Brasilien: Mord an Umweltschützern aufklären!

Luftaufnahme eines teilweise abgeholzten Waldes

Teilweise abgeholzter Wald im brasilianischen Bundesstaat Amazonas im September 2021

Bruno Pereira und Dom Phillips, die sich in Brasilien für den Umweltschutz und die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen einsetzten, verschwanden am 5. Juni im Javarí-Tal im brasilianischen Amazonasgebiet. Am 15. Juni teilte die brasilianische Polizei mit, dass einer von zwei inhaftierten Verdächtigen den Mord an den beiden Männern gestanden habe und dass im Regenwald aufgefundene sterbliche Überreste analysiert würden. Zuvor hatten die Behörden stigmatisierende Bemerkungen über Bruno Pereira und Dom Phillips gemacht und ihr Verschwinden verspätet und ohne Transparenz oder ausreichende Mittel untersucht. Der Fall muss umgehend zielführend, unparteiisch und unabhängig untersucht werden und alle mutmaßlich Verantwortlichen sind vor Gericht zu stellen.

Appell an

Generalstaatsanwalt
Augusto Aras
SAF Sul Quadra 4 Conjunto C
Brasília/DF 70050-900
BRASILIEN

 

Sende eine Kopie an

Botschaft der Föderativen Republik Brasilien
S. E. Herrn Roberto Jaguaribe Gomes De Mattos
Wallstraße 57
10179 Berlin

Fax: 030-726 283 -20 oder -21

E-Mail: brasemb.berlim@itamaraty.gov.br

Amnesty fordert:

  • Sorgen Sie bitte umgehend für eine gründliche, unparteiische und unabhängige Untersuchung des Verschwindens und der Ermordung von Bruno Pereira und Dom Phillips, die den Kontext ihrer Menschenrechtsarbeit berücksichtigt. Alle, die strafrechtlicher Verantwortung verdächtigt werden, müssen vor Gericht gestellt werden.
  • Gewährleisten Sie unbedingt Gerechtigkeit im Fall von Bruno Pereira und Dom Phillips. Ihre Familienangehörigen müssen Zugang zu Wahrheit und Wiedergutmachung erhalten, und die indigenen Gemeinschaften des Javarí-Tals sowie die gesamte brasilianische Gesellschaft müssen geschützt werden und Möglichkeiten haben, rechtliche Schritte einzuleiten, um solche Taten in der Zukunft zu verhindern.

Sachlage

Am 15. Juni erklärte die brasilianische Polizei, dass Bruno Pereira und Dom Phillips, die sich in Brasilien für den Umweltschutz und die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen einsetzten und die am 5. Juni im Javarí-Tal verschwanden, getötet worden seien. Zwei Männer waren als Tatverdächtige festgenommen worden und einer von ihnen habe den Mord an den Menschenrechtlern gestanden.

Am Morgen des 5. Juni verschwanden in Brasilien der Aktivist für Indigenenrechte Bruno Pereira, der für die staatliche Indigenenbehörde FUNAI (Fundação Nacional do Índio) arbeitete, und der britische Journalist Dom Phillips, der für die Zeitung The Guardian berichtete. Die beiden Männer waren im nördlichen Bundesstaat Amazonas zwischen der Flussgemeinde São Rafael und der Kleinstadt Atalaia do Norte unterwegs, bevor sie als vermisst gemeldet wurden. Sie hielten sich im Javarí-Tal auf, um verschiedene von indigenen Gemeinschaften organisierte Überwachungsposten zu besuchen, die den Schutz und Erhalt der Umwelt in den Reservatsgebieten sicherstellen sollen.

Die brasilianischen Behörden müssen dafür sorgen, dass die Umstände, die zum Verschwinden und Tod von Bruno Pereira und Dom Phillips geführt haben, umgehend auf transparente und menschenrechtskonforme Weise untersucht werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Das Javarí-Tal liegt im Amazonas-Grenzgebiet zu Peru und Kolumbien und umfasst 8,5 Mio. Hektar Land, das als indigenes Territorium ausgewiesen ist. Damit ist es das zweitgrößte offizielle indigene Territorium Brasiliens. Die Region beheimatet weltweit die meisten indigenen Menschen, die in freiwilliger Isolation leben, und ist nur über Land und per Boot zugänglich. Ähnlich wie viele andere Regionen im brasilianischen Amazonasgebiet ist das Javarí-Tal Schauplatz heftiger Konflikte im Zusammenhang mit illegaler Landnahme für Bergbau und Holzeinschlag. Auch Drogenschmuggel ist ein Konfliktherd, da die schlecht überwachten Grenzen der Region für Schmuggelrouten zwischen Brasilien, Kolumbien und Brasilien genutzt werden.

Angestellte der staatlichen Indigenenbehörde FUNAI, Menschenrechtler*innen sowie Mitarbeiter*innen von NGOs werden in der Region seit Langem bedroht und angegriffen. Im Jahr 2019 wurde der FUNAI-Mitarbeiter Maxciel Pereira dos Santos in Tabatinga durch zwei Kopfschüsse getötet. Die Tat wurde bis heute nicht aufgeklärt.

Die brasilianische Regierung unter Jair Bolsonaro macht systematisch Umweltgesetze rückgängig und nimmt die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen und anderer traditioneller Gemeinschaften unter Beschuss. Die Vereinigung der indigenen Völker Brasiliens (Articulação dos Povos Indígenas do Brasil – APIB) hat ihre am 9. August 2021 eingereichte Klage gegen Präsident Bolsonaro vor dem Internationalen Strafgerichtshof aktualisiert. Die APIB wirft ihm vor, für Vernichtung, Verfolgung und andere unmenschliche Handlungen verantwortlich zu sein und damit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord begangen zu haben. Dies bezieht sich auf den Zeitraum Januar-Mai 2022, u. a. auf Nachlässigkeit bei der Suche nach Bruno Pereira und Dom Phillips und auf "Barbarei" im Territorium der Yanomami.

Der brasilianische Staat ist verpflichtet dafür zu sorgen, dass Menschenrechtler*innen, Journalist*innen und Staatsbedienstete ihrer Arbeit uneingeschränkt und gefahrlos nachgehen können. Dom Phillips und Bruno Pereira sind bekannt für ihre Berichterstattung aus dem Amazonasgebiet und ihren Einsatz für die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen.