterstützung. Als Gegenleistung verlangt die Friedensgemeinde, dass die an dem bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien sich von ihrem Land fernhalten und ihre neutrale Position respektieren.

Die Friedensgemeinde wurde am 23. März 1997 gegründet. Seitdem sind mehr als 200 ihrer Bewohner_innen getötet worden oder dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen, weitere Personen wurden bedroht oder sexuell missbraucht. Die Bewohner_innen der Friedensgemeinde befinden sich in ständiger Gefahr. Die Mehrzahl der Tötungen wurde von Paramilitärs mit Billigung und Unterstützung der lokalen Streitkräfte begangen. In anderen Fällen wurden die Tötungen von Guerillagruppen verübt. In den vergangenen zehn Jahren wurden neben Bewohner_innen der Friedensgemeinde auch Menschen getötet, die lediglich nahe des von der Friedensgemeinde besiedelten Gebietes lebten oder enge Verbindungen zu deren Bewohner_innen unterhielten. Ende 2016 berichteten Bewohner_innen der Friedensgemeinde von einer Zunahme der paramilitärischen Aktivitäten, wobei zahlreiche Paramilitärs, von denen einige militärische Kleidung trugen und sich selbst als Mitglieder der AGC auswiesen, zeitweise in verschiedenen Teilen der Gemeinde campierten. Zwischen dem 15. und dem 19. Januar 2017 begingen die Paramilitärs Überfälle in mehreren Ortschaften in oder in der Nähe der Friedensgemeinde. Diese Zunahme der paramilitärischen Aktivitäten seit Ende 2016 gefährdet die Mitglieder der Friedensgemeinde und andere Personen, die in dieser Gegend leben.

Trotz der vermeintlichen Demobilisierung vor einem Jahrzehnt agieren Paramilitärs weiterhin in mehreren Gebieten des Landes. In einem Bericht zur Menschenrechtssituation in Kolumbien, der im März 2016 vom UN-Hochkommissar für Menschenrechte veröffentlicht wurde, heißt es, dass paramilitärische Gruppierungen (die im Bericht als „nach der Demobilisierung entstandene Gruppierungen“ bezeichnet werden) „durchgängig Menschenrechte und die Sicherheit der Bürger_innen untergraben.“ Außerdem verhindern sie laut dem Bericht „die Rechtspflege und Friedensförderung, wozu auch die Landrückgabe zählt. Die Gruppen aufzulösen, welche gestohlenes Land durch den Einsatz oder die Androhung von Gewalt kontrollieren, stellt eine dauerhafte Herausforderung für den Frieden dar.“